Club-Trainer von Heesen pfeift auf Psycho-Guru

Mangelnder Wille ist ihnen ganz bestimmt nicht zu unterstellen. Aber er will den Cluberern partout nicht gelingen, der erste von noch vielen Schritten raus aus der Abstiegszone, hin zum sicheren Ufer.
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Atmet schwer durch, nachdem es partout nicht laufen will: Abwehrchef Andy Wolf.
Bayernpress Atmet schwer durch, nachdem es partout nicht laufen will: Abwehrchef Andy Wolf.

NÜRNBERG - Mangelnder Wille ist ihnen ganz bestimmt nicht zu unterstellen. Aber er will den Cluberern partout nicht gelingen, der erste von noch vielen Schritten raus aus der Abstiegszone, hin zum sicheren Ufer.

Auf Willensschulung, zumindest körperlicher Natur, bis an oder über die physischen Grenzen hinaus zu gehen, ist auch die Maxime von Thomas von Heesen. „Die Jungs werden nach den Einheiten auch mal heftig pumpen“, verrät der Trainer – und erteilt in einem Atemzug potenziellen Psycho-Gurus eine klare Absage.

An blumig formulierten Bewerbungen diverser Mentaltrainer mangelt es Martin Bader nicht. „Uns wird schon seit November Hilfe versprochen“, verdreht der Manager leicht gequält die Augen, wenn er Sätze liest wie: „Gebt mir vier Wochen Zeit, ich mache die Mannschaft um 50 Prozent besser.“ Solch „seriöse“ Angebote landen schneller im Papierkorb, als sich dass der Absender vorstellen kann.

Trainer als Psychologe

Von Heesen hält es da lieber wie sein Vorgänger Hans Meyer: „Ein Trainer ist immer auch als Psychologe gefordert.“ Mit dem Unterschied, dass Tommy seine Jungs an deren eigene Stärken erinnert, und nicht wie Meyer – zumindest in der Öffentlichkeit – die Stärken des jeweiligen Gegners über Gebühr in den Vordergrund stellt.

„Ein Mentaltraining, das ist mehr eine individuelle Geschichte“, weiß von Heesen. „Kurzfristig bringt das in einem großen Kreis nichts.“ In die gleiche Kerbe schlägt Bader: „Ich halte nichts davon, jemanden vor die Mannschaft zu stellen, der sie stark redet.“ Allerdings: Sollten einzelne Spieler – was in der Vergangenheit durchaus der Fall war – sich einer psychologisch geschulten Person anvertrauen wollen, „dann werden wir dies niemandem verbieten“, erklärt Bader. Mit dem wichtigen Zusatz: „Zwingen werden wir keinen dazu, wir könnten bei Bedarf aber jederzeit Kontakte zur Verfügung stellen.“

Auf mentales Doping wollen sie beispielsweise in Bremen gar nicht mehr verzichten. Trainer Thomas Schaaf arbeitet seit sechs Jahren mit Wilfrid Sondag zusammen. Und ist vom Experten für „systemische Beratung und Therapie“ und dessen Arbeit „voll überzeugt“. An der Weser gehen sie sogar noch weiter, beschäftigen auf Honorarbasis den auch für die Nationalmannschaft bereits tätigen Kurt Schweinberger. Einen unter anderem auf zu trinkendes „schwingendes Wasser“ spezialisierten Heilpraktiker.

Was zunächst wirr klingt, muss nicht schaden. „Prinzipiell sind wir für alles offen“, sagt Bader, weiß aber auch: Kurzfristig gibt es nur eine Lösung – schnell und reichlich punkten im Abstiegskampf.

Markus Löser

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