Aiwanger äußert sich nach umstrittenem Pelz-Foto auf Jagdmesse: "Eigentlich eine Sünde"
Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hat mit einem Facebook-Post von der Jagdmesse in Salzburg für teils empörte Reaktionen gesorgt. Auf dem Foto trägt der Freie-Wähler-Chef eine Pelzmütze, umringt von weiteren Messebesuchern in Pelzkleidung. Dazu schreibt er: "Pelz ist natürlich und nachhaltig! Wenn die Tiere wie Fuchs oder Waschbär schon erlegt werden, weil sie sonst überhand nehmen, ist es sinnvoll, das Fell zu verwerten anstatt zu entsorgen und Kunststoffmützen zu produzieren.“
An der Messe im Nachbarland hatten am (verlängerten) Wochenende laut Veranstaltern rund 48.000 Besucher teilgenommen – ein neuer Rekord. Darunter war auch Bayerns Forst- und Tourismusministerin Michaela Kaniber (CSU).
"Ein emotionaler Höhepunkt waren einmal mehr die Hirschrufmeisterschaften, bei denen im Publikum zunächst gespannte Stille herrschte, ehe die Darbietungen mit großem Applaus gewürdigt wurden“, heißt es vom Messezentrum.
Kritik: "Natürlich“ nicht gleich "nachhaltig“
Aber zurück zu Hubert Aiwanger: Unter dessen Post entwickelte sich eine teils hitzige Debatte. Eine Nutzerin namens Tabea Ne widersprach Aiwangers Nachhaltigkeitsargument ausführlich. "Natürlichkeit ist kein Synonym für Nachhaltigkeit“, schrieb sie. Entscheidend seien ökologische Gesamtbilanz, Ressourcenverbrauch und der Chemikalieneinsatz bei der Gerbung. Zudem stelle sich die Frage, ob durch eine wirtschaftliche Verwertung von Pelz zusätzliche Anreize für Jagd oder Zucht geschaffen würden.
Besonders gravierend sei das Leiden in der Pelzindustrie: "In Pelzfarmen werden Tiere wie der Rotfuchs oder der Amerikanische Nerz häufig in kleinen Drahtgitterkäfigen gehalten, die ihre natürlichen Bedürfnisse nach Bewegung, Revierverhalten oder Sozialkontakt stark einschränken. Die Enge und Reizarmut führen nicht selten zu Verhaltensstörungen wie Stereotypien, Selbstverstümmelung oder Aggression.“
Eine zweite Nutzerin rückt Aiwangers Punkt zurecht – es gehe um Tierfelle aus dem Jagdbereich: "Nachhaltig ist es trotzdem, es wird genutzt und nicht entsorgt.“
Aiwanger zur AZ: "Ich habe den Eindruck, dass die Vernunft zurückkehrt"
Aiwanger selbst bekräftigt am Sonntag im Austausch mit der AZ: "Pelz ist die natürlichste und nachhaltigste Kleidung seit Menschengedenken. Auch Schuhe aus Leder oder Ledergürtel sind eine sinnvolle Nutzung genauso wie das Essen von Fleisch oder Fisch.“ Wer das scheinheilig und ideologisch ablehne und auf künstliche Ernährungsprodukte sowie Kunststoffkleidung setze und Pelz verteufele, entferne sich von der Natur.
Aiwanger weiter: "Es ist eigentlich eine Sünde, dass Felle von Tieren, die bei der Jagd anfallen, entsorgt werden, weil sich wegen Ideologen kaum jemand Pelz tragen traut. Aber ich habe den Eindruck, dass die Vernunft zurückkehrt.“
Wie ist die Rechtslage in Deutschland?
Pelzkleidung ist in Deutschland grundsätzlich erlaubt. Es gibt kein generelles Verkaufs- oder Trageverbot. Allerdings gelten strenge Vorgaben für die Haltung von Tieren zur Pelzgewinnung.
Die Pelztierhaltung ist hierzulande aber faktisch zum Erliegen gekommen, nachdem die Anforderungen an Käfiggrößen und Haltungsbedingungen deutlich verschärft wurden – was ihren Betrieb wirtschaftlich kaum noch tragfähig machte. Die letzte größere Pelztierfarm stellte 2019 den Betrieb ein. Der Handel mit importierten Pelzprodukten bleibt in vielen Fällen jedoch zulässig.

Das meiste Leder für Schuhe stammt von Rindern – als Nebenprodukt der Fleischindustrie. Auch Schwein, Ziege oder Schaf werden genutzt. Die Häute fallen nach der Schlachtung an und werden an Gerbereien verkauft.
Ganz abgesehen davon, wie man zu Hubert Aiwangers Aussage inhaltlich steht, hat der Freie-Wähler-Chef hier einmal mehr sein Talent für Aufreger-Themen und polarisierende Inszenierungen unter Beweis gestellt.
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