CHAOS-CLUB

Finanzen, Personal, Infrastruktur: Bei Abstieg wird gewaltig abgespeckt. Roth droht Heckenschützen: „Weder Trainer noch Manager stehen auf der Kippe“
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Dreimal landete der Ball in Stuttgart im Club-Tor: Zvjezdan Misimovic & Co. schauten nur traurig hinter. Die Folgen eines Abstiegs wären gravierender Natur.
dpa Dreimal landete der Ball in Stuttgart im Club-Tor: Zvjezdan Misimovic & Co. schauten nur traurig hinter. Die Folgen eines Abstiegs wären gravierender Natur.

Finanzen, Personal, Infrastruktur: Bei Abstieg wird gewaltig abgespeckt. Roth droht Heckenschützen: „Weder Trainer noch Manager stehen auf der Kippe“

NÜRNBERG Der Club steuert nach der 0:3-Blamage beim VfB Stuttgart auf das totale Chaos zu. Den noch bis Samstag amtierenden Pokalsieger, den Vorjahres-Sechsten trennen nur noch Zentimeter vom völligen Absturz. Noch ist die Messe nicht gelesen, machen Funktionäre und Spieler – vielleicht auch einige Fans – in Optimismus, flüchten sich in Durchhalteparolen vor dem definitiv zum Endspiel mutierten Wiederholungskick gegen Wolfsburg am Sonntag (15 Uhr). Der Abstieg wäre der Super-Gau. In allen Bereichen schrillen die Alarmglocken.

Finanzen

Im Unterhaus gilt die Faustregel: Alle Einnahmen halbieren sich. Noch ist Christian Kothe, Senior Director von FCN-Vermarkter sportfive, überzeugt, einen zahlungswilligen Nachfolger für mister*lady, (2,5 Millionen Euro pro Saison) zu finden. „Natürlich steht die Erste Liga und damit auch der Hauptsponsor mehr im Fokus der Medien. Der Club ist aber als Traditionsverein mit bundesweiter Fan-Basis als Partner ligaunabhängig von Interesse“, behauptet Kothe – und fahndet fleißig weiter. Schließlich hat der Club im Lizenzverfahren von der DFL die Bedingung erteilt bekommen, einen Hauptgeldgeber zu finden, im Abstiegsfall ist zudem ein „Transferüberschuss“ erforderlich.

Die TV-Gelder würden sich von 15 auf 7,5 Millionen Euro reduzieren. Allerdings nur, sollte der Club von Anfang an ganz oben in der Tabelle mitmischen. Wobei selbst dann nicht ein Zuschauerschnitt wie aktuell von 42917 Besuchern zu erreichen wäre. Einziger Lichtblick: Der Club präsentierte auf der letzten Hauptversammlung seinen 8216 Mitgliedern ein Konto mit schwarzen Zahlen. „Möglicherweise“, unkt Manager Martin Bader, „war es ein Fehler, die Schulden so rigoros zu tilgen.“

Personal

Zu gerne hätte Bader im Sommer mehr Geld in den neuen Stürmer investiert. Doch mit 2,5 Millionen Euro, die Rekordsumme, die für Angelos Charisteas gezahlt worden war, lassen sich „keine Hankes, Sanogos oder Zidans verpflichten“, musste Bader trotz Anfragen vernehmen.

Von einer „Krisensitzung“ berichtete gestern das Funkhaus Nürnberg, witterte Trainer Thomas von Heesen wahlweise vor dem Rücktritt oder Rauswurf. „Wir führen keine Diskussion um seine Person“, versichert Bader. Der 40-Jährige steht allerdings selbst unter Beschuss. Allerdings nicht beim Boss. „Weder der Trainer noch Bader stehen auf der Kippe – auch nicht beim Abstieg“, droht Michael A. Roth den hausinternen Heckenschützen: „Wenn da einer oder mehrere hinter meinem Rücken etwas aushecken, dann wird denen das ganz schlecht bekommen.“ Hört, hört.

Große Sorgen machen sich dagegen die Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle. „In der Ersten Liga würden wir weitere Stellen besetzen“, sagt Bader nur und zeigt Verständnis für die Existenzängste in der Valznerweiher Straße 200. „Jedem Spieler ist leider scheinbar nicht klar, wie diese Leute leiden.“ Klar, für die Profis, die monetären Euro-Fighter, zieht die Karawane weiter. „Die müssen hier erstmal aus ihrem Vertrag kommen“, droht Bader. Er sagt aber auch: „Wenn wir drin bleiben, wird der Schnitt möglicherweise größer als geplant.“ Weil die Funktionäre aus dem diktatorisch anmutenden Auftreten von Hans Meyer gelernt haben. „Er war sehr dominant“, weiß Roth, „hat so lange auf einen eingeredet, bis er sich durchgesetzt hatte oder ist bei Einwänden einfach zu einem ganz anderen Thema gesprungen.“ Bader: „Möglicherweise verzichten wir künftig bei Transfers etwas auf Qualität, holen lieber echte Typen, deutschsprachige.“

Infrastruktur

Der neue Gebäudekomplex mit Jugendinternat, Club-Museum und Büroräumen wäre bei einem Abstieg erstmal vom Tisch. Das millionenschwere Objekt wäre ohne Neuverschuldung nicht zu stemmen.

Markus Löser

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