Corona-Nebenwirkung: Kriminalität geht in Bayern zurück

Die Corona-Epidemie hat Bayern seit Ende Februar friedlicher gemacht, wie eine Auswertung des Landeskriminalamts zeigt. Bei manchen Delikten aber rätseln die Kriminalbeamten, ob der Rückgang der Strafanzeigen der Realität entspricht.
| dpa
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Während der Corona-Krise gibt es weniger Anzeigen als sonst. Aber gibt es auch weniger Straftaten? (Symbolbild)
Maurizio Gambarini/dpa Während der Corona-Krise gibt es weniger Anzeigen als sonst. Aber gibt es auch weniger Straftaten? (Symbolbild)

Die Corona-Epidemie hat Bayern seit Ende Februar friedlicher gemacht, wie eine Auswertung des Landeskriminalamts zeigt. Bei manchen Delikten aber rätseln die Kriminalbeamten, ob der Rückgang der Strafanzeigen der Realität entspricht.

München - Im Zuge der Corona-Epidemie ist die Kriminalität in Bayern zurückgegangen. Das ergibt eine Auswertung des Bayerischen Landeskriminalamts (BLKA).

Demnach wurden bei der Polizei nicht nur weniger Einbrüche, Ladendiebstähle und Körperverletzungen gemeldet, sondern auch die Zahl der Anzeigen wegen Betrugs und Sexualtaten ging zurück, wie das Innenministerium in München am Sonntag auf Anfrage mitteilte. "Der 'Corona-Effekt' auf die Kriminalität ist hier zum Teil deutlich sichtbar", erklärte Innenminister Joachim Herrmann (CSU). Einen Rückgang erwartet der Innenminister auch bei den Verkehrsunfällen, da derzeit weniger Autos auf den Straßen unterwegs sind als üblich.

Deutlich weniger Anzeigen als 2019

Das Ministerium meldete keine konkreten Fallzahlen, sondern eine Auswertung der internen "Vorgangsverwaltung" der Polizei. Verglichen wurde die Zahl der Strafanzeigen seit Jahresbeginn mit den Vorjahreswerten. Dabei zeigt sich, dass die Trendlinien bei den verschiedenen Delikten in diesem Jahr seit Ende Februar deutlich unter den Vergleichswerten des Jahres 2019 liegen.

Konkrete Fallzahlen gibt es jedoch erst, wenn die Fälle von der Polizei an die Staatsanwaltschaften abgegeben werden und in die bundesweit einheitlich geführte Kriminalstatistik eingehen. Der Hintergrund: Manche Strafanzeigen sind unbegründet oder falsch, dementsprechend leiten die Staatsanwaltschaften in solchen Fällen auch keine Ermittlungsverfahren ein.

Minister Herrmann: "Keine allzu kühnen Schlüsse"

Herrmann will auch keine allzu kühnen Schlüsse aus der Analyse ziehen. Für belastbare Trendaussagen ist der Zeitraum nach Worten des CSU-Politikers zu kurz. "Wie sich die Kriminalität weiterentwickelt, werden wir sehr genau beobachten", kündigte Herrmann an.

Bei manchen Delikten liegen die Ursachen für den Rückgang der Strafanzeigen nach Einschätzung des Landeskriminalamts auf der Hand - etwa bei Ladendiebstählen und Einbrüchen: Wenn wenige Geschäfte geöffnet sind und die Bürger häufiger zuhause sind, wird auch weniger gestohlen und eingebrochen.

Weniger Gastronomie - weniger Betrunkene auf den Straßen

Ähnliches gilt für Körperverletzungen und Sexualstraftaten. Herrmann führt den Rückgang der Strafanzeigen in dieser Hinsicht unter anderem auf die mit der Schließung der Gastronomie verbundenen Beschränkungen zurück, weil nachts weniger Menschen alkoholisiert unterwegs sind.

Bei anderen Straftaten aber zweifeln die Fachleute des LKA selbst, ob die Entwicklung der Strafanzeigen der Realität entspricht. Beim Rückgang der Betrugsdelikte - inklusive Online-Kriminalität - könnte nach Einschätzung des BLKA auch eine Rolle spielen, dass weniger angezeigt wird als üblich. "Möglicherweise verzichten einige Geschädigte derzeit auf eine Anzeige bei der Polizei, um die Wohnung nicht verlassen zu müssen", sagte Herrmann.

Kein Anstieg von Anzeigen bei häuslicher Gewalt

Und möglicherweise spielt das auch bei der häuslichen Gewalt eine Rolle: Anders als vielfach erwartet gab es in dieser Hinsicht bislang keinen Anstieg der Strafanzeigen. Inwiefern Gewaltvorfälle, die während der Ausgangsbeschränkung stattgefunden haben, erst zu einem späteren Zeitpunkt angezeigt werden, müsse abgewartet werden, sagte Herrmann dazu. "Bitte melden Sie sich umgehend bei der Polizei, falls Sie Opfer von häuslicher Gewalt geworden sind oder davon mitbekommen haben", riet der Innenminister.

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