Elke Sommer: "Ich bete nur noch, um zu danken!"

Das große AZ-Interview mit Frankens einzigem Hollywood-Star. Am 5. November wird Elke Sommer 70 Jahre alt.
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"Filme sind unvergänglich!"
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Ihren Mann Wolf Walther nennt sie liebevoll Papa-Bär.
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"Ich gehe gerne alleine in eine leere und einsame Kirche."
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Das große AZ-Interview mit Frankens einzigem Hollywood-Star. Am 5. November wird Elke Sommer 70 Jahre alt.

AZ: Sie wurden in letzter Zeit in diversen fränkischen Wirtshäusern und auf Golfplätzen in der Region gesehen – mit einem kleinen Wachhund, der sehr große Ohren hat und sich angeblich vor nichts fürchtet...

ELKE SOMMER (lacht) Ja, unser „Smiley“ ist ein mexikanischer Hund, der größere Tiere furchtlos anbellt. Und ja, uns sieht man in und um Marloffstein schon immer wieder.

AZ: Was bedeutet denn Franken für Sie?

Elke Sommer: Franken und Marloffstein – das sind herrliche Erinnerungen. Das sind meine Wurzeln, das ist der schöne Dialekt, der Humor. Wir haben und hatten hier immer viel Spaß. Nicht umsonst haben wir in Effeltrich vor 17 Jahren unsere Hochzeit gefeiert, gelacht und getanzt. Ich mag die Menschen hier, wenn wir zusammen in irgendeinem kleinen Wirtshaus sitzen. Ich bin kein Stadtmensch. Ich gehe lieber mit meinem Mann und Smiley über die Wiesen spazieren. Wir durchstreifen die Wälder und suchen Pilze, die wir dann zuhause kochen.

Ich schaue mir keine Filme an, in denen ich mitgespielt habe

AZ: Sehen Sie sich eigentlich ab und zu mal Ihre alten Filme an?

Elke Sommer: Nein. Ich schaue mir überhaupt keine Filme an, in denen ich mitgespielt habe – weder alte, noch neue. Da kommt nämlich unweigerlich der Moment, wo man sich denkt: „Mensch, das hätte man auch besser machen können.“ Dieser Tortur setze ich mich nicht aus.

AZ: Sie waren vor 40 Jahren in der Dean Martin-Show zu Gast, saßen beim berühmten Talkmaster Mike Douglas auf dem Show-Sofa, gastierten bei Engelbert Humperdinck und wurden zwei Mal von Thomas Gottschalk zu „Wetten, dass...?“ eingeladen. Welcher der Herren hat Ihnen am besten gefallen?

Elke Sommer: Alles tolle Künstler, alle zu ihrer Zeit. Aber wie ich immer sage: Alles ist vergänglich...

Sie drehte 95 Filme

AZ: Es gibt unterschiedliche Angaben, in wie vielen Filmen und Theater-Produktionen Sie bisher zu sehen waren. Die Angaben reichen von 50 bis 102 Filmen. Wie viele sind es denn nun wirklich, und erinnern Sie sich noch an den ersten?

Elke Sommer: Mein 95. Film war der am 26. August 2010 in Berlin uraufgeführte Streifen „Das Leben ist zu lang“, in dem ich eine hysterische jüdische Mama spiele. Und insgesamt liegen 42 Theaterproduktionen hinter mir. Als ich als junge Frau mit meiner Mutter in den Ferien zur „Miss Viareggio“ gewählt und mein Foto in vielen Zeitungen gedruckt wurde, entdeckte mich der berühmte Produzent Vittorio de Sica. Er holte mich nach Rom. Meine erste Filmrolle spielte ich dann in „Der Freund des Jaguars“. Kurz darauf kamen die ersten zwei großen Filme in Deutschland: das „Totenschiff“ mit Horst Buchholz und „Am Tag, als der Regen kam“ mit Mario Adorf. An zwei weitere Filme erinnere ich mich deshalb gerne, weil wir da mit Charles Aznavour und Gerd Fröbe im Iran drehten – in Isfahan, einer wunderschönen, sehr exotischen Stadt! Und natürlich an „Ein Schuss im Dunkeln“ aus der Rosaroten Panther-Serie, in dem ich die tatverdächtige Haushälterin Maria Gambrelli spielte.

AZ: Was bedeuten Ihnen diese großen Filme?

Elke Sommer: Ich habe damals, vor über 30 Jahren, erkannt, dass Filme unvergänglich sind, und immer wieder gezeigt werden – wie eben der Rosarote Panther. Bühnenauftritte hingegen vergehen. Ja, so ist das: Wenn Du stirbst, dann bleibt der Film, nicht die Bühne!

AZ: Wir vermuten mal, Ihr Aussehen hat Ihnen damals dabei geholfen, entdeckt zu werden...

Elke Sommer: Ich sage klipp und klar: Ich bin tatsächlich „entdeckt“ worden. Ich habe mich nie groß beworben und war nie – da bin ich stolz drauf – auf einer Casting-Couch gesessen!

AZ: An welche Filmproduktionen erinnern Sie sich besonders gerne zurück?

Elke Sommer: An „Das Mädchen und der Staatsanwalt“ von 1961 mit dem damals schon großartigen Götz George – dafür bekam ich den „Golden Globe“. Und dann 1963 der Krimi „Der Preis“ mit Paul Newman – ein wunderbarer Mensch! Das war mein erster in den USA gedrehter Film, und ich spielte eine schwedische Krankenschwester, die Newman am Krankenbett betreute. Paul war ein faszinierender Schauspieler. Er hat sich später immer wieder einmal bei mir gemeldet. Aber er hat auch gut nachgemessen – vor den Dreharbeiten, damit niemand größer war als er. Ich durfte nie hohe Absätze tragen, weil ich eben nicht größer sein durfte als Paul. Die groß gewachsene Ava Gardner musste sogar tiefer laufen – Ava Gardner im Graben, Paul Newman daneben auf ebener Erde. Herrlich!

Die Malerei ist ihre große Leidenschaft

AZ: In manchen Archiven ist nachzulesen, dass eigentlich die Malerei seit Jahren ihr Hauptberuf sei?

Elke Sommer: Mir ist es lieber, für die Menschen eine Malerin zu sein, die auch schauspielert, als eine Schauspielerin, die auch malt.

AZ: Sie fassen sich immer wieder an die Hüfte und strecken sich beim Sitzen. Haben Sie Rückenschmerzen?

Elke Sommer: Ja, die kommen von einer so genannten „Spinalen Stenose“, das ist eine Verengung des Wirbelkanals. Vor zwei Jahren konnte ich oft nur kriechen, solche Schmerzen hatte ich. Der beste Orthopäde von Los Angeles untersuchte mich. Ich wurde in die Röhre geschoben und von Kopf bis Fuß durchleuchtet. Nach der Diagnose haben mich der Arzt und die medizinische Assistentin ganz betroffen angeschaut. Zuerst sollte ich sofort operiert werden. Dagegen habe ich mich aber gewehrt, also gab mir der Arzt echte „Bomben“ von Tabletten. Ich hab’ mich damals schon im Rollstuhl gesehen. Dann bekam ich drei gewaltige Spritzen mit entzündungshemmendem Cortison: Nach drei Tagen verspürte ich eine Besserung, und am fünften Tag konnte ich wieder gehen. Im Erlanger Waldkrankenhaus habe ich mich jetzt weiter behandeln lassen. Es geht mir besser. Aber das vor zwei Jahren – das war entsetzlich!

AZ: Was machen Sie jetzt gegen die Schmerzen?

Elke Sommer: Viele Übungen, Physiotherapie. Es geht schon. Ich stehe früh auf, trainiere, lebe diszipliniert. Ich bin hart im Nehmen. Ich kann einstecken.

"Ich würde gerne einen weiblichen Clochard spielen"

AZ: Sie werden am 5. November 70, ein langes Film- und Theaterleben liegt hinter Ihnen. Was würden Sie denn noch gerne spielen?

Elke Sommer: Ehrlich gesagt: Ich würde wahnsinnig gern in einem Film einen ganz normalen Menschen spielen, einen weiblichen Clochard vielleicht, oder eine Putzfrau, eine Verkäuferin, eine ganz unspektakuläre Frau halt, bei der das Aussehen überhaupt nicht wichtig ist. Der Zwang, immer gut aussehen zu müssen, das war schon furchtbar und sehr belastend. Das brauchen Männer in Filmen nicht unbedingt zu beweisen...

AZ: Irgendwann ist Ihr Franken-Gastspiel mit Ehemann Wolf Walther – Sie nennen ihn liebevoll „Papa-Bär“ – wieder zu Ende. Wann reisen Sie wieder zurück nach Kalifornien?

Elke Sommer: In einigen Tagen fliegen wir wieder nach Los Angeles – und dann bereiten wir uns ja auch langsam schon wieder auf Weihnachten vor.

AZ: Feiern Sie das denn auf fränkische Art?

Elke Sommer: Wir feiern ein ganz spezielles Weihnachtsfest! So einen Heiligen Abend feiert wahrscheinlich kaum eine Familie: Wir haben wahnsinnig viele Musikerfreunde zu Gast, bei uns wird also den ganzen Abend musiziert. Da interpretieren internationale Pop-Musiker unsere deutschen Volkslieder. Einer fängt an, die anderen stimmen ein. Wir spielen auf Instrumenten und singen. Für den Heiligen Abend laden wir vielleicht 40 Leute ein – und 80 sind dann meistens plötzlich da. Es gibt an unserem viereinhalb Meter langen Tisch alles mögliche zu essen, kreuz und quer durch die internationale Küche. Lachs, Lamm, Filet, viele Salate.

"Auf jeden Fall mache ich den besten Sauerbraten überhaupt!"

AZ: Apropos essen – kochen Sie eigentlich auch?

Elke Sommer: Aber ja! Ich koche hier in Marloffstein und daheim in Los Angeles gerne fränkisch, immer sehr deftig. Auf jeden Fall mache ich den besten Sauerbraten überhaupt (lacht).

AZ: Und wie feiern Sie Ihren runden Geburtstag?

Elke Sommer: Überhaupt nicht. Ich mag keine Geburtstage. Ich hasse Vergänglichkeit. Ich kann damit nicht umgehen.

AZ: Sind Sie ein christlicher Mensch?

Elke Sommer: Mein Vater war evangelischer Pfarrer, und ich habe ihn sehr verehrt. Mit meiner Mutter, einer Berlinerin, und meinem fränkischen Vater kamen wir kurz vor Kriegsende nach Niederndorf und lebten hier in wirklich ärmlichsten Verhältnissen. Ich war 14 Jahre alt, als mein Vater an Gallenkoliken und einer verpatzten Operation starb. Ich bin darüber bis heute noch nicht hinweggekommen, denn ich habe meinen Vater unglaublich geliebt. Ja, ich bin christlich. Ich gehe gerne alleine in eine leere und einsame Kirche. Und ich bete irgendwo, am liebsten beim Spaziergang im Wald, noch lieber auf einer Wiese – beim Sonnenaufgang. Ich habe früher meistens gebetet, um zu bitten. Heute bete ich nur noch, um zu danken. Interview: Leo Loy

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