AZ enthüllt: So beschreibt ein Serienmörder seine perverse Lust am Töten

Volker E. (†47) hat mindestens sechs Frauen umgebracht. In jetzt entdeckten Notizen beschreibt der Sadist seine perverse Lust am Töten.
| Helmut Reister
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Tatort Spanien: Hier wird eines von Volker E.s (kleines Bild) Opfern abtransportiert.
Archiv Tatort Spanien: Hier wird eines von Volker E.s (kleines Bild) Opfern abtransportiert.

Bayreuth - Im Juli 2007, einen Tag nach seinem 48. Geburtstag und wenige Wochen vor seinem Prozess, hat sich Volker E. im Bayreuther Gefängnis erhängt. Der Lastwagenfahrer aus Plauen, der zuletzt im oberfränkischen Hof lebte, zählt zu den schlimmsten Serienmördern der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Und das, obwohl er – juristisch korrekt – ohne Urteil als unschuldig zu gelten hätte.

Wie viele Frauen es genau waren, die er quälte, vergewaltigte und ermordete, nahm er als Geheimnis mit ins Grab. Wie unvorstellbar krank seine Psyche war, geht aus seinen eigenen handschriftlichen Aufzeichnungen hervor, deren Existenz erst jetzt bekanntwurde. Das "Tagebuch des Bösen" – der AZ liegt es vor.

Psychiater: "Stark ausgeprägter sexueller Sadismus"

"Ich fühlte mich so gut wie noch nie in meinem Leben", schreibt Volker E. – und zwar im Jahr 1974, über den Moment, in dem er seinen ersten Mord beging.

Schon mit 14 Jahren leidet E. an einer tiefgehenden Paraphilie mit stark ausgeprägtem sexuellem Sadismus, wird der Münchner Psychiater Norbert Nedopil 30 Jahre später über ihn sagen.

Der 14-Jährige kann sich dem perversen Kopfkino nicht entziehen. Lange Haare von Frauen waren es, die bei Volker E. die Türe zu seinen seelischen Abgründen aufstießen und ein unstillbares, nicht kontrollierbares Verlangen auslösten. Daran änderte sich nie etwas.

Sie waren bei allen seinen entsetzlichen Verbrechen die Initialzündung – und sie waren auch der Grund dafür, dass seine Mitschülerin Sylvia (14) sterben musste. Sie wird sein erstes Mordopfer.

Es klingt entsetzlich banal, wie Volker E. die entscheidende Phase formuliert, als ihm das Wühlen in Frauenhaaren als Erregungsfaktor nur in seiner Gedankenwelt nicht mehr reicht:

"Ich fing an, schöne, langhaarige Frauen zu hassen. In meiner Phantasie legte ich meine Hände um diese Frauenhälse und drückte ihnen die Kehle zu (...) Als ich 14 war, beschloss ich, eine von ihnen mit bloßen Händen zu erwürgen und in ihrem Haar zu wühlen. Ich musste mich endlich wehren gegen diese Prostituierte, die mich ständig geil machten. Ich begann die Geeignete auszusuchen. Sylvia sollte es sein. Sie hatte schulterlange, dunkelblonde, weiche Haare und schöne Brüste."

Er empfindet schlicht kein Mitgefühl für andere Menschen

Mehr als 30 Jahre später durchsuchen Polizisten Wohnung und Lastwagen von Volker E. Sie entdecken abgeschnittene Haarsträhnen, Stricke, die zu einer Schlinge geknüpft waren – und Polaroid-Fotos, die Frauen erhängt oder im Todeskampf zeigten, Selfies mit dem Fernfahrer inklusive.

Die schauderhaften Beweisstücke, seine eigenen Aussagen und die Nachforschungen der Polizei in ganz Europa lassen keinen Zweifel mehr: Volker E. war ein Serienmörder, dessen Perversität alle Grenzen überschritt.

Und er war ein Serienmörder, der Jahrzehnte lang morden konnte, ohne erkannt zu werden.

Die AZ konnte Einblick nehmen: In die persönlichen Aufzeichnungen, seine Vernehmungen, das Gutachten, das Ermittlungsergebnis und die Anklageschrift, die wegen seines Selbstmords nie öffentlich verlesen wurde.

Es drängt sich das Bild eines Versagens auf vielen Ebenen auf. Sylvias Tod erklärt einen wesentlichen Teil davon. Dieser Mord taucht auch im Tagebuch auf, bis ins Detail beschrieben: "Sie wich zwei Meter zurück, bis ich sie an den Kachelofen drückte. Unsere Gesichter waren nur wenige Zentimeter voneinander entfernt. Sie starrte mich ungläubig an und ich fühlte zum ersten Mal diese geile Macht über Leben und Tod."

In seinem Gutachten diagnostizierte Professor Nedopil bei Volker E. eine ganze Reihe von schweren seelischen Störungen. Unter anderem hält er fest, dass der Fernfahrer weder Empathie noch Mitgefühl für andere Menschen empfinden kann.

"Würgen ist harte Arbeit"

"Ich ließ ihren Hals los, meine Hände schmerzten. Würgen ist harte Arbeit. Aber sie atmete noch", schreibt Volker E. weiter über den Mord an seiner Mitschülerin.

Eiskalt schildert er die Tat. Und welche Emotionen sie in ihm auslöst – positive!

"Ich suchte nach einem Mordinstrument, denn meine Hände taten mir so weh. Würgen ging nicht mehr. Hinter einem Vorhang entdeckte ich eine Wäscheleine. Sofort knotete ich eine Schlinge und legte sie Sylvia um den Hals. Dann zog ich fest zu und hob ihren Körper so hoch wie möglich. Es dauerte fast 15 Minuten bis ich keinen Herzschlag mehr hörte. Sie war tot. Ich verließ die Wohnung (...) Wieder zu Hause hatte ich ein unglaubliches Glücksgefühl."

Selbstmord – das ist die amtliche Feststellung der Behörden in Plauen zur Todesursache der Schülerin. Die Akten des Falls wurden längst vernichtet, aber ein ehemaliger Schulkamerad glaubt sich zu erinnern, dass nicht einmal eine Obduktion des Leichnams stattfand.

Bei Volker E. beginnt sich angesichts der Selbstmord-Version in seinem Kopf eine Spirale zu drehen. "Das bestärkte mich, mein nächstes Opfer zu suchen", schreibt er.

Gezielt sucht E. unter Brücken und in Parks nach seinen Opfern

Die Polizei in Plauen hatte in den folgenden Jahren offenbar auch kein großes Interesse daran, die Existenz eines sexuell motivierten Serientäters in Erwägung zu ziehen. Immerhin setzte Volker E. seinen Angaben zufolge die "Opfersuche" auch in die Tat um.

"Unter dunklen Brücken oder einsamen Parks lauerte ich ihnen auf. Es waren etwa 30 Frauen und Mädchen, die ich in dieser Zeit bewusstlos gewürgt habe", schreibt er.

Zwei Frauen, die er brutal vergewaltigt hat und die ihn identifizieren können, bringen ihn 1981, als er 21 Jahre alt ist, vor Gericht. Von den anderen Fällen, einem Serientäter, ist in dem Prozess nicht die Rede.

Einsicht, Schuldempfinden, Läuterung? Bei Volker E., der im Gefängnis nicht therapiert wurde, hatte der Knastaufenthalt eine fatale Wirkung. "Nach sieben Jahren wieder in Freiheit schwor ich mir", schreibt er, "dass keines meiner nächsten Opfer mehr weiterleben würde. Mein Hass wurde größer." Ein Gutachter, der Volker E. vor seiner Entlassung untersuchte, hielt ihn für resozialisiert.

Er vergewaltigte seine Opfer während des Todeskampfs

Der Fall der Mauer, sein Umzug nach Hof, ein Job als Fernfahrer, der ihn durch Europa führte: Volker E. war am Ziel seiner Wünsche angekommen – und auf dem Höhepunkt seiner Mordlust. Prostituierte sind sein Ziel. Die erste Frau ermordet er in Tschechien, andere folgen in Spanien, Italien und Frankreich. Er erwürgt und erdrosselt sie in seinem Lastwagen und vergeht sich während des Todeskampfes an ihnen.

Volker E., der nur durch Zufall festgenommen wurde, hätte sich wegen sechs Morden verantworten müssen. Wie viele Frauen er bis zu seiner Festnahme 2006 tatsächlich verübt hat, ist auch nach Einschätzung seines damaligen Anwalts Alexander Schmidtgall schwer zu sagen.

In den Aufzeichnungen des Serienmörders ist von mehr als einem Dutzend extrem grausamer Verbrechen die Rede.

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