Corona bremst Freinacht aus, aber Freibrief für Verliebte

Wegen der Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie fällt allerhand Brauchtum in diesem Jahr ins Wasser - auch zur Freinacht. Der Innenminister warnt mit eindringlichen Worten. Doch für romantische Gesten hat die Polizei eine Lücke im Regelkatalog entdeckt.
| dpa
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Joachim Herrmann (CSU) , Innenminister von Bayern. Foto: Sven Hoppe/dpa-POOL/dpa
dpa Joachim Herrmann (CSU) , Innenminister von Bayern. Foto: Sven Hoppe/dpa-POOL/dpa

München/Augsburg (dpa/lby) - Pech fürs Brauchtum, Glück für Verliebte: Die Freinacht auf den 1. Mai dürfte wegen der Corona-Krise heuer deutlich ruhiger ausfallen als sonst. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) warnte Freinachts-Scherzbolde am Mittwoch: "Das Coronavirus kennt keine Gnade. Wir wollen unnötige Ansteckungen so gut es geht vermeiden." Unsinn zu verzapfen, sei kein triftiger Grund zum Verlassen der Wohnung.

"Wo es notwendig ist, gibt es mehr Polizeipräsenz und konsequente Kontrollen", kündigte Herrmann in München an. Und er appellierte an Eltern: Sie seien verantwortlich, dass ihre Kinder die Corona-Regeln einhalten. "Hier geht es um die Gesundheit Vieler und viel zu oft auch um Leben und Tod."

Eine Ausnahme gibt es allerdings - "jedoch nur für Verliebte", wie die Beamten der Augsburger Polizei betonen: Das Aufstellen eines kleinen geschmückten Birkenbaums, sogenannte Liebesmaien, vor dem Haus der oder des Angebeteten sei als Bewegung an der frischen Luft grundsätzlich zulässig, erläuterten die Polizisten in einer Mitteilung. "Allerdings nur alleine, mit einer weiteren haushaltsfremden Person oder Angehörigen des eigenen Hausstandes." Denn auch hier gilt: keine Gruppenbildung, Abstand halten.

Der Brauch der Freinacht geht auf den alten Musterungstermin am 1. Mai zurück. Besonders in Bayern ist die Tradition lebendig. Junge Männer ziehen in der Freinacht traditionell durch die Straßen und machen Schabernack. In den vergangenen Jahren hatten die Polizeipräsidien Dutzende bis Hunderte Einsätze etwa wegen abmontierter Verkehrszeichen, besprühter Autos oder herausgehobener Kanaldeckel gemeldet. Nicht immer blieb es nur bei Streichen.

"Das Coronavirus ist eine echte Spaßbremse", stellte die Pressestelle des Präsidiums Schwaben Nord nun fest. Und es klingt fast wehmütig, wie sich die Mitarbeiter an Warnungen längst vergangener Tage erinnern: Dass man in der Freinacht nicht übertreiben solle. Dass sie kein Freibrief sei, alteingesessene Bräuche zu missbrauchen. Dass die Beamten Straftaten rigoros verfolgten und die Verantwortliche anzeigten. Dass sie stets empfohlen hätten, alles im Freien beiseite zu räumen, was zur "Freinachtbeute" werden könnte. Dass auch Autos nach Möglichkeit in der Garage geparkt werden sollten.

"Alle unsere jahrelangen Tipps und gutgemeinten Ratschläge sollen heuer also kein Gehör finden wegen eines gemeinen heimtückischen brauchtumsresistenten Virus?", schreiben die Beamten zum Ende der Mitteilung. Und geben sich dann doch wieder zuversichtlich: "Wir werden Stand jetzt nächstes Jahr unsere Tipps wieder an gleicher Stelle veröffentlichen, denn: Corona geht - aber Brauchtum besteht."

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