160.000 Menschen für bundesweites Mähroboter-Nachtfahrverbot

Sie sind scheu, stachelig und rollen sich bei Gefahr leider gerne zusammen: Igel. Moderne Mähroboter bedrohen die geschützten Wildtiere in Deutschland immer mehr. Im Netz formiert sich Widerstand.
von  dpa
Wenn es wieder milder wird, werden die Igel im Frühjahr wieder aktiv - im Alltag drohen den stacheligen Wildtieren wegen der Menschen viele Gefahren.  (Archivbild)
Wenn es wieder milder wird, werden die Igel im Frühjahr wieder aktiv - im Alltag drohen den stacheligen Wildtieren wegen der Menschen viele Gefahren. (Archivbild) © Moritz Frankenberg/dpa

Zum Schutz der heimischen Igel unterstützen aktuell mehr als 160.000 Menschen aus ganz Deutschland per Petition ein bundesweites Nachtfahrverbot für Mähroboter. Umweltminister Carsten Schneider (SPD) solle den Einsatz der Maschinen "mindestens von 30 Minuten vor Sonnenuntergang bis 30 Minuten nach Sonnenaufgang" verbieten, heißt es etwa in einer vor einer Woche initiierten Petition der Regensburgerin Bianca Dirigl. Alleine hierfür gibt es bereits mehr als 51.000 Unterschriften (Stand 24.2.).

"Ich engagiere mich ehrenamtlich in einer Pflegestelle für Igel, die ich gegründet habe. Was wir in den letzten Jahren erleben, erschüttert mich zutiefst: Igel mit tiefen Schnittverletzungen im Gesicht, mit abgetrennten Beinen, mit schweren Infektionen, sind alles keine Seltenheit mehr", begründete Drigil ihren Aufruf an die Bundesregierung. Die verletzten Tiere würden tagelang leiden "und viele überleben es nicht. Die Ursache ist erschreckend oft dieselbe: Mähroboter."

23 initiierte Petitionsaufrufe finden sich derzeit im Netz, die einen besseren Schutz der bedrohten Igel in Deutschland zum Ziel haben, wobei einige im Betreff auch nur ein kommunales Verbot für nächtliches Mähen fordern. In Summe kommen diese auf rund 160.000 Unterstützer. 

Bisher gibt es in Deutschland kein generelles Verbot für Nachtfahrten von Mährobotern. Einzelne Kommunen, etwa Köln, Leipzig, Mainz, Göttingen und München, haben bereits einzelne Regelungen erlassen - dadurch ist deutschlandweit ein Flickenteppich entstanden. In Bayern war kürzlich ein Antrag der Grünen gescheitert, ein landesweites Verbot durchzusetzen.

Igel gelten seit 2024 als "potenziell gefährdet" in Deutschland

Seit Oktober 2024 gilt der westeuropäische Igel erstmals laut der internationalen Roten Liste als "potenziell gefährdet". Die Bestände sind in mehr als der Hälfte der Länder, in denen die Tiere leben, zurückgegangenen – darunter auch Deutschland. Neben Mährobotern schaden auch Laubbläser den Tieren, zudem finden sie in immer weniger Gärten, aber auch Parkanlagen geeignete Verstecke und Nahrung. Die meisten Igel - bis zu einer Million pro Jahr - sterben jedoch weiterhin im Straßenverkehr.

Forschende des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) hatten in einer Untersuchung belegt, dass der Einsatz von Mährobotern ein ernstes Tier- und Artenschutzproblem für Igel darstellt. Speziell kleinere Igel sind gefährdet, hinzu kommt, dass die Tiere bei Gefahr nicht wegrennen, sondern sich einrollen. Die Mähroboter selbst sind in den allermeisten Fällen nicht in der Lage, die Tiere zu erkennen.

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