Heckings Fahrplan nach Europa

Der Club-Coach ist sich sicher: „Das 1:1 gegen Bayern gibt uns den nötigen Optimismus für die letzten fünf Spiele”
| Markus Löser
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Der Ball hoppelt zum 1:1 ins leere Bayern-Tor und Almog Cohen dreht schon jubelnd ab in Richtung Kunst-Torschütze Christian Eigler.
bayernpress Der Ball hoppelt zum 1:1 ins leere Bayern-Tor und Almog Cohen dreht schon jubelnd ab in Richtung Kunst-Torschütze Christian Eigler.

NÜRNBERG Angst vor der eigenen Courage? Lange hatte es so ausgesehen, als hätte das 182. Gipfeltreffen zwischen dem Club und den Bayern schon nach ein paar Minuten seinen unverdienten Sieger gefunden. Pomadige Münchner führten nach einem Geistesblitz von Vorbereiter Arjen Robben dank Thomas Müller 1:0. Der rot-schwarzen Tristesse im ersten Akt folgte eine Kabinenpredigt. „Entweder, wir gehen mit fliegenden Fahnen unter”, hatte FCN-Trainer Dieter Hecking seine Schützlinge zusammen gefaltet, „oder wir belohnen uns noch.” Was dank des Geniestreichs von Christian Eigler zum kuriosen 1:1 gelang.

 

"Wir wollen das Maximum herausholen"


Die eigentliche „Belohnung” soll jedoch am 34. Spieltag mit dem Einzug in die Europa League gefeiert werden. Darin sind sich der Trainer und seine potenziellen Euro-Fighter einig. „Wir haben einen Punkt und zwei Tore gutgemacht”, sagt Hecking in Anspielung auf die 0:2-Niederlage der (noch) auf Platz fünf und zwei Zähler höher notierten Mainzelmänner bei Hannover 96.
Die Marschrichtung bis zum vorgezogenen Finale gegen Mainz 05 hat der 46-Jährige auch schon festgelegt. Am Samstag in Kaiserslautern einen Sieg einfahren, um so bis zum darauf folgenden Heimspiel gegen den FSV „in Schlagweite zu bleiben. Und dann wollen wir gleich- oder vorbeiziehen”, lautet Heckings Kampfansage an den selbst ernannten Karnevalsverein. Denn: „Das Spiel gegen Bayern und das Ergebnis geben uns den nötigen Optimismus für die letzten fünf Spiele.”
Das sieht Andreas Wolf nicht anders. Auch wenn der Kapitän aufgrund seiner „Gelbsucht” – fünf Verwarnungen in den letzten acht Spielen – in Lautern schon wieder gesperrt fehlen wird: „Alles ist möglich. Wir wollen das Maximum herausholen, haben jedenfalls nichts zu verschenken.” Kollege Jens Hegeler, der sich gegen die Bayern von Schiri-Plaudertasche Knut Kircher um den Siegtreffer beraubt fühlte, legt nach: „Wir können nix mehr verlieren, sondern nur noch gewinnen.” Und Eigler, der mit seinem Ausgleich quasi der Sargnagel für Bayern-Trainer Louis van Gaal war, fragt lapidar: „Wieso sollten wir denn nicht Fünfter werden?” Ja, wieso nicht?

 

"Ich hatte schon Bammel, dass die Kugel an die Latte hüpft"


„Auf Hamburg und Freiburg müssen wir schon auch noch schauen”, weiß Hecking. Den HSV schätzt er dabei als Nebenbuhler gefährlicher ein, verweist aber auf die eigenen Stärken: „Die Jungs haben gelernt, auch nach Rückschlägen Ruhe zu bewahren, keine weiteren Chancen zuzulassen und in der Ordnung zu bleiben.” Wie gegen die Bayern. Umso mehr schmerzen Hecking die vermeidbaren Niederlagen gegen Bremen und in Köln: „Da hätten wir wirklich nicht verlieren müssen.”
Ausgerechnet Bayern-Torhüter Thomas Kraft setzte neue Kräfte bei den FCN-Euro-Fightern frei. Robert Mak hatte den 22-Jährigen, wenn auch fast aussichtslos und nach reaktionsschneller Aufforderung von Co-Trainer Dirk Bremser, heftig unter Druck gesetzt. Kraft wollte den Ball elegant weglupfen, Eigler bedankte sich im Namen der Club-Fans aus 30 Metern mit einem feinen Volley ins verwaiste Tor. „Da vergingen gefühlte fünf Minuten”, feixt der Kunstschütze. „Ich hatte schon Bammel, dass die Kugel an die Latte oder gar drüber hüpft. Das war anscheinend wie unter der Woche in der Champions League.”
Inter Mailands Dejan Stankovic hatte beim 2:5-K.o. gegen Schalke gar aus über 50 Metern eingenetzt. Hecking analysiert die beiden Szenen: „Das Ding von Stankovic war aber nochmal zwei Klassen besser.” Kein Problem. In Nürnberg spricht ja auch keiner von der Königsklasse. Europa kann auch eine Stufe tiefer schön sein. Nur keine Angst vor der eigenen Courage. . .

Mehr über den Club, "Rocket-Man" Timothy Chandler und Schiedsrichter Knut Kirchers kuriose Begründung lesen Sie in der Print-Ausgabe Ihrer Abendzeitung am Montag, 11. April.

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