Adieu Harry: Club ist Charisteas los

Grieche unterschrieb gestern einen Vertrag in Arles und verzichtet dabei auf viel Geld
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Der Beginn des Missverständnisses: Angelos Charisteas und Manager Martin Bader am 9. Juni 2007.
bayernpress Der Beginn des Missverständnisses: Angelos Charisteas und Manager Martin Bader am 9. Juni 2007.

Grieche unterschrieb gestern einen Vertrag in Arles und verzichtet dabei auf viel Geld

NÜRNBERG/ARLES Gestern ist nach drei Jahren tatsächlich einer gegangen, der beim Club nie angekommen war. Angelos Charisteas, Ex-EM-Held Griechenlands, und mit 2,5 Millionen Euro Ablöse nicht nur der teuerste Einkauf sondern auch das teuerste Missverständnis in der Nürnberger Vereinsgeschichte. Charisteas unterschrieb gestern beim französischen Erstliga-Aufsteiger AC Arles-Avignon einen Einjahresvertrag. Grundgehalt angeblich 550.000 Euro pro Saison. Beim Club hatte er rund 1,5 Millionen Euro pro Jahr verdient.

Hans Meyer setzte Harry Jan Koller vor die Nase

In 57 Ligaspielen, davon 43 in der ersten und 14 in der zweiten Bundesliga, war Charisteas, ein gelernter Mittelstürmer, für den Club am Ball. Er erzielte acht Tore. Sein wichtigstes war zugleich sein Abschiedsgeschenk an den FCN: Sein Siegtreffer zum 2:1 bei Hertha BSC am 13. März 2010, Sekunden vor dem Schlusspfiff, rettete letztlich den Club vor dem direkten Abstieg.

Dennoch: Durchsetzen konnte sich Charisteas, genannt Euro-Harry, nie. Als er 2007 von Feyenoord Rotterdam kam, war Hans Meyer Club-Trainer. Und der setzte Angelos bereits nach einem halben Jahr den typgleichen Jan Koller vor die Nase. Der Anfang vom Ende des Angelos Charisteas, der es weder unter Meyer, noch unter Thomas von Heesen, Michael Oenning oder Dieter Hecking in die Stammelf schaffte.

Schlimmer noch: Oft stand er nicht mal im 18-Mann-Kader für den anstehenden Spieltag, auch in der Zweiten Liga. In jener Saison 2008/2009, flüchtete Charisteas im Winter zu Bayer Leverkusen – auf Leihbasis. Im Sommer kehrte er zurück, weil er in Leverkusen ebenfalls nur den Joker der letzten Spielminuten geben durfte und Bayer die Kaufoption folglich nicht gezogen hatte.

Missverständnis hat den Club 6,5 Millionen Euro gekostet

Der absolute Tiefpunkt für den stillen Griechen folgte aber erst noch. Hecking sortierte ihn vor dieser Saison endgültig aus. „In meinen Planungen spielt Charisteas keine Rolle mehr“, erklärte der FCN-Trainer. Kein Wunder also, dass Manager Martin Bader heilfroh war, nun endlich einen Abnehmer für Harry gefunden zu haben und dem Griechen sogar noch eine Art Abschiedsprämie mit auf den Weg gab: „Als Kompensation, weil Harry in der Zweiten Liga auf Gehalt verzichtet hatte.“

Bleibt die Frage, warum Charisteas, der die Griechen 2004 zur Europameisterschaft köpfte, im eindeutig nicht in der europäischen Spitze angesiedelten Nürnberg so gnadenlos durchfiel? Fakt ist, dass Angelos nie Anschluss zur Mannschaft fand, schon gar keine Freunde im Team hatte und auch selten an den diversen Auf- und Nichtabstiegsfeten teilnahm. Er grenzte sich aus – oder wurde ausgegrenzt. Ein ganz schlechtes Zeichen in einem Mannschaftssport. Es hat scheinbar einfach nicht gepasst, das Verhältnis 1. FCN zu Angelos Charisteas. Oder umgekehrt. Das Missverständnis hat den Verein rund 6,5 Millionen gekostet. Nun ist es beendet. Adieu Harry. ERG

Mehr über den Club und wie Per Nilsson den Stotterstart von Trier verarbeitet hat, lesen Sie in der Print-Ausgabe Ihrer Abendzeitung am Dienstag, 17. August.

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