4 Spiele Sperre für »Lama« Koller?

Wieder hat der Krisen-Club eine Chance vertan, sich wenigstens ein bisschen aus dem Abstiegssumpf zu ziehen. Nach dem 1:2 in Hannover, der Fortsetzung der blamablen Auswärtsserie mit bislang mickrigen fünf Punkten bei zwölf Versuchen auf fremdem Geläuf, gesteht Manager Martin Bader: „Natürlich liegen die Nerven jetzt ein bisschen blank.“
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Rausgewürgt? Erst ging Hannovers Altin Lala Jan Koller an den Hals, dann spuckte Nürnbergs Mittelstümer. Jetzt droht Koller eine saftige Sperre.
Wolfgang Zink Rausgewürgt? Erst ging Hannovers Altin Lala Jan Koller an den Hals, dann spuckte Nürnbergs Mittelstümer. Jetzt droht Koller eine saftige Sperre.

HANNOVER - Wieder hat der Krisen-Club eine Chance vertan, sich wenigstens ein bisschen aus dem Abstiegssumpf zu ziehen. Nach dem 1:2 in Hannover, der Fortsetzung der blamablen Auswärtsserie mit bislang mickrigen fünf Punkten bei zwölf Versuchen auf fremdem Geläuf, gesteht Manager Martin Bader: „Natürlich liegen die Nerven jetzt ein bisschen blank.“

Bei den Verantwortlichen, die sich durch den Trainerwechsel am 11. Februar – der launische Hans Meyer (65) wurde durch den souveräner auftretenden und 19 Jahre jüngeren Thomas von Heesen ersetzt – einen sofortigen Umschwung erhofft hatten. Und bei den Spielern. Jan Koller rastete nach dem Schlusspfiff aus und muss nun mit einer nachträglichen Sperre durch DFB-Chefankläger Anton Nachreiner rechnen.

Der 52-Jährige, hauptberuflich Leiter des Deggendorfer Amtsgerichts und ehemaliger Profi der Münchner Löwen (100 Spiele und 20 Tore zwischen 1976 und ’80), will sich jedoch erst die Fernsehbilder „genau anschauen“. Dann will Nachreiner heute entscheiden, ob er Anklage wegen einer Tätlichkeit oder unsportlichen Verhaltens erhebt – oder die Sache als Lappalie abhakt.

Wenige Sekunden vor Spielende setzte Hannovers Provokateur Jiri Lala unvermittelt zum Würgegriff an. Grund: „Koller wollte mir einen Ellbogencheck verpassen“, behauptet der nur 1,72 Meter große Lala. Abpfiff. Aber nicht für den XXL-Stürmer im Club-Trikot. Koller, der 2,02-Meter-Hüne, spuckt in Richtung der sich um ihn scharenden 96-Profis. Und verstummt. „Kein Kommentar!“

„Mich hat er nicht angespuckt“

Dafür sind Lala und sein Kollege Christian Schulz gesprächiger. „Mich hat er nicht angespuckt“, erklärt Lala. „Aber den Schulzi.“ Der wiederum gesteht: „Nee, mich hat er nicht angespuckt. Ich wollte nur schlichten, weil sich Jiri und Jan in dessen nicht vorhandene Haare gekommen waren.“

Dass sie diese Aussagen vor dem DFB-Sportgericht wiederholen, hofft auch Bader. „Weder Lala noch Schulz fühlen sich beleidigt oder gar diskreditiert. Das wird, sollte es soweit kommen, auch die Argumentationskette unseres Anwalts sein.“ Christoph Schickhardt, der Sportrechtler aus Ludwigsburg, wurde gestern bereits dahingehend informiert, dass es sich um „keine gezielte Attacke gehandelt hat“, fährt Bader fort. Geht’s nach dem Club, kommt Lama Koller mit einem Freispruch davon. Läuft’s extrem schlecht, drohen Koller vier Spiele Sperre. Also abwarten.

Wochenlang auf den Sturmriesen verzichten zu müssen würde es noch schwerer machen, dem immer mehr drohenden Super-Gau – Abstieg als Pokalsieger – zu entgehen. Zwar fordert von Heesen „mehr Aggressivität“, will dies aber nicht als Einsatz unsportlicher Mittel verstanden wissen, sondern: „Wir müssen über Zweikämpfe voll auf den Gegner draufgehen, ihm unser Spiel über den Kampf aufzwingen. Das muss die Mannschaft, die es zwei Jahre gewohnt war, alles spielerisch zu lösen, erst noch lernen. Dazu gehört auch, sich auf dem Platz mal gegenseitig verbal anzumachen.“

„Wir sind ein bisschen zu brav.“

In einem Team lamentierender Leisetreter eine schier unlösbare Aufgabe. „Viele Charaktere habe ich dafür nicht“, weiß Tommy. Neben Abwehrchef Andy Wolf und Giftzwerg Javier Pinola nur einen: Zvjezdan Misimovic, der als einziger eingesehen hat: „Wir sind ein bisschen zu brav. Spielerisch können wir unsere Situation nicht lösen. Das geht nur über Kampf.“ Ein Weckruf des Schützen zum Ehrentreffer, der zusammen mit dem nach fünfmonatiger Zwangspause ebenfalls eingewechselten Robert Vittek streckenweise für frischen Wind in der Offensive sorgte.

Misimovics Kollegen fehlt es laut von Heesen „teilweise an der Einstellung, vor dem gegnerischen Tor 100-prozentig draufzugehen, um sich ein Erfolgserlebnis zu verschaffen“. Also werkelt er weiter: an der Effizienz und am Zweikampfverhalten. Und sucht auch nicht die Schuld bei Schiri Michael Kempter, der Angelos Charisteas einen vermeintlich klaren Strafstoß verweigerte (siehe „Nachgefragt“ auf Seite 12).

„Ich sage nichts zu Schiedsrichterleistungen“, erklärt Tommy. „Dafür habe ich schon zu viel Geld bezahlt.“ An das DFB-Sportgericht, das nun über Koller und blank liegende Nerven entscheidet.

Markus Löser

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