Castor-Behälter werden in Landshut gelagert

Der Freistaat kommt nicht drum herum: In Landshut müssen sieben Castor-Behälter zwischengelagert werden. Auf unbestimmte Zeit. Bis spätestens 2021 sollen sie kommen.
| Horst Müller
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Sieben solcher Castor-Behälter werden in den kommenden Jahren aus der britischen Wiederaufbearbeitungsanlage Sellafield nach Bayern angeliefert.
dpa Sieben solcher Castor-Behälter werden in den kommenden Jahren aus der britischen Wiederaufbearbeitungsanlage Sellafield nach Bayern angeliefert.

Landshut/München - Allen Resolutionen zum Trotz kommt er nach Bayern, der Atommüll. Im Brennelementelager „Bella“ auf dem Gelände des Kernkraftwerks Isar im Landkreis Landshut müssen sieben Castor-Behälter mit radioaktivem Atommüll zwischengelagert werden. Wie lange, ist noch unklar. Der Müll soll bis spätestens 2021 aus der britischen Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield angeliefert werden.

Darauf haben sich nun Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) verständigt, wie aus einer gemeinsamen Erklärung hervorgeht. Hendricks hatte zunächst weder den Freistaat noch die betroffenen Kommunen in ihre Rückführungspläne eingeweiht und damit vor einem halben Jahr eine Welle des Protests ausgelöst.

Bei einem knapp zweistündigen Dialog kamen nun auch die Kommunalpolitiker der betroffenen Gemeinden zu Wort. Landshuts Landrat Peter Dreier (FW) und den Bürgermeistern von Niederaichbach und Essenbach, Josef Klaus und Dieter Neubauer (beide CSU), ist es gelungen, dass „ein paar nicht ganz unwesentliche Bausteine“ in die Vereinbarung zwischen Freistaat und Bund aufgenommen werden. Diese Punkte seien „entscheidend und wichtig für die Sicherheit unserer Bevölkerung“.

Die insgeheim gehegte Hoffnung, dass Landrat und Bürgermeister die Spitzenpolitiker doch noch zum Einlenken bewegen und den Castor-Transport nach Niederaichbach verhindern könnten, hat sich nicht erfüllt.

Vielmehr wurde ihnen von Hendricks und Seehofer klipp und klar zu verstehen gegeben, dass an der Veränderungssperre für Gorleben nicht gerüttelt und dorthin kein Atommüll mehr geliefert werde. Dabei hätten die 26 Castoren mit verglasten radioaktiven Abfällen aus deutschen Atommeilern, die der Bund noch von Frankreich und Großbritannien zurücknehmen muss, spielend in dem niedersächsischen Salzstock Platz.

Stattdessen wurde den Kommunalpolitikern eine vorab zwischen München und Berlin ausgehandelte Vereinbarung präsentiert. Hinter dieser steht nun offenbar auch Seehofer, der im Juni zwar noch vehement gegen Hendricks Vorhaben protestiert hatte, nun aber sehr wohl eine Verantwortung des Freistaats zur Rücknahme des Atommülls sieht.

 

Das Kraftwerk Isar ist der einzige mögliche Standort in Bayern

 

Da die Kapazitäten des Zwischenlagers Gundremmingen nahezu erschöpft seien und das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld über keinen Gleisanschluss verfüge, bleibe als einziger bayerischer Standort nur das Zwischenlager „Bella“ übrig. Im Gegensatz zu dem Konzept vom Juni sollen dorthin jedoch nicht mehr „bis zu neun“, sondern spätestens im Jahr 2021 genau sieben Castoren gebracht werden – so viel, wie auf einmal per Spezialzug transportiert werden können.

Als Erfolg verbuchen die Kommunalpolitiker, dass die Castoren erst dann angeliefert werden dürfen, wenn zuvor die Genehmigung zu deren Abtransport erteilt wurde. Für Josef Klaus ist dieser Passus „ganz entscheidend“: Denn wenn einer der Castoren undicht werde, müsse er mittels Spezialplatte verschweißt werden, was aber zulasten seiner Stoßdämpfer gehe, so dass ein Abtransport nicht mehr möglich wäre und „Bella“ de facto ein Endlager werden würde. „Wir wollen aber die Gewähr, dass das wieder wegkommt.“

Außerdem bekamen die Kommunalpolitiker die Zusage, dass noch in diesem Winter die Genehmigung für die „Härtung“ von „Bella“ erteilt werde. Zusätzliche Betonwände werden das Lager dann besser vor Terroranschlägen schützen.

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