Burka-Debatte in St. Lorenz: Der Plakat-Streit geht weiter

Diskussionsrunde zum umstrittenen Werbeplakat: Michael Frieser (CSU) und Arif Tasdelen (SPD) redeten aneinander vorbei.
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Pfarrer Hadem gefällt das Plakat, obwohl er weiß, dass der interreligiöse Dialog mit der Zwangsverschleierten „unwahrscheinlich ist“. Im Hintergrund: Arif Tasdelen (SPD, li.) und Michael Frieser (CSU).
Berny Meyer Pfarrer Hadem gefällt das Plakat, obwohl er weiß, dass der interreligiöse Dialog mit der Zwangsverschleierten „unwahrscheinlich ist“. Im Hintergrund: Arif Tasdelen (SPD, li.) und Michael Frieser (CSU).

Diskussionsrunde zum umstrittenen Werbeplakat: Michael Frieser (CSU) und Arif Tasdelen (SPD) redeten aneinander vorbei.

NÜRNBERG Die einen loben das Motiv wegen seiner „Leichtigkeit“, die anderen halten es für „leichtfertig“. Das fröhliche Multi-Kulti-Plakat „Welcome to Nuremberg“, mit dem die Stadt seit einigen Wochen an Bushaltestellen Eigenwerbung betreibt, polarisiert: Denn im Zentrum der Cartoon-Zeichnung steht eine Frau ohne Gesicht – sie ist vollverschleiert mit einer Burka.

Sollten die Nürnberger einfach tolerant sein gegenüber dieser Ausdrucksform islamischer Kultur? Oder muss sich die Stadt der Menschenrechte gegen die Burka als Symbol der Intoleranz und Unterdrückung stellen? Und überhaupt: Steht die bunte Schar auf dem Plakat für Gäste Nürnbergs – oder für die Stadtgesellschaft, die Gäste willkommen heißt?

Fragen über Fragen, die bei einer ersten öffentlichen Diskussion zum Thema geklärt werden sollten. Und zwar „an einem ungewöhnlichen, aber passenden Ort“ (CSU-Fraktions-Chef Michael Frieser), der Lorenzkirche. Pfarrer Eberhard Hadem moderierte die Debatte, der sich neben Frieser der türkisch-stämmige SPD-Stadtrat Arif Tasdelen stellte. Im Publikum: CSU-Stadträtin Ursula Hölldobler-Schäfer, Elke Leo, die migrationspolitische Sprecherin der Rathaus-Grünen, Ex-Stadtrechtsdirektor Hartmut Frommer als entschiedener Fürsprecher des Plakats, und Norbert Schürgers, der die Werbe-Aktion zu verantworten hat.

„Fröhlich-lockere“ Darstellung eines „Zwangsinstruments“

Um es vorweg zu nehmen: Neue Erkenntnisse brachte der Kommentargottesdienst – aufgelockert mit zeitgenössischem protestantischen Liedgut – keine, man redete aneinander vorbei. „Herr, gib mir Mut zum Brückenbauen“, sang die Gemeinde, bevor Argumente ausgetauscht wurden, die hinlänglich bekannt sind. Frieser geißelte die Burka einmal mehr als UNO-geächtetes „Zwangsinstrument der Taliban“, das nicht zu einer „toleranten und weltoffenen Stadt“ passe, und erinnerte daran, dass das belgische Antwerpen 2004 Burkas verboten hat. Tasdelen griff einmal mehr die Kritiker des Motivs an: „Das Plakat wird dazu benutzt, auf Migranten einzuprügeln.“

Während die Grüne Leo behauptete, es sei „zu kurz gegriffen, dass alle Burka-Trägerinnen unterdrückt werden“, beharrte Kirchgängerin Hölldobler-Schäfer auf einem „Werte-Gerüst“, das Migranten anzuerkennen hätten – und dazu gehöre eben, „die Entrechtung der Frau abzulehnen“. Schürgers verteidigte „die Fröhlichkeit und Lockerheit“ des Bilds, sieht sich als Opfer „einer Kampagne“.

Pfarrer Hadem, dem das Motiv „sehr gut“ gefällt, schloss die Runde mit dem Wunsch, der Verschleierten „von Angesicht zu Angesicht“ gegenüber zu treten. Nur weiß auch er: „Das ist unwahrscheinlich.“

Was weniger damit zu tun haben dürfte, dass die Frau auf dem Plakat nur gezeichnet ist, denn mit den Lebensumständen der Verhüllten. StW

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