Bayern um ein Welterbe reicher: Jubel in Bad Kissingen

Schlösser, Kirchen und archäologische Funde locken Touristen und Kulturliebhaber aus aller Welt nach Bayern. Wer sich erholen oder kurieren will, genießt die Annehmlichkeiten in den Kurorten. Bad Kissingen ragt aus diesen nun als Welterbe heraus.
| Von Angelika Resenhoeft, dpa
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Die 90 Meter lange Wandelhalle im Kurpark, die am Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet wurde.
Die 90 Meter lange Wandelhalle im Kurpark, die am Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet wurde. © Daniel Karmann/dpa/Archivbild

Bad Kissingen - "Eilmeldung: Wir sind Welterbe": Mit diesen Worten macht die unterfränkischen Kurstadt Bad Kissingen am Samstag jedem Besucher ihrer Webseite klar, wie riesig die Freude über den verliehenen Welterbetitel der Unesco ist. "Wir wollen kein Museum werden, sondern wir wollen gelebte Geschichte mit Anspruch hier in Bad Kissingen haben", kündigte Oberbürgermeister Dirk Vogel (SPD) kurz nach der Entscheidung an. Mit dem Welterbetitel sei es leichter möglich, Unternehmen und Bürger für die Stadt zu gewinnen, "weil wir mit der Anerkennung nun in der Champions League in der öffentlichen Wahrnehmung deutscher Städte sind".

Am Samstag hatte die Unesco Bad Kissingen als Teil des neuen Welterbes "Große Bäder Europas" aufgenommen. Das zuständige Komitee der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation traf die Entscheidung im chinesischen Fuzhou.

Als Welterbe werden nur Kultur- und Naturstätten von herausragendem universellen Wert ausgezeichnet. Die "Großen Bäder Europas" sind Kurorte, die vom späten 18. Jahrhundert bis ins frühe 20. Jahrhundert internationale Bedeutung erlangten. Zu den elf Kurstädten, die den Welterbetitel erhielten, zählen auch Baden-Baden (Baden-Württemberg) und Bad Ems (Rheinland-Pfalz) sowie Spa in Belgien, Vichy (Frankreich), Bath (Vereinigtes Königreich) sowie Karlsbad, Franzensbad und Marienbad in der Tschechischen Republik.

Im Stadtbild zeichnen sich die Kurorte bis heute mit Bauten aus, die auf medizinische, therapeutische und gesellschaftliche Funktionen ausgerichtet sind. Gebäude und Prachträume wie der Max-Littmann-Saal im Regentenbau Bad Kissingens sollten nun auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein, "dass man sie mehr erleben kann", sagte Oberbürgermeister Vogel. Welterbe zu sein bedeute Verantwortung und Chance zugleich.

Die mondäne Kurstadt ist das neunte Welterbe Bayerns. Bad Kissingen zählt etwa 22.000 Einwohner und liegt im Norden Bayerns. Vor allem durch das Musikfestival "Kissinger Sommer" ist die Kleinstadt heute bundesweit bekannt.

In ihrer Geschichte kann die Große Kreisstadt auf prominente Besucher verweisen: Die österreichische Kaiserin Elisabeth ("Sisi") war laut Stadtarchiv schon hier, ebenso Reichskanzler Otto von Bismarck und der Schriftsteller Theodor Fontane. Bad Kissingen gehörte im 19. Jahrhundert zu den bedeutendsten Kurbädern Europas. Das Bayerische Staatsbad an der Saale ist bekannt für sein Heilwasser, das aus mehreren Quellen sprudelt und das bereits im ausgehenden Mittelalter die ersten Kurgäste anzog.

Der bayerische König Ludwig I. ließ Bad Kissingen im 19. Jahrhundert gezielt ausbauen. Viele gekrönte Häupter suchten fortan in der fränkischen Kurstadt Erholung: Kaiserin Elisabeth von Österreich reiste meist inkognito als "Gräfin von Hohenembs" an; zuweilen wurde sie auch von ihrem Mann, Kaiser Franz Joseph, begleitet. Der russische Zar Alexander II. kurte genauso in Bad Kissingen wie Bayern-König Ludwig II.

In Nicht-Corona-Jahren kommen nach Angaben der Stadt mehr als 200.000 Gäste nach Bad Kissingen. Viele schlendern durch Luitpoldpark, Kurgarten oder Rosengarten oder lassen die Seele baumeln bei Mineral- oder Moorbädern.

"Das sind großartige Nachrichten für Bad Kissingen und für das gesamte Kulturland Bayern", sagte Kunstminister Bernd Sibler (CSU) nach der Entscheidung. Die Mischung aus gelebter Tradition und Moderne habe überzeugt.

"Mit seiner mondänen Architektur von Max Littmann und von Friedrich von Gärtner gehört Bad Kissingen eindeutig zu diesen klangvollen Namen", sagte der Leiter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, Mathias Pfeil, zum Welterbetitel. "Die Idee, die die Menschen im späten 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert von Wellness und Spa hatten, ist in Bad Kissingen noch heute erlebbar."

Bayern hat nun insgesamt neun Welterbestätten. Dazu zählen die Würzburger Residenz und der Hofgarten, die Wallfahrtskirche "Die Wies" in Oberbayern, die Altstadt von Bamberg und Regensburg, die Grenzen des Römischen Reiches (Limes), die prähistorischen Pfahlbauten rund um die Alpen, das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth und das Augsburger Wassermanagement-System.

Das Welterbekomitee tagt noch bis zum 31. Juli online und vor Ort. Es setzt sich aus 21 gewählten Vertragsstaaten der Welterbekonvention zusammen. Es entscheidet in der Regel jährlich über die Einschreibung neuer Kultur- und Naturstätten in die Welterbeliste und befasst sich mit dem Zustand eingeschriebener Stätten. Wegen der Pandemie war die Tagung im vergangenen Jahr verschoben worden. Auf der Welterbeliste stehen mehr als 1100 Kultur- und Naturstätten in 167 Ländern. 51 davon gelten als bedroht. Deutschland hat jetzt 48 Welterbestätten.

Auf der Tagesordnung stehen insgesamt fünf Bewerbungen mit deutscher Beteiligung: darunter am Sonntag der Donaulimes als Teil der römischen Grenze.

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