Aufregung um Bürgermeister Michael Adam: Was ist los in Bodenmais?
Michael Adam ist weit über seine Heimat Bodenmais hinaus bekannt. 2008 wurde er der jüngste Bürgermeister Deutschlands – mit 23 Jahren. Damals sagte der SPD-Politiker: "Ich bin alles, was man in Bodenmais nicht sein darf – jung, evangelisch und offen schwul.“
Zwischenzeitlich ist einiges passiert. Er war Regens Landrat (inklusive Sex-Skandal), kehrte der Lokalpolitik den Rücken und ist seit 2023 als Bürgermeister von Bodenmais zurück.
Am Dienstag postete er auf Facebook eine Nachricht. Die stach nicht nur heraus, weil sie ungewöhnlich lang war, sondern auch, weil er dazu ein Foto eines offensichtlich geschlagenen Mannes teilte. Es handelt sich um seinen Ex-Partner.
Es geht um einen Vorfall im Februar 2025
Der Text schildert ausufernd, was sich im Februar 2025, also vor fast einem Jahr, aus Sicht von Adam in einem Café in Bodenmais zugetragen haben soll. Was man schnell merkt: Die beiden sind sich gar nicht mehr grün und ihre Versionen unterscheiden sich deutlich.
Zusammengefasst Adams Sicht: Es kam am 12. Februar 2025 – Tag einer vorübergehenden Trennung – zu einem zufälligen Treffen in dem Café. Ein tschechischer Bekannter der Wirtin soll dabei auf Jannik M. losgegangen sein und ihn geschlagen haben.
Dann schockt Adam mit dieser Aussage: "Soll ich ehrlich sein? Ich genoss es. Endlich hat mal jemand das, was er schon lange verdient hatte. Ich schritt erst ein, als er gar nicht mehr von ihm ablies. Ich dachte, er bringt ihn um.“
Foto des geschlagenen Gesichtes veröffentlicht
Der Ex soll nach den Schlägen nochmal aufgestanden sein und Adam gewürgt haben. "Danach schickte er mir eine E-Mail mit dem Bild hier.“
Die Aufnahme des geschundenen und geschwollenen Gesichtes veröffentlichte er ebenso wie die E-Mail-Adresse des Ex. Adam schließt mit den Worten: "Mir ist bewusst, dass mir dieses Posting politisch schwer schaden wird. Aber Ehrlichkeit ist mir wichtiger als politisches Imponiergehabe.“
"Die Wahrheit ist, dass er zugeschlagen hat": Das sagt der Ex
Auf dem Bild zu sehen ist Jannik M. (24). Die AZ hat diesen erreicht, er sagt zu dem Posting: "Das ist sehr verletzend. Es ist ein Foto von mir veröffentlicht worden ohne meine Zustimmung, dazu mit meiner E-Mail-Adresse.“

Zu den Aussagen im Zusammenhang mit dem Bild sagt er: "Das ist die Version seiner Wahrheit, die aber nicht stimmt. Ich habe ihn weder erpresst noch sonst etwas.“
Über die Schläge im Café im Februar 2025 sagt M: "Er ist nicht der Haupttäter, sondern der Tscheche. Aber er (Adam; d. Red.) hat mir bei Whatsapp bestätigt, dass er selbst auch zugeschlagen hat.“ Entsprechende Belege liegen der AZ vor.
Weiter erzählt M: Er habe insgesamt 17 Schläge abbekommen, von wem konnte er nach eigener Aussage in dieser Situation nicht mehr genau zuordnen. Er sagt aber am Dienstag: "Die Wahrheit ist, dass er zugeschlagen hat.“ Und: "Ich habe es satt, für ihn zu lügen.“
Hintergrund des Fotos: "Ich war so frustriert"
Warum hat er ihm damals das Foto seines verletzten Gesichtes zugeschickt? "Aus Frust. Ich war so frustriert, dass er mich hilflos dagelassen hat und sich nicht mal meldete, nachdem er mir mehrmals eine sehr große Liebe versprach.“
Mittlerweile sei die zweijährige Beziehung, die über eine Dating-App begann, endgültig vorbei. "Wir sind getrennt seit 13. Dezember 2025.“ M. sagt: "Ich vermute, er hat den Post unter starkem Alkoholeinfluss öffentlich gemacht.“
Aus seiner Sicht sei Adam ein guter Bürgermeister, könne viel, er habe ihn auch sehr geliebt, dennoch sagt er: "Michael hat zwei Seiten an sich. Er kann ein ganz lieber, netter Mensch sein, aber er kann auch ein ganz gefährlicher Mensch sein.“
"Er hat eine Vorbildfunktion"
Jannik M. stammt aus Brandenburg, ist nicht mehr in Bodenmais. Ihm gehe es aktuell "psychisch sehr schlecht“. Das hat auch mit dem Posting zu tun: "Jeder sieht mein zerstörtes Gesicht. Das bricht total meine Privatsphäre, das ist brutal. Und das kommt von einer Person des Öffentlichen Lebens. Er hat eine Vorbildfunktion, aber aktuell ist er kein Vorbild.“

Adam hat bis Redaktionsschluss nicht auf eine AZ-Anfrage geantwortet. Die Pressestelle des Landratsamts Regen gab am Dienstag bekannt, dass die Sach- und Rechtslage geprüft werde und die dienstrechtliche Bewertung dieses Falls an die Landesanwaltschaft Bayern übertragen wurde.
Das sagt die Staatsanwaltschaft
Die Staatsanwaltschaft Deggendorf wiederum teilt auf Anfrage mit: "Der gegenständliche Facebook-Post, welcher der Staatsanwaltschaft durch die Polizei übermittelt wurde, wird auf strafrechtliche Relevanz geprüft. Aufgrund des für Strafverfolgungsbehörden geltenden Amtsermittlungsgrundsatzes kommt es dabei auf eine förmliche Anzeigeerstattung nicht an.“
Bereits im August wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Deggendorf Anklage gegen Adam erhoben hat. Konkret geht es dabei um den Verdacht auf einfache Körperverletzung. Es gilt die Unschuldsvermutung.
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