Augsburger Puppenkiste feiert 70. Geburtstag - ein Rückblick

Das berühmteste Marionettentheater Deutschlands feiert 70. Geburtstag. Woher die Augsburger Puppenkiste ihren Namen hat und wie sich das Publikum verändert, erklärt Chef Klaus Marschall.
| Ruth Schormann
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Die Marionette Urmel (r.) bekommt eine Geburtstagstorte von Mama Wutz überreicht.
dpa Die Marionette Urmel (r.) bekommt eine Geburtstagstorte von Mama Wutz überreicht.

Augsburg - Wenn sich der dunkelbraune Deckel aus Holzlatten langsam wie ein großes Tor zu beiden Seiten öffnet, richten sich die Augen der großen und kleinen Zuschauer gebannt auf die Bühne und die liebevoll gestalteten Figuren, deren Abenteuer, Geschichten, Träume. Und das über 400 Mal im Jahr, seit 70 Jahren.

Die Augsburger Puppenkiste ist Deutschlands berühmtestes Marionettentheater, nicht zuletzt durch die Fernsehserien, die den Familienbetrieb weit über die Grenzen der schwäbischen Hauptstadt hinaus so bekannt machen.

Der 70. Geburtstag: Zeit für einen Rückblick auf ein langes, erfolgreiches und aufregendes Leben, das immer an feinen Fäden hing – schließlich das Markenzeichen der Marionetten. Schon vor mehr als 70 Jahren, 1943, baut Walter Oehmichen sein erstes Puppentheater aus einem Türrahmen und einem Tisch. Von der Liebe zum Figurenspiel wird der damalige Soldat nie wieder loskommen.

Er gibt dem populären Theater im Augsburger Zentrum dann auch seinen Namen: Puppenkiste – denn genau so eine schwebt ihm in seinen Träumen vor. Ein Schauspielhaus, das man immer zusammen packen und mitnehmen kann. Überall hin.

Noch heute beginnt und endet jede Vorstellung mit dem Öffnen und Schließen jener Holzkiste. Ihren Stammplatz findet die Kiste schließlich 1948 im historischen Heilig-Geist-Spital am Roten Tor in Augsburgs Zentrum. Dort feiert am 26. Februar des gleichen Jahres "Der gestiefelte Kater" Premiere.

"Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" von Michael Ende oder Max Kruses "Urmel aus dem Eis" mausern sich zu den absoluten Puppenkisten-Stars – dabei standen sie dort nie für Theateraufführungen auf der Bühne, wie Klaus Marschall der AZ verrät.

Auf dem Spielplan stehen immer noch Stücke von 1965

"Das waren reine Fernsehproduktionen", sagt er. Nicht zuletzt durch diese Ausstrahlungen im Fernsehen ab der 60er Jahre wird die Puppenkiste weit über Augsburgs Stadtgrenzen hinaus bekannt.

Doch andere Klassiker, die schon die ersten Puppenkisten-Besucher gesehen haben, stehen immer noch auf dem Spielplan. "Den Räuber Hotzenplotz spielen wir in der gleichen Inszenierung wie 1965", sagt Marschall stolz. Es ist genau diese Zeitlosigkeit, die Nostalgie, die solche Klassiker immer noch so beliebt machen. Auch wenn vieles anders ist, als am Anfang vor 70 Jahren. "Die Geschäftsführung, die Vorschriften, das hat sich am meisten verändert", sagt Marschall schmunzelnd. Er leitet seit 1992 in dritter Generation das Marionettentheater. Und natürlich verschließt man sich auch hier nicht vor der Zukunft.

Im Abendkabarettprogramm für Erwachsene tauchen aktuell agierende Politiker auf oder das Rumpelstilzchen singt heute eben: "Ach wie gut, dass Google weiß..." Die Kiste verrottet nicht, sie erneuert sich stetig selbst. Aber eins bleibt gleich: die Begeisterung der Kleinen und Großen für Jim Knopf, Kater Mikesch und ihre Freunde. "Wir verlieren die Kinder heute früher", erklärt Marschall, "früher war das Puppentheater ab 14 uninteressant, heute schon mit elf, zwölf", beobachtet er.

Grämen muss sich der Puppenkisten-Chef deswegen aber nicht, denn: "Mit 18 kriegen wir sie eh wieder", sagt er lachend. Denn als Erwachsener weiß man die Geschichten und Fabeln der Kindheit erst recht wieder zu schätzen. Und in Zukunft? Da wünscht sich Marschall, dass das Interesse an seinen hölzernen Helden an den feinen Fäden so groß bleibt. Dass er Kinder weiterhin mit seiner Unterhaltung fesseln kann. "Ich denke, Figurentheater ist für die Entwicklung von Kindern sehr wichtig", sagt Marschall.

Wer an Weihnachten in die Puppenkiste will, sollte bald reservieren

Seit 2001 beherbergt das Gebäude der Kiste auch ein gleichnamiges Museum, wo man die berühmten Helden der Kindheit bewundern kann.

In Aktion auf der Bühne ist das mitunter schwieriger, denn die Vorstellungen sind oft Monate vorher ausverkauft – "in der Weihnachtszeit ist es rappelvoll bei uns, für Sommervorstellungen gibts meistens noch Karten", sagt Marschall. In den 400 Vorstellungen des vergangenen Jahres sei das Haus zu 95 Prozent ausgelastet gewesen, sagt er zufrieden. Alles Gute, Augsburger Puppenkiste!


Der Vorverkauf für die Spielzeit Juli bis Dezember beginnt am 28. April um 10 Uhr. Weitere Informationen zur Kiste und zum Museum sowie der aktuelle Spielplan sind zu finden im Internet unter www.augsburger-puppenkiste.de.

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