Politik und Appelle beim "Blauen Panther"

Der "Blaue Panther" ist ein Medienpreis, eine Glamour-Gala. Bei der Verleihung in München aber nutzen Preisträger die Bühne für mehr als nur Danksagungen.
von  Julian Degler, dpa
Die Preisträger auf der Bühne in München.
Die Preisträger auf der Bühne in München. © Felix Hörhager/dpa

Warnungen und politische Appelle beim "Blauen Panther" in München: Mehrere Preisträger nutzen die Bühne des bayerischen Medienpreises für politische Botschaften und explizite Warnungen. 

Johannes Hegemann - als bester Schauspieler ausgezeichnet - wendet sich an die anwesenden "konservativen Politiker" und betont: "Es muss eine klare Abgrenzung zur AfD geben". Außerdem fordert er ein "ganz klares Bekenntnis zum Schutz von Minderheiten in diesem Land".

Im Publikum sitzen dabei auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der den Ehrenpreis in diesem Jahr an Moderator Johannes B. Kerner ("Unser Mr. TV") vergibt, und Medienminister Florian Herrmann (ebenfalls CSU). 

"Ich lebe in finsteren Zeiten"

Hegemann wird für seine Darstellung als Dragqueen Olivia Jones in dem ZDF-Film "Olivia" ausgezeichnet. In der heutigen Zeit nähmen Gewalt und Übergriffe auf queere Menschen wieder zu und immer mehr offen queere Menschen fühlten sich bedroht, sagt der Preisträger schon vor der Verleihung auf dem blauen Teppich. 

Es sei daher wichtig, Schutz und Sichtbarkeit für diese Minderheiten in Deutschland zu schaffen. "Ich hoffe, dass der Film dazu auch irgendwas beitragen kann und ein bisschen Hoffnung vermitteln kann", sagt Hegemann.

Und er ist nicht der Einzige an diesem Abend, der das so sieht: "Ich lebe in finsteren Zeiten", sagt Schauspieler Jonathan Berlin in seiner Laudatio der Preisübergabe für das ARD-Doku-Drama "Nürnberg 45 - Im Angesicht des Bösen" an Michael Souvignier und Till Derenbach. Es ist ein Bertolt-Brecht-Zitat. 

Aber aus Berlins Sicht gibt es auch Hoffnung: Entwicklungen wie die in Ungarn zeigten, dass es ein Mittel gebe gegen Autokraten. Werte wie Menschenrechte und Demokratie - "so schnell geben wir das nicht her". 

Auszeichnung für Marcant

Ähnlich äußert sich auch Polit-Streamer Marcant, nachdem das Publikum ihn zur "beliebtesten Social-Media-Persönlichkeit" gewählt hat: "Ob ich jetzt wirklich die beliebteste Social-Media-Persönlichkeit bin, weiß ich nicht, wenn ich in meine Instagram-DMs schaue", sagt der Preisträger. Aber: "Für gute und richtige Werte einzustehen, lohnt sich immer."

Mit seinen Videos, in denen er AfD-Wähler mit der Frage konfrontiert, warum sie das tun und sich Diskussionen mit Rechtsextremen stellt, erreicht Marcant Millionen Menschen auf Social Media. 

Den Preis widmet er den Leuten in seinem Team, "die nicht neben mir stehen können wegen der Bedrohungslage". Marcant, der nicht unter seinem bürgerlichen Namen arbeitet, bedankt sich auch bei den "inzwischen über 1.000 Menschen, die mir geschrieben haben", um zu sagen, dass sie ihr Weltbild hinterfragt hätten und aus rechtsextremen Strukturen ausgestiegen seien. 

Schauspieler Axel Milberg: "Der ist ungeheuer mutig"

Zur Begründung für die Preisverleihung an ihn heißt es: "Seine Methode basiert auf kluger, hartnäckiger Fragetechnik und einem hoch präsenten Gespür für die Dynamik der Straße. (...) Marcant baut damit ein reichweitenstarkes Gegengewicht zu Falschinformationen und demokratiefeindlichen Inhalten auf."

Unterstützung für die Arbeit des Polit-Streamers gibt es schon vor der Preisverleihung auf dem blauen Teppich von Schauspieler Axel Milberg: "Dem folge ich. Der ist ungeheuer mutig". Warum, dafür findet der Schauspieler klare Worte: "Weil er die AfD-Wähler vorführt in ihrer Gewaltbereitschaft, in ihrer Brutalität, in ihrem Desinteresse an jedem Inhalt des Gesprächs, in ihrer brutalen, auch physischen Drohung".

Gala im Rahmen der Medientage München 

Seit 2022 heißt die in vielen verschiedenen Kategorien vergebene Auszeichnung "Blauer Panther - TV & Streaming Award", vorher trug sie den Namen "Bayerischer Fernsehpreis". Verliehen wird der Porzellan-Panther jährlich im Rahmen der Medientage München, die in diesem Jahr ihr 40-Jahre-Jubiläum feiern. In diesem Jahr wurde die Gala von ARD-Moderatorin Esther Sedlaczek moderiert.

Weitere Auszeichnungen

Als "Beste Schauspielerin" wird Derya Akyol für ihre "herausragende Darstellung" der Mila Göcmen in der RTL/RTL+-Serie "Euphorie" ausgezeichnet.

Die Auszeichnung für die "Beste Serie" geht an die Spionage-Thriller-Serie "Unfamiliar" und für die "Besondere kreative Gesamtleistung" werden Annette Frier und Sonja Schönemann für die Sendung "Frier und Fünfzig - Am Ende meiner Tage" geehrt. Zum "Besten Entertainment-Format" wird die Prime Video-Serie "The Summit - Der steile Weg zur Million" erklärt, zum "Besten Factual-Entertainment-Format" die Doku-Serie "In höchster Not - Bergretter im Einsatz".

Träger der vom Freistaat geförderten Auszeichnung sind neben der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) auch der Bayerische Rundfunk, das ZDF und 3sat, RTL Deutschland, Sky Deutschland, Netflix, Prime Video und die ProSiebenSat.1 Group.

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