Aus für die Skischaukel am Riedberger Horn?

Das umstrittene Projekt verstößt laut SPD gegen geltendes Recht. Ein aktuelles Gutachten soll das jetzt belegen.
| Verena Lehner
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Wintersportler lassen sich am Riedbergpass im Schlepplift den Berg hinaufziehen. Das Skigebiet soll jetzt ausgebaut werden.
dpa Wintersportler lassen sich am Riedbergpass im Schlepplift den Berg hinaufziehen. Das Skigebiet soll jetzt ausgebaut werden.

Attraktiv bleiben für Wintersportler und im Wettbewerb mit den benachbarten österreichischen Skigebieten bestehen – das Ziel des Zusammenschlusses der beiden Allgäuer Skigebiete Balderschwang und Grasgehren ist klar definiert. Alles andere als klar ist allerdings, ob es jemals zu dieser Skischaukel am Riedberger Horn kommen wird. Denn das Projekt ist nicht nur bei Naturschützern stark umstritten (AZ berichtete), jetzt hat die SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag auch noch ein Gutachten vorgelegt, wonach dieses Bauprojekt gegen geltendes Recht verstößt.

 

Das Gutachten

 

Der von der Landtags-SPD beauftragte Gutachter Kurt Faßbender, Umweltrechtler der Uni Leipzig, sagte, das Bodenschutzprotokoll der Alpenkonvention stelle für die Bayerische Staatsregierung bindendes Recht dar. Laut diesem Bodenschutzprotokoll sollen Genehmigungen für Skipisten in so genannten „labilen Gebieten“ mit Erdrutschgefahr nicht erteilt werden. Aus diesem Grund sei eine Genehmigung zum Bau der Skischaukel rechtlich angreifbar.

Zudem dürfe sich das Heimatministerium aufgrund der fachlichen Zuständigkeit nicht über die Entscheidung des Umweltministeriums hinwegsetzen. Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) hatte den Plänen zum Bau der Skischaukel im vergangenen Jahr eine Absage erteilt.

Die SPD-Landtagsfraktion rechnet deshalb jetzt fest mit einem Aus für das umstrittene Projekt einer Skischaukel am Riedberger Horn im Allgäu. „Wir gehen davon aus, dass das Heimatministerium die Bearbeitung des Antrags der Gemeinden Obermaiselstein und Balderschwang zum Bau der Skischaukel bereits eingestellt hat“, sagt der SPD-Abgeordnete Florian von Brunn.

 

Das Projekt

 

Die Skigebiete Balderschwang und Grasgehren sollen durch eine Bahn miteinander verbunden werden. Außerdem sind neue Skipisten geplant.

Das Ganze ist bei Umweltschützern stark umstritten, weil die geplante Trassen zwischen den Skigebieten durch die strengste Schutzzone, die Schutzzone C, des bayerischen Alpenplans verläuft. Ob eine Abweichung von diesem Alpenplan möglich ist, wird gerade geprüft. Zuständig dafür ist aber das Heimatministerium.

 

Die Entscheidung

 

Heimatminister Markus Söder (CSU) hatte vor Kurzem mitgeteilt, eine Entscheidung über den Bau der Skischaukel werde in Kürze fallen. Sollte das Heimatministerium dem Ausbau zustimmen, ist es möglich, dass sich die EU-Kommission mit dem etwaigen Verstoß befasst.

Der Alpenplan hat laut SPD-Gutachten den Rang eines Bundesgesetzes und ist somit als geltendes Europarecht zu betrachten.

 

AZ-Meinung: Der falsche Weg

 

Dass sich Naturschützer und Liftbetreiber nicht besonders mögen, ist nicht neu. Wird ein Lift gebaut oder eine Anlage erweitert, gibt es so gut wie immer Ärger. Das war bei der Erweiterung des Skigebietes am Sudelfeld so und ist jetzt im Allgäu am Riedberger Horn nichts anderes. Aber man muss kein Naturschutz-Fanatiker sein, um sich die Frage zu stellen: Sind Millionen-Investitionen in Skiliftanlagen zu Zeiten des Klimawandels tatsächlich sinnvoll?

Der Winter 2015/2016 war – auf gut bairisch gesagt – nix Gescheits. Die Winter davor auch nicht. Zu warm, zu wenig Schnee. Deshalb sind vor allem all jene Tourismusorte im Vorteil, die sich breit aufstellen und nicht nur auf das eine Pferd, den Wintersport, setzen. Das Allgäu ist das beste Beispiel dafür. Während die Übernachtungszahlen in den oberbayerischen Wintersportorten sinken, steigen sie im Allgäu – obwohl beide Regionen gleich stark unter dem Schneemangel leiden. Der Grund: Im Allgäu ist der klassische Wintersport zwar nach wie vor die Grundlage, allerdings hat es die Region geschafft, drumherum neue Angebote zu finden, die auch ohne Schnee funktionieren. Im Mittelpunkt steht dabei die florierende Almwirtschaft. Das Allgäu ist also auf einem sehr guten Weg zu einem Tourismus abseits der Piste – den muss es weitergehen, anstatt Millionen in ein wegschmelzendes Geschäft zu investieren.

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