Bergtouren nach der Sommersaison: Hoch hinaus im Herbst

Was es nach der Sommersaison bei Bergtouren zu beachten gilt - und die Bilanz der Hüttenwirte.
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An der Gamshütte hat es sogar eine Teststation gegeben.
An der Gamshütte hat es sogar eine Teststation gegeben. © DAV

Jetzt zeigt sich die Natur wieder von ihrer farbenprächtigsten Seite - und viele schnüren dann nochmal besonders gerne die Wanderstiefel. Tipps vom Alpenverein für gelungene Ausflüge.

1. Kürzere Tage berücksichtigen

Auch wenn man es nicht so ganz wahrhaben will: Der Sommer ist vorbei. Während man im Juli noch um neun Uhr abends die Aussicht genießen kann, geht Ende September schon zwei Stunden früher die Sonne unter, warnt der Deutsche Alpenverein (DAV). Deswegen ist es sinnvoll, kürzere Touren zu gehen. Sie senken das Risiko, sich im Dunkeln zu verlaufen oder zu verletzen. Außerdem wird es nachts sehr schnell kalt, so der Alpenverein.

DAV-Bergsportexperte Stefan Winter sagt: "Wer eine lange Tour im Herbst plant, sollte sich im Vorfeld auf niedrigere Temperaturen einstellen - und warme Kleidung mitnehmen. Für den Fall, dass man in die Dunkelheit gerät, ist im Herbst eine Stirn- oder Taschenlampe Pflicht" (siehe auch Tipp 5). Der Experte empfiehlt, entsprechend früh aufzubrechen und eine kurze Tour zu wählen - oder frühzeitig umzudrehen.

2. Warme Kleidung mitnehmen

Klar, die Herbstsonne wärmt noch gut - manchmal. Doch auf schattigen Wegen kann es schnell kalt werden. "An sonnigen Tagen ist es im Tal noch richtig warm, da denkt niemand daran, dass auf dem Berg bereits Schnee liegen kann", so Stefan Winter. Manchmal kann es aber auch genau umgekehrt sein: Oben ist es wärmer als im Tal. Man steigt dann unter Umständen verschwitzt vom sonnigen Gipfel in den kalten, schattigen Bergwald ab.

Der DAV rät also auch auf Tagestouren zusätzliche Kleidung einzupacken. Eine weitere warme Schicht, beispielsweise eine Fleece-, Daunen-, oder Kunstfaserjacke, gehört ebenso in den Rucksack wie eine Mütze und Handschuhe. Auch ein Ersatz-Shirt schade nicht, denn bei Nässe und starkem Wind kühle man deutlich schneller aus.

3. Auf gefährliche Wegeverhältnisse achten

Die Experten vom Alpenverein erklären: In schattigen Bereichen sind Wege oftmals durch das Laub nass und rutschig, auch wenn der Boden daneben warm und trocken ist. Hier ist besondere Vorsicht geboten. Natürlich braucht es auch gutes Schuhwerk. Außerdem findet man in höheren Lagen vermehrt Schnee und vereiste Stellen: Achtung, Rutschalarm! Das Problem: "Wer auf einem harten, steilen Schneefeld ausrutscht, erreicht schon nach wenigen Metern annähernd dieselbe Geschwindigkeit wie im freien Fall", warnt der Experte.

Der beste Weg führt darum an Schnee und Eis vorbei. Wer hoch hinaus will, sollte die entsprechende Ausrüstung dabei haben (Gamaschen, Grödel oder Steigeisen zählen laut DAV dazu) und über Bergerfahrung verfügen. Stöcke helfen, die Balance zu halten.

4. Sich vorab informieren

Einfach losmarschieren ist keine gute Idee: Gerade im Herbst, wo sich Temperaturen im Tal und auf dem Gipfel oft stark unterscheiden können, ist es daher wichtig, den Wetterbericht sowohl im Vorfeld der Tour als auch direkt vor dem Start zu überprüfen. Das DAV-Bergwetter liefert den täglichen Wetterbericht in den Alpen und Mittelgebirgen. Dieser lässt sich nach Ort und Region filtern und zeigt den Trend für die nächsten Tage an.

Zusätzlich bietet der Bergbericht einen guten Überblick über das Wetter für das kommende Wochenende. Er erscheint jeden Donnerstag um 16 Uhr auf alpenverein.de. Dort findet man auch viele Alpentouren, die sich für den Herbst besonders gut eignen.

5. Die richtige Ausrüstung und das richtige Verhalten

Der DAV rät: "Im Herbst solltet ihr eure Ausrüstung anpassen." Zusätzlich zur Ausrüstung im Sommer empfiehlt er, folgendes einzupacken: Stirnlampe, Zusatzkleidung, je nach Bedingungen und Tour: Grödel oder Steigeisen und Pickel l feste Bergstiefel zum Schlagen von Tritten mit der Zehenkappe (mit Zustiegsschuhen ist das nicht möglich) sowie eventuell Stöcke mit großen Tellern

Zur "Ausrüstung" gehört auch, auf seine eigene Kondition zu achten, nur gesund und fit auf eine Bergtour zu starten und natürlich die Natur zu respektieren. Dazu gehört, nur auf markierten Wegen unterwegs zu sein, keinen Abfall zu hinterlassen und Lärm zu vermeiden. Ebenfalls wichtig: rechtzeitig rasten! Für einen Müsliriegel und ein Getränk sollte im Rucksack immer noch Platz sein.

Hüttenwirte sind vom (Corona-)Sommer gefrustet

Für die Wirte, die im Auftrag des Deutschen Alpenvereins (DAV) Berghütten betreiben, war der zu Ende gehende Bergsommer kein Quell reiner Freude. Nachdem Bayern und Österreich, Standort der meisten DAV-Berghütten, im Frühsommer 2021 die Corona-Bremsen deutlich gelockert hatten, spielte der Wettergott nicht mehr mit.

Unterschiedliche Regeln in den einzelnen Ländern führten weiterhin zu Verwirrungen vor Ort, teilte Miriam Roth, beim DAV zuständig für Hütten, mit.

Inzwischen gilt fast überall die 3G-Regel für Hüttenbesuche

Teststationen in luftiger Höhe suchen die immer noch Ungeimpften in der Regel vergebens. Aber es gab Ausnahmen: Die Gamshütte in den Zillertaler Alpen bot die Möglichkeit zu einem Schnelltest.

Die große Mehrheit der Hütten-Übernachtungsgäste sei aber bereits geimpft gewesen, berichtete Gamshütten-Wirtin Corina Epp. Wetterbedingt sei es im Sommer "manchmal sehr ruhig" gewesen. Das schlechte Wetter, aber auch die durch Baustellen erschwerte Anreise ins Wandergebiet haben dem Wirt der Albert-Link-Hütte nahe dem Schliersee schwer zu schaffen gemacht. Im Vergleich zu 2020 seien die Umsätze in diesem Jahr "miserabel" gewesen. Den Umsatz stabilisiert habe das Holzofenbrot der Hütte, das in Verkaufsständen bis nach München vertrieben wird.

"Die Pandemie ist und bleibt die maximale Katastrophe für den Tourismus", sagten Gernot und Thomas Auer von der Höllentalangerhütte am Fuße der Zugspitze. Die vor sechs Jahren völlig neu errichtete Hütte hatte in diesem Jahr auch noch mit einer Flut zu kämpfen, die für einige Wochen den Zugangsweg durch die Höllentalklamm unpassierbar machte und zwei Menschenleben kostete.

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Die Erträge waren so schlecht, dass Mitarbeiter vorzeitig entlassen werden mussten, berichteten die Wirte. Ihren Gästen stellten die Hüttenwirte überwiegend ein gutes Zeugnis aus. Sie hätten für die Covid-19-bedingten Einschränkungen Verständnis gezeigt und kooperiert.

Auch für den Wanderherbst gilt: Wer am Berg übernachten will, nimmt am besten alles mit: eigene Bettwäsche, Schlafsack, Handtücher und natürlich Mundschutz. Wegen der Corona-bedingten Mehraufwendungen können die Hüttenwirte einen "Hygienebeitrag" zwischen drei und fünf Euro pro Nacht erheben. Auch im Herbst haben viele Bergherbergen noch geöffnet. Sowohl in Deutschland als auch in Österreich müssen alle Schlafplätze vorher reserviert werden. Mehr Infos dazu gibt es hier. 

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