Bestandene Führerscheinprüfung: Auf diesem Platz liegen die Bayern

Das Interesse am Führerschein war im vergangenen Jahr trotz der allseits beklagten hohen Kosten für dessen Erwerb ungebrochen. Über alle Klassen hinweg stieg die Zahl der Theorieprüfungen 2025 um 1,6 Prozent auf 2,04 Millionen und die der praktischen Prüfungen um 4,9 Prozent auf 1,89 Millionen, teilte Richard Goebelt, Fachbereichsleiter beim Tüv-Verband, am Mittwoch in Berlin mit. Damit sei ein neuer Höchststand erreicht worden.
Die hohen Kosten für den Erwerb einer Fahrerlaubnis in Deutschland, die für den meistbegehrten Führerscheine der Klasse B bei durchschnittlich 3500 Euro liegen, führte Goebelt auf die anhaltend hohen Durchfall- und Wiederholungsquoten zurück. Umso unverständlicher sei es, dass Lernstandskontrollen im Entwurf zur Reform der Fahrschulausbildung, die Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) vorgelegt hat, "bislang keine Rolle spielen".
Führerschein-Reform: "Kein Preisschild angehängt"
Bei einem Besuch in München hatte Schnieder am vergangenen Dienstag vor Erwartungen gewarnt, der Führerschein werde durch die Reform generell auf einen Schlag deutlich billiger. Der Reform sei "kein Preisschild angehängt", hatte Schnieder betont.

Den Tüv-Verbänden missfallen an der Reform Teile, welche auf eine "pauschale Absenkung der Anforderung" zielten. Eine "Fahrprüfung light", bei der Effizienz vor Gründlichkeit stehe, dürfe es nicht geben, sagte Goebelt. Eine Reform müsse vor allem die konstant hohen Durchfallquoten reduzieren. In Erwartung der Führerscheinreform und niedrigerer Kosten seien die Anmeldezahlen für eine Fahrerlaubnisausbildung seit Herbst 2025 zurückgegangen, bestätigte der Tüv-Fachbereichsleiter.
Das werde sich aber erst zeitversetzt in diesem Jahr in niedrigeren Prüfungszahlen niederschlagen.
Unverändert hoch lagen im vergangenen Jahr die Nichtbestehungsquoten bei den Führerscheinprüfungen. Auf dem Weg zu den beliebtesten Fahrerlaubnis-Klassen B und BF17 (Führerschein mit 17) scheiterten 44 Prozent der Fahrschüler an der Theorie- und 37 Prozent an der praktischen Prüfung.
Führerschein: Unter 18-Jährige fallen weniger häufig durch
Im Schnitt deutlich besser schnitten mit Durchfallquoten von 35 beziehungsweise 24 Prozent die Prüflinge unter 18 ab. Diese Kandidaten seien hochmotiviert und durch Schule und Ausbildung gewohnt, sich auf Prüfungen vorzubereiten, heißt es beim Tüv.
Wer jedoch bei einer der beiden Prüfungen im ersten Anlauf durchgefallen ist, für den steigt das Risiko, auch bei neuen Versuchen zu scheitern, offenbart die Tüv-Statistik. Für die am meisten verbreiteten B-Führerscheinprüfungen lag die Erfolgsquote in der Theorie nur bei 44 Prozent und bei lediglich 58 Prozent in der Praxis.

Jede nicht bestandene Prüfung bedeute eine zusätzliche mentale, finanzielle und zeitliche Belastung, sagte Goebelt: "Wer den Führerscheinerwerb effizienter und kostengünstiger gestalten will, muss alles daran setzen, den ersten Prüfungsversuch zum Erfolg zu machen." Immerhin: Mit der vierten Runde erhalten fast alle Prüflinge die begehrte Karte.
Die bayerischen Prüflinge waren im vergangenen Jahr in der praktischen Fahrprüfung zu den Führerscheinklassen B und BF17 mit einer Erfolgsquote von 65 Prozent überdurchschnittlich gut (Bundesdurchschnitt: 63 Prozent). Die theoretische Prüfung absolvierten 56 Prozent mit Erfolg – genau so viele wie im Bundesschnitt. Im Freistaat wurden im vergangenen Jahr 254.349 theoretische und 212.226 praktische Prüfungen vorgenommen. Damit liegt Bayern auf Platz zwei hinter Nordrhein-Westfalen und vor Baden-Württemberg.