Bad Wiessee: Saurüsselalm - Event-Gastro oder Wandererhütte?

Nahe Bad Wiessee entsteht mit der Saurüsselalm ein neues Lokal. Naturschützern passt das gar nicht. Mit einem Brief wenden sie sich nun an mehrere Ministerien.
| Ruth Schormann
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"Wir wissen, dass den Charme unseres Tals die Natur ausmacht", sagt Bad Wiessees Bürgermeister Robert Kühn. Deswegen sei der Umbau der Söllbachaualm in eine Wandererwirtschaft auch sehr genau geprüft worden.
"Wir wissen, dass den Charme unseres Tals die Natur ausmacht", sagt Bad Wiessees Bürgermeister Robert Kühn. Deswegen sei der Umbau der Söllbachaualm in eine Wandererwirtschaft auch sehr genau geprüft worden. © Verein zum Schutz der Bergwelt

Bad Wiessee - "Das Gutdünken Einzelner übernimmt die Gestaltung und Nutzung der Landschaft" – das schreiben die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) mit ihrer rührigen Vorsitzenden Angela Brogsitter-Finck und Rudi Erlacher vom Verein zum Schutz der Bergwelt mit Sitz in München in einer aktuellen Mitteilung.

Was sie so aufregt? Das, was aus der Söllbachaualm werden soll - die "Saurüsselalm". Sie stören sich aber nicht an dem animalischen Namen, sondern an der dort angeblich geplanten Art der Gastronomie und den Umbauarbeiten.

Ausbau zur "Saurüsselalm" erntet Kritik

Die "bisher einsam und ruhig jenseits aller Touristenströme gelegene Söllbachaualm" soll laut Mitteilung der Naturschützer zu einem Lokal mit insgesamt 240 Sitzplätzen umgebaut werden, monieren sie. Der Bad Wiesseer Gemeinderat hat bereits im Februar mit nur zwei Gegenstimmen dem Bauantrag von Eigentümer Franz Haslberger zugestimmt.

Gemeinderat befürwortet neues Wandererlokal

Bad Wiessees SPD-Bürgermeister Robert Kühn sagt der AZ: "Der Gemeinderat ist sehr froh, dass dort wieder ein Wandererlokal entsteht, für Familien, für Senioren relativ leicht erreichbar, ein niedrigschwelliges Angebot also." Die Wege dort würden seit Jahrzehnten zum Wandern genutzt - von wegen abseits.

Umbau für die Neueröffnung läuft bereits

Tanja und Martin Frühauf, die von Hamburg bis München Restaurants führen und in der Gastro-Szene alles andere als unbekannt sind, wollen noch dieses Jahr die Saurüsselalm eröffnen - "die Bauarbeiten gehen gut voran", so Tanja Frühauf gestern. Auf Facebook hat die Saurüsselalm schon eine Seite. Der Slogan: "Hochgenuss am Tegernsee. Die etwas andere Alm".

Alles neu und trotzdem klassisch

Die Pächterin erklärt der AZ: "Standard auf der Karte werden auf jeden Fall ein guter Obazda, Wurstsalat und frisch gebackene Brezn sein - 'Alm Schmankerl' halt!" Es soll aber auch mal was anderes geben für Leute, "die Lust auf ‚Frühauf's Klassiker' von unserem ehemaligen Restaurant haben". Die Frühaufs betrieben bis vor wenigen Jahren das Postillion in Rottach-Egern, haben sich nun auf Kantinen und Catering spezialisiert.

Haslberger musste sich verpflichten, die Saurüsselalm für die Öffentlichkeit als Almwirtschaft zugänglich zu machen - das betont auch Bürgermeister Kühn. "Wir haben unser Okay mit klaren Regeln in der Baugenehmigung verknüpft", sagt Kühn, spricht von "überwiegendem Charakter einer Almwirtschaft" und einem Hüttenabend pro Woche.

Naturschützer befürchten Eventlocation statt Almwirtschaft 

Die Naturschützer befürchten, die Alm werde eher eine Eventlocation - das sind "Unterstellungen und Behauptungen", ärgert sich Kühn.
Um die Zufahrt zur Alm zu vereinfachen, sei neben zwei bereits bestehenden Straßen eine dritte "durch den steilen Schutzwald im erosionsgefährdeten Flysch geschlagen" worden, heißt es von den Naturschützern. Es handle sich nicht um neue Wege, sondern eine Instandsetzung, sagt dagegen Bürgermeister Kühn, dem es wichtig ist, auch bei unterschiedlichen Meinungen im Gespräch zu bleiben, wie er sagt.

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"Mit der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal sind wir stets im Austausch, aber der Verein zum Schutz der Bergwelt, ein Münchner Verein, der kennt sich hier, glaube ich, gar nicht aus. Die sollen doch mal vorbeikommen, dann gehen wir das gemeinsam ab, so kann man Bedenken ausräumen", bietet er an.

Verantwortliche weisen Kritik zurück

Auch Landrat Olaf von Löwis (CSU) teilte dem Verein zum Schutz der Bergwelt mit, dass der Ausbau eines vorhandenen Weges angezeigt wurde. Auch Brückenfundamente im Söllbach prangern die Naturschützer an. Eine Baugenehmigung für eine Brücke gebe es seit 2007, so die Antwort des Landratsamts. Kühn bestätigt das.

Die beiden Naturschutzvereine haben sich nun an Bayerns Bauministerin Kerstin Schreyer, Forstministerin Michaela Kaniber (beide CSU) und Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) gewandt. Sie fordern in ihrem Schreiben, das der AZ vorliegt, unter anderem, dass die Genehmigung zur Umwandlung von Alm zu Gaststätte zurückgenommen und alles zurückgebaut wird.

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