"Das gibt's doch nicht" - Bestürzung in Aiwangers Heimat

Für die Menschen in Rottenburg an der Laaber war Hubert Aiwanger einer von ihnen. Der Politiker galt als nahbar und umgänglich, als einer, der zuhört. Sein Tod sorgt für große Bestürzung.
Ute Wessels, dpa |
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Hubert Aiwanger lebte in Niederbayern, wo er einen Bauernhof betrieb. In seinem Heimatort ist die Bestürzung über den Tod des 55-Jährigen groß. (Archiv)
Hubert Aiwanger lebte in Niederbayern, wo er einen Bauernhof betrieb. In seinem Heimatort ist die Bestürzung über den Tod des 55-Jährigen groß. (Archiv) © Armin Weigel/dpa
Rottenburg an der Laaber

Dem Bürgermeister in Rottenburg an der Laaber geht es angesichts des Todes von Hubert Aiwanger wie vielen Einwohnern der Kleinstadt im Landkreis Landshut: Er ist fassungslos. Als Laurentius Seidl (CSU) am Morgen vor die Kameras tritt, muss er sich kurz sammeln. Der Schock sitzt tief. Hier, in dem beschaulichen Städtchen mit knapp 8.500 Einwohnern, war Aiwanger zu Hause. Sein Bauernhof liegt im Ortsteil Rahstorf nur wenige Kilometer außerhalb.

Als "großen Rottenburger" bezeichnet der Bürgermeister den am Mittwoch in Berlin gestorbenen Freie Wähler-Politiker. Der 55-Jährige sei hier sehr präsent gewesen, sagt Seidl. "Egal welche Veranstaltungen, so wie es ihm möglich war, war er immer da, hat mit den Leuten gesprochen." Aiwanger sei nahbar gewesen.

Volksnah und engagiert

So beschreiben auch Passanten den Politiker, die an diesem sonnigen Vormittag in der Innenstadt unterwegs sind. Vor dem Rathaus, vor der Bäckerei oder an der Bushaltestelle herrscht auf den ersten Blick alltäglicher Betrieb - wären nicht zahlreiche Pressevertreter mit Kameras vor Ort. 

"Es ist tragisch, wirklich tragisch", sagt Alfons König. Er sei konsterniert, wisse gar nicht, was er sagen solle. Aiwanger habe er oft auf Veranstaltungen erlebt. "Der hat genauso so geredet wie die Leute, man hat ihn verstanden, man hat gewusst, was er sagen möchte. Und das, was er gesagt hat, das hat er auch gemacht."

Aiwanger, der überzeugte Bayer

Betroffen äußert sich auch Felicitas von Proeck-Zvlcil. Sie habe ihn zwar nicht persönlich gekannt, jedoch öfter mal vorbeilaufen sehen. Als sie am Abend von Aiwangers Tod erfuhr, sei sie sehr schockiert gewesen. Er habe sich sehr eingesetzt für die Bevölkerung und für Bayern. "Ich glaube, das ist ein immenser Verlust - nicht nur für die Familie."

Auch als Charakterkopf habe sie ihn geschätzt, sagt von Proeck-Zvlcil. "Ich fand es schön, dass er den bayerischen Dialekt weitergetragen hat, und keinen Hehl daraus gemacht hat, dass er aus Bayern kommt." Aiwanger habe das Volk vertreten, sei auch humorvoll gewesen. "Ich bin vorhin an seinem Büro hier vorbeigefahren und habe mir nur gedacht: Warum? Also es ist eigentlich unfassbar."

"Warum ist er gestorben, was hat er denn gehabt?", fragt ein älterer Herr. Er habe in den Nachrichten dazu noch nichts gehört. Die Todesursache war am Donnerstag noch unklar. Aiwanger hatte sich in Berlin aufgehalten, dort einen Termin abgesagt, weil er sich nicht gut fühlte. Später wurde er leblos in seinem Hotelzimmer gefunden. "Ich habe es heute früh gehört und gedacht: Das gibt's doch nicht, das gibt's doch nicht", sagt der ältere Herr weiter.

"Er hat sich aufgearbeitet"

Stress dürfte eine Rolle gespielt haben, vermuten die Leute. Der Bürgermeister sagt: "Also wirklich ein sehr engagierter Politiker." So sieht es auch ein Passant: Aiwanger sei wahnsinnig aktiv gewesen, habe quasi jedes Volksfest und jedes Feuerwehrfest besucht. "Er hat sich aufgearbeitet." Vielleicht habe sich Aiwanger nicht genug um sich selbst gekümmert, sagt der Mann. 

Angemerkt habe man dem Politiker jedenfalls nichts, findet Bürgermeister Seidl: "Er war ja wirklich topfit, wenn man ihn immer wieder getroffen hat und so voller Energie und Elan." Man habe nicht damit gerechnet, dass ihn irgendetwas umhauen könne. "Aber man sieht, wie schnell es gehen kann."

"Es ist schade, sehr schade", sagt eine Dame, als sie mit zwei Brottüten in den Händen die Bäckerei verlässt. Eine junge Frau ergänzt: "Er war unser Promi."

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