Bayern boomt: So gut geht's uns wirklich

Eine neue Studie belegt: Die Bayern sind so zuversichtlich wie nie. Weil es gute Nachrichten aus der Wirtschaft gibt: Mehr Jobs, mehr Geld
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Eine neue Studie zeigt, dass die Bürger im Freistaat so optimistisch sind wie lange nicht mehr. Die Hälfte hat großes Zutrauen in die Wirtschaftskraft Deutschlands und der Region

München - Ob Frauenfußball-WM, Zukunftsperspektiven, Wirtschaftslage oder Arbeitsplatzsicherheit, die Bayern glauben an Erfolge, rosige Aussichten und Aufschwung. Sie sind glücklich und zufrieden wie lange nicht mehr. Das fand jetzt die Allianz-Zuversichtsstudie heraus.

Immerhin bei jedem Vierten hebt die Aussicht auf die Frauen-WM die Stimmung. Noch besser ist die Laune aber in Hinblick auf die Wirtschaft: Die Gesamtsituation in Deutschland sehen die 37 Prozent der Bayern optimistisch entgegen, noch vor einem Jahr waren es nur 23 Prozent. Das können nur noch die Hessen toppen (38 Prozent). Auch die Wirtschaftslage, die trotz der Krise in Griechenland ungewiss scheint, schenken 48 Prozent der Bayern großes Zutrauen, 25 Prozent mehr als 2010. „Die niedrigste Arbeitslosenquote in Deutschland und anhaltend positive Nachrichten aus der bayerischen Wirtschaft katapultieren die Zuversichtswerte nach oben”, so Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim, Autor der Studie.

Kleiner Dämpfer in der allgemeinen Zuversicht ist aber die Griechenland-Krise: Der Konjunkturindex des Zentrums für Europäische Wirtschaftforschung (ZEW), ein wichtiger Stimmungsindikator, sank um 12,1 Zähler auf minus 9,0 Punkte. Doch der Wirtschaftweise Wolfgang Franz sieht keine unmittelbare Gefahr für die Wirtschaft. „Der Anteil der deutschen Exporte nach Griechenland ist sehr, sehr gering.”


Der Aufschwung im Freistaat

Bayern hat die Wirtschaftskrise mit Bravour gemeistert: Bereits 2010 stieg das Bruttoinlandsprodukt mit 3,9 Prozent so stark wie seit zehn Jahren nicht mehr. Fürs erste Quartal 2011 sollen es mindestens 4,9 Prozent sein. „Das zeigt, dass die wirtschaftspolitischen Weichen im Freistaat richtig gestellt sind“, sagt Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP). Auch das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts ist überdurchschnittlich: 35 337 Euro (Bundesdurchschnitt: 30566 Euro) wurden pro Einwohner erwirtschaftet. Der Aufschwung schafft Jobs: Die Zahl der besetzten Stellen ist um 3,1 Prozent gestiegen, die Arbeitslosigkeit liegt bayernweit bei 3,9 Prozent. In 33 Stadt- und Landkreisen herrscht Vollbeschäftigung, Fachkräfte fehlen bereits.


Mehr Geld in der Kasse

Der Staat und seine Bürger sind wieder flüssig: Nach dem aktuellen Monatsbericht des Finanzministeriums haben Beschäftigungsanstieg, massiver Abbau der Kurzarbeit, Lohnerhöhungen und höhere Bonuszahlungen dem Staat im Mai deutlich höhere Steuereinnahmen als im Vorjahr beschert. Insgesamt stiegen die Einnahmen um 10,1 Prozent. Der Bund allein verbuchte ein Plus von 11,8 Prozent. Prompt fordert die FDP Steuersenkungen, die Regierung will aber lieber Schulden abbauen. Gespart haben die Bürger: Ende 2010 belief sich das Geldvermögen aller Bundesbürger auf 4,93 Billionen Euro – so viel wie nie zuvor in der bundesdeutschen Geschichte. Das sind 61000 Euro pro Kopf.

 


Benzin wird billiger

Nach der holprigen Einführung des Bio-Benzins E10 und der pünktlichen Erhöhung der Spritpreise zu Pfingsten können Autofahrer jetzt aufatmen: Die Benzinpreise sinken wieder. Laut ADAC fiel der Spritpreis für einen Liter Super E10 im Gegensatz zur Vorwoche um 1,4 Cent und kostet im Durchschnitt 1,514 Euro. Für einen Liter Diesel müssen die Autofahrer derzeit 1,393 Euro bezahlen, also 0,8 Cent weniger. Zum Vergleich: Im Mai lag der Kraftstoffpreis pro Liter bei 1,564 Euro für Super E10 und für Diesel bei 1,402 Euro. Die Talfahrt könnte weitergehen: Vor drei Jahren kostete ein Fass Rohöl 145 Dollar – jetzt sind es 112. Allerdings nur, wenn die Konzerne die Senkungen weitergeben: 66 Prozent der Deutschen sprechen sich daher für ein stärkeres staatliches Eingreifen in den Ölmarkt aus.


 

Bauen wieder günstiger

Aus der Krise wächst die Kraft – vor allem die Baukraft. Weniger als vier Prozent kostet gegenwärtig das Baugeld im Durchschnitt für zehn Jahre. Vor gut drei Jahren lag der Zinssatz noch bei 5,25 Prozent. Jetzt ist er erneut auf 3,91 gesunken. Das liegt an der Krise in Griechenland. Anleger wollen kein Risiko eingehen – weshalb sie in Staatsanleihen investieren. In deutsche wohlgemerkt. Die Nachfrage lässt die Zinsen, die der Bund zahlt, sinken – daran orientieren sich zum Teil auch die Sätze für Immobilienkredite. Denn eigentlich steigen die Zinsen – die EZB hatte im April den Leitzins um 0,25 Punkte auf 1,25 Prozent angehoben. Auch das ist für Anleger eine gute Nachricht: Für das beliebte Tagesgeld bekommen sie laut Finanzberatung FMH für 10000 Euro zwischen 2 und 2,6 Prozent Zinsen.


Beiträge sinken: Mehr Netto für alle

Die Sozialbeiträge sollen sinken – so haben Angestellte mehr netto übrig: Bei den Rentenversicherungsbeiträgen kommt die Entlastung sogar schneller als gedacht. Der Beitragssatz von momentan 19,9 Prozent wird bereits 2012 – ein Jahr früher als geplant – auf 19,8 fallen. Für einen Arbeitnehmer mit einem Bruttogehalt von 4000 Euro bedeutet das vier Euro mehr im Monat. Die Regierung prognostiziert für 2013 und 2014 überdies eine Absenkung auf 19,2 Prozent. Die schnelle Beitragssenkung ist dem Aufwärtstrend in der Rentenkasse zu verdanken, der auf die positive Entwicklung von Arbeitsmarkt und Konjunktur zurückzuführen ist. Bleibt dieser Trend stabil, kann sogar mit einer noch größeren Absenkung gerechnet werden. Und auch bei den Krankenkassen (Beitragssatz 15,5 Prozent) deuten Unions-Politiker wie Johannes Singhammer (AZ berichtete) Senkungen für 2012 an.

 

 

 

 

 

 

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