Charisteas: Das Geheimnis seines Bibel-Tattoos

Der Neuanfang des Club-Stürmers. Mit einem Glaubensspruch am Arm – und Lob für Trainer Michael Oenning: „Der Coach lebt positives Denken vor“
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Unter dem linken Ärmel versteckt sich seine bislang geheime Tätowierung: Club-Star Angelos Charisteas ist wild entschlossen, alle Kritiker zu widerlegen.
Wolfgang Zink Unter dem linken Ärmel versteckt sich seine bislang geheime Tätowierung: Club-Star Angelos Charisteas ist wild entschlossen, alle Kritiker zu widerlegen.

Der Neuanfang des Club-Stürmers. Mit einem Glaubensspruch am Arm – und Lob für Trainer Michael Oenning: „Der Coach lebt positives Denken vor“

„Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“

NÜRNBERG Diesen Satz aus dem Evangelium nach Johannes (Kapital 8, 12) hat sich Angelos Charisteas in Altgriechisch tätowieren lassen. „Dass ich diesen Bibelspruch auf meinem linken Oberarm trage, wussten bis jetzt nur meinen engsten Angehörigen“, lüftet der Club-Stürmer exklusiv für die AZ-Leser sein Geheimnis. Er, bei dem die Fans nur schwarz oder weiß kennen – Finsternis oder Licht also. Tapfer versichert der zum Sündenbock abgestempelten 29-Jährige: „Ich bin bereit, eine meiner besten Saisons zu spielen.“ Harry-luja.

Harry, der kickende Sisyphos vom Valznerweiher

Charisteas weiß, dass es auch an ihm selbst liegt, seine Kritiker zu widerlegen: „Wir orthodoxen Griechen haben einen sehr ausgeprägten Glauben. Wir beten viel, bitten Gott um Beistand.“ Das allein wird nicht reichen. „Das sagt unser Nationaltrainer auch immer“, erzählt Angelos. „Otto Rehhagel hat uns erklärt, dass Gott allein auf dem Platz nicht hilft. Wir müssten schon Kopf und Füße hernehmen, wenn wir Tore schießen und erfolgreich sein wollen.“ Harry will es unbedingt.

Irgendwie scheint er nach seiner Rückkehr aus Leverkusen, wohin er in der letzten Rückrunde ausgeliehen worden war, wie von einer Zentnerlast befreit: Harry, der kickende Sisyphos. Denn egal, was er auch machte beim Club: Alles schien vergeblich. Wie bei der Figur aus der griechischen Mythologie, die einen Felsen auf einen Berg schleppen sollte, kurz vor dem Ziel aber immer scheiterte – und von vorn beginnen musste.

"Geschenkt bekomme ich auch von Oenning nichts"

Irgendwie ist sein Comeback auch ein Neuanfang. Mit positiven Vorzeichen. Auch wenn Trainer Michael Oenning sagte: „Harry hat die Vorbereitung gut begonnen, steckt jetzt in einem kleinen Tief.“ Für den Stürmer kein Widerspruch. „Ich habe mich in jeder Einheit voll reingehängt, war dann etwas müde. Aber ich kenne meinen Körper, spüre, dass ich genau richtig im Rhythmus bin.“

Zudem ist da auch noch Oenning. „Ein ganz anderer Trainer als Thomas von Heesen oder Hans Meyer“, schwärmt Harry. „Michael behandelt alle gleich, lebt positives Denken vor. Deshalb hat er auch Erfolg gehabt, ist mit dem Club aufgestiegen. Er hat mir wieder Spaß am Fußball vermittelt, wobei ich genau weiß: Wir haben sechs Stürmer. Aber Konkurrenz ist immer gut. Geschenkt bekomme ich auch von Oenning nichts.“

Pfiffe will Charisteas ab sofort ausblenden

Dafür bekam er von Meyer und von Heesen regelmäßig eingeschenkt. Nicht reinen Wein. „Es war immer wie ein Schlag ins Gesicht“, blickt Harry zurück. Im Juli 2007, zwei Wochen nach dem Vorbereitungsstart, war Harry auf Meyers Drängen für die vereinsinterne Rekordablöse von 2,5 Millionen Euro von Feyenoord Rotterdam gekauft worden. „Bei den Holländern hatte ich meine bislang wohl beste Saison“, sagt Angelos. „Anfangs ist es beim Club nicht so gut gelaufen, auch weil ich lange am Knöchel verletzt war.“ Doch kaum war er in der Spur, „wurde mir Jan Koller vor die Nase gesetzt. Das hat mich hart getroffen.“ Als Meyer dann im folgenden Februar abgewrackt wurde, dafür angeblich eine Prämie von 500000 Euro kassierte, kam von Heesen. „Der hat alles umgekrempelt, und wieder war ich der Sündenbock.“

Auch bei den Fans. Harry will, sollten wieder Schmähungen kommen, „alles ausblenden, mir nicht mehr so viele Gedanken machen.“ Und fragt sich: „Wer sind diese Leute? Wenn ich auf der Straße angesprochen werden, ich bin ein sehr offener Mensch, sind die Reaktionen immer positiv.“ Seine schärfsten Kritiker wollen dagegen gute Leistungen sehen – und Tore. Ob mit oder ohne Beistand von oben. Markus Löser

Mehr über den Club lesen Sie in der Print-Ausgabe Ihrer Abendzeitung am Donnerstag, 30. Juli

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