Hallo Herr Verstegen,
Wie telefonisch gewünscht, übersende ich Ihnen die Zahlen zur Entwicklung der Apotheken in Bayern insgesamt sowie in der Stadt München im 10-Jahres-Vergleich:
Bayern insgesamt
Q2 2016: 3.230 Apotheken
Q2 2026: 2.605 Apotheken
Rückgang: 625 Apotheken bzw. 19,35 Prozent innerhalb von zehn Jahren
Stadt München
Q2 2016: 379 Apotheken
Q2 2026: 295 Apotheken
Rückgang: 84 Apotheken bzw. 22,16 Prozent innerhalb von zehn Jahren
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Apotheken-Notstand in München: 21 Standorte in zwei Jahren weg
Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 04:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
München verliert binnen zwei Jahren 21 Apotheken, besonders in Außenbezirken. Politik debattiert über Zuschläge und Umwidmungen, während Investitionen der Pharmabranche sinken.
Münchens Apothekensterben: 21 Standorte in zwei Jahren geschlossen
Eine moderne Apothekenfassade in München bei Dämmerung in einer städtischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de
Münchens Apothekennetz schrumpft dramatisch. Zwischen 2022 und 2024 sank die Zahl der Standorte von 329 auf 308 – bei gleichzeitig wachsender Bevölkerung. Besonders betroffen sind die Außenbezirke.
Versorgungslücken in 17 von 25 Stadtbezirken
Die Schließungen verteilen sich über den Großteil des Stadtgebiets. In 17 der 25 Münchner Stadtbezirke wurden Standortaufgaben registriert. Neuhausen-Nymphenburg verlor eine von 23 Apotheken, Allach-Untermenzing schrumpfte von sechs auf fünf Betriebe.
Der historische Vergleich zeigt die Dramatik: Ende der 1980er-Jahre versorgten rund 430 Apotheken etwa 1,3 Millionen Münchner. Heute leben rund 1,6 Millionen Menschen in der Stadt – doch die Zahl der Apotheken ist um mehr als ein Viertel gesunken. Steigende Betriebskosten und wachsende regulatorische Anforderungen setzen die verbliebenen Standorte zunehmend unter Druck.
Streit ums Geld: Zuschläge und Umwidmungen
Die Politik sucht nach Lösungen. Nordrhein-Westfalen brachte Anfang 2026 einen Vorschlag in den Bundesrat ein: einen speziellen Versorgungszuschlag für Apotheken in dünn besiedelten Gebieten. Die zusätzliche Vergütung soll über das Fünfte Buch Sozialgesetzbuch (SGB V) verhandelt werden.
Die Union drängt auf schnellere Hilfe. Ihr Vorschlag: ungenutzte Mittel für pharmazeutische Dienstleistungen in Höhe von rund 570 Millionen Euro umwidmen. Damit ließe sich der Festzuschlag pro Packung auf 9,50 Euro anheben – jährlich ein zusätzlicher Bedarf von etwa 945 Millionen Euro. Die Branche sieht das geplante Apotheken-Versorgungsstärkungsgesetz dagegen als unzureichend an.
München verliert immer mehr Apotheken – 21 Standorte in nur zwei Jahren. Besonders betroffen sind die Außenbezirke.
Neue Regeln: Rabattarzneimittel und Klimaschutz
Seit dem 1. Juli 2026 gelten zudem neue Vorgaben für den Austausch von Rabattarzneimitteln. Sind Medikamente nicht verfügbar, dürfen Apotheker nun vorrätige wirkstoffgleiche Präparate abgeben – mit spezifischen Dokumentationspflichten. Die Regelung ist bis Mitte 2028 befristet. Die genaue Handhabung der Sonderkennzeichen war zuletzt noch zwischen Standesvertretung und GKV-Spitzenverband umstritten.
Bayern geht bei den Aufgabenbereichen neue Wege. Ein Modellprojekt erlaubt Apotheken künftig, nicht-medizinische Hilfsmittel auf Rezept abzugeben. Dazu zählen Heizlüfter – ein Kontingent von 7.500 Geräten ist bereits vorgesehen – sowie Sandsäcke und Schlauchboote für Hochwassergebiete. Die Vergütung läuft über ein Punktesystem.
Wenn die nächste Apotheke plötzlich viel weiter weg ist, wird die tägliche Medikamentenversorgung zur Herausforderung. In 17 Münchner Stadtbezirken ist das bereits Realität. Der kostenlose Leitfaden hilft Ihnen, alternative Versorgungswege zu nutzen und Engpässe zu vermeiden.
Mehr als 4 Millionen Bürgerinnen und Bürger müssen mehr als 6 Kilometer bis zur nächsten Apotheke zurücklegen. Damit leben 4,9 Prozent der 82,6 Millionen Menschen in Deutschland in einer mit Arzneimitteln schwach versorgten Region. Die absolute Zahl der vom Apothekenmangel betroffenen Menschen ist in Bayern besonders hoch (knapp 900.000 Menschen), während in Mecklenburg-Vorpommern ein besonders großer Anteil der Bevölkerung (21,7 Prozent) weite Wege bis zur nächsten Apotheke auf sich nehmen muss. Das zeigt die Studie "Untersuchung der Entfernungen zwischen Apotheken und der betroffenen Bevölkerung" der ILS Research gGmbH, die im Auftrag der ABDA - Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände erstellt wurde.
"Die Studienergebnisse zeigen insgesamt eine gute Apothekenversorgung, machen aber auch klare regionale Unterschiede sichtbar", sagt Dr. Hans-Peter Hubmann, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes (DAV): "In Flächenländern wie Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Thüringen gibt es besonders viele 'isolierte' Apotheken, die die Versorgung einer ganzen Region allein stemmen müssen. Somit sind in ländlichen Räumen einzelne Standorte oft systemrelevant, weil sie eine Alleinversorgungsfunktion übernehmen. Ein Wegfall dieser Apotheken hätte deutlich verlängerte Wege für die Menschen zur Folge und würde die Arzneimittelversorgung spürbar negativ beeinträchtigen. Hingegen gibt es in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen kaum 'isolierte' Apotheken. Trotzdem weisen Städte wie Berlin eine geringe Apothekendichte auf. Heißt konkret: In Städten müssen die verbliebenen Apotheken deutlich mehr Patientinnen und Patienten versorgen. Das Fazit ist also: Sowohl auf dem Land als auch in der Stadt zieht jede Apothekenschließung eine Versorgungsbeeinträchtigung nach sich - entweder durch weitere Wege im ländlichen Bereich oder durch massive Überbelastung der verbliebenen Apotheken im städtischen Bereich."
Hubmann weiter: "Manche Krankenkassen ignorieren das seit Jahren anhaltende Apothekensterben - und rechnen vor, dass die Menschen im Durchschnitt nur wenige Kilometer oder Minuten einplanen müssen, um zur nächsten Apotheke zu gelangen. Dabei berücksichtigen sie weder die tatsächliche Erreichbarkeit mithilfe von Auto oder öffentlichem Nahverkehr noch die so genannten Solitärapotheken, bei deren Schließung sich die Versorgung für die betroffene Bevölkerung vor Ort drastischer als im bundesweiten Mittel verschlechtern würde. Klar ist jedenfalls, dass die Vergütung der Apotheken endlich und dauerhaft an die wirtschaftliche Gesamtentwicklung gekoppelt werden muss, damit die Versorgung der Menschen in Wohnortnähe erhalten bleibt." Die Zahl der Apotheken war bundesweit zuletzt auf 16.541 gesunken (Stand: 31. März 2026). In den vergangenen 13 Jahren sind rund 20 Prozent aller Standorte weggefallen.Nicht merken