Chiemsee: Yachtclub will 10.000 Kubikmeter Schlamm ausbaggern

Am Chiemsee will der Yachtclub Prien seinen Hafen ausbaggern und den Aushub an einer tiefen Stelle im See entsorgen. Eine Petition an den Landtag soll das verhindern. 
| Klaus Wiendl
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An der Schwaighofbucht in Tegernsee-Süd warnt ein Schild vor dem "Schlamm wie Treibsand". Seit Jahren wird über die Entsorgung des Schlamms gestritten. Nun gibt es auch am Chiemsee Konflikte über die Ausbaggerung.
Klaus Wiendl 2 An der Schwaighofbucht in Tegernsee-Süd warnt ein Schild vor dem "Schlamm wie Treibsand". Seit Jahren wird über die Entsorgung des Schlamms gestritten. Nun gibt es auch am Chiemsee Konflikte über die Ausbaggerung.
Florian von Brunn vor der geflickten Scheibe seines Büros in der Daiserstraße.
Daniel von Loeper 2 Florian von Brunn vor der geflickten Scheibe seines Büros in der Daiserstraße.

Prien - Allein 10.000 Kubikmeter Kies pro Jahr schiebt die Tiroler Ache in den Chiemsee. Laut Aussagen des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein sind in den vergangenen 200 Jahren etwa 420 Hektar Chiemseefläche im Gebiet der Achemündung verlandet. Vieles davon gelangte wohl auch nach Prien in den Yachthafen.

Bis zu 10.000 Kubikmeter Schlamm wollen die Segler dort im Bereich ihres Yachthafens Harras ausbaggern lassen, damit die Boote mit Kiel sicher ausfahren können. Der Nassschlamm soll mittels "Schlammsaugtechnik ohne Kontakt zur Umgebungsluft umgelagert und in einen etwa 300 bis 400 Meter weiter östlich liegenden Bereich des Ruttengrabens im Chiemsee versenkt werden", so der Antrag, der der AZ vorliegt.

Schlamm-Vorhaben am Chiemsee besorgt Umweltschützer und Fischer

Noch befindet sich das Projekt in der Planungsphase, doch es sorgt bereits für heftigen Wirbel. So hat Helge Holzer von der Initiative "Rettet den Chiemsee" eine Petition an den Landtag gerichtet. Sie hat zwar grundsätzlich nichts gegen den Aushub, doch die Initiative stört sich daran, dass der Schlamm ausgerechnet im See versenkt werden soll und nicht an Land entsorgt wird.

Florian von Brunn vor der geflickten Scheibe seines Büros in der Daiserstraße.
Florian von Brunn vor der geflickten Scheibe seines Büros in der Daiserstraße. © Daniel von Loeper

Man befürchtet einen Präzedenzfall. Sollte der Yachtclub das Sediment verklappen dürfen, "könnte dies eine Kettenreaktion auslösen", argwöhnt auch der umweltpolitische Sprecher der SPD im Landtag, Florian von Brunn, im Gespräch mit der AZ. "Denn wir haben mindestens zwölf Yachtclubs am Chiemsee." Er ist besorgt, dass der Schlamm möglicherweise mit Rückständen durch Antifouling-Anstriche an den Booten kontaminiert ist. Der Aushub würde am Boden alles abdecken.

Laut EU-Recht müsste eine solche Maßnahme bereits abgelehnt werden, "wenn sich nur für eine Komponente wie für Fische etwas verschlechtert", sagt von Brunn. Den Bestand der Renke sehen die Chiemsee-Fischer gefährdet. Ihr Obmann, Thomas Lex, ist gegen eine solche Schlammentsorgung. Er hofft, dass der Yachtclub damit nicht durchkommt.

Tegernsee: Ausbaggerung kostet knapp fünf Millionen Euro

Während SPD-Mann von Brunn das weitere Vorgehen von einem Gutachten abhängig macht, schlägt Umweltminister Thorsten Glauber (CSU) in seiner Stellungnahme an den Landtag vor, dass der Yachtclub zunächst ein "Beprobungskonzept aufstellt und entsprechende Beprobungen durchführt". "Sollten die Ergebnisse eine Nassschlammverlagerung im Gewässer ausschließen, wäre das Baggergut ordnungsgemäß anderweitig zu verwenden oder als Abfall zu entsorgen", so Glauber.

Das könnte Millionen kosten. Diese Erfahrung macht man in Tegernsee-Süd. Dort sollen in der Schwaighofbucht an der Mündung der Rottach 60.000 Kubikmeter Schlamm ausgebaggert und entsorgt werden. Dagegen aber würden nicht nur die Kosten von knapp fünf Millionen Euro sprechen, sondern auch die Verschlammung der Mangfall sowie die Gefährdung der Fischbestände und Laichplätze.

Am Tegernsee ist dieses heiße Eisen wohl noch länger in der Warteschleife.

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