Große Feier am Münchner Flughafen: Lufthansa blickt auf 100 Jahre zurück

Flugerfolge und NS-Verstrickungen: Zum Jubiläum lädt das Unternehmen einen prominenten Gast ein – und blickt (am Rande) auf ein dunkles Kapitel seiner Geschichte.
Sophia Willibald
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Die am 6. Januar 1926 in Berlin gegründete Deutsche Luft Hansa AG eröffnete am 6. April 1926 ihren Linienflugverkehr vom Flughafen Berlin-Tempelhof mit einem Fokker-Grulich Hochdecker über Halle-Erfurt-Stuttgart nach Zürich.
Die am 6. Januar 1926 in Berlin gegründete Deutsche Luft Hansa AG eröffnete am 6. April 1926 ihren Linienflugverkehr vom Flughafen Berlin-Tempelhof mit einem Fokker-Grulich Hochdecker über Halle-Erfurt-Stuttgart nach Zürich. © dpa/Bildarchiv Lufthansa/Fotoreport

Ein riesiger Koloss schiebt sich langsam in Richtung Startbahn. Im Inneren klicken Hunderte Fluggäste ihre Gurte fest, klappen die kleinen Tische an den Vordersitzen nach oben. Ein letzter Moment der Stille, dann ist das Flugzeug in Position und beschleunigt. Das leise Surren der Triebwerke wird zu einem vibrierenden Dröhnen. Die Triebwerke laufen auf Hochtouren. Es ruckelt, es rattert – dann löst sich der Riese vom Boden, hebt ab und steigt immer höher. Kaum ist er verschwunden, rollt schon der nächste Koloss in Position.

Für viele Menschen an Bord ist das ein alltäglicher Moment. Doch bis das Fliegen zur Routine werden konnte, ist viel Zeit vergangen. Wie viel, zeigt ein Blick auf eine der bekanntesten Marken der Luftfahrt: die Lufthansa.

Große Feier am Münchner Flughafen: Lufthansa blickt auf 100 Jahre zurück

Vor 100 Jahren, am 6. Januar 1926, wurde die erste "Luft Hansa" gegründet – durch den Zusammenschluss von Junkers Luftverkehr und Deutscher Aero Lloyd. Vier Monate später hob ihr erstes Flugzeug ab.

Mit ihrer langen Geschichte kann sich die Marke allerdings nicht nur rühmen. Lufthansa wurde Teil des NS-Regimes, profitierte von staatlichen Subventionen und der Zusammenarbeit mit führenden Nationalsozialisten. Zudem rekrutierte das Unternehmen Tausende Zwangsarbeiter, die unter diskriminierenden und menschenverachtenden Bedingungen arbeiten mussten. Darunter befanden sich auch die sogenannten "Rüstungsjuden", wie Lufthansa auf ihrer Website schreibt.

Heute will sich das Unternehmen, das 1953 neu gegründet wurde, um eine Aufarbeitung dieser dunklen Kapitel seiner Geschichte bemühen. Das 100-jährige Jubiläum soll dabei als Anlass dienen, dieses Ziel weiter zu verfolgen.

Werbeplakat der Lufthansa um 1926.
Werbeplakat der Lufthansa um 1926. © Gemini Collection/imago

Bei der Jubiläumsfeier wird dieses "dunkle Kapitel" am Rande thematisiert. Im Lufthansa-Hangar draußen beim Flughafen München, wo die Feier am Montagnachmittag stattfindet, hat das Unternehmen einen Zeitstrahl auf einer großen Pappwand aufgestellt.

An zwei Punkten werden auch die NS-Verstrickungen erwähnt. In den Reden von Vorstand Carsten Spohr und dem prominenten Gast Markus Söder geht es dagegen vor allem um die Meilensteine des Unternehmens: dass Lufthansa mittlerweile 850 Flugzeuge hat, 140 davon in München stationiert, dass der Konzern inzwischen 110.000 Mitarbeiter zählt und dass der Flughafen München – 37 Jahre früher als beim Bau noch erwartet – im Jahr 2026 seinen einmilliardsten Fluggast erreicht hat.

Söder und Spohr zwischen 220 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen von Lufthansa beim 100-jährigen Jubiläum.
Söder und Spohr zwischen 220 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen von Lufthansa beim 100-jährigen Jubiläum. © Lufthansa

Spohr und Ministerpräsident Söder zeigen sich stolz auf das Drehkreuz in Bayern. In den 2030er-Jahren soll es weiter ausgebaut werden – mit dem sogenannten "T-Stiel".

Der geplante "T-Stiel" am Flughafen München.
Der geplante "T-Stiel" am Flughafen München. © Lufthansa

Der Flughafen sei das Tor zur Welt, sagt Söder. Dass Bayern heute so erfolgreich ist, liege auch an diesem Flughafen, denn er vernetze das Bundesland international. "Warum sind hier viele amerikanische Unternehmen? Warum sind chinesische Unternehmen hier? Warum entstehen Start-ups? Weil man hier direkte Flüge hat", so der CSU-Vorsitzende. "Insofern mehr, mehr, mehr. Mehr Lufthansa tut Bayern gut und mehr Bayern macht die Lufthansa schöner und erfolgreicher."

Am Ende bekommt Markus Söder noch ein Modellflugzeug überreicht – für sein Büro, wie Carsten Spohr bei der Übergabe sagt. Hinter den beiden steht in der großen Lufthansa-Halle ein echter Airbus A350-900: ein Koloss in Dunkelblau und Weiß, mit dem typischen Kranich auflackiert – dem Logo des Luftfahrtunternehmens, und das seit 100 Jahren.

Markus Söder mit dem Lufthansa-Chef Carsten Spohr.
Markus Söder mit dem Lufthansa-Chef Carsten Spohr. © Flo Huber

Bleibt nach dem Ergebnis der Bürgermeisterwahl am Sonntag in München noch eine Frage offen: Wird der neugewählte Dominik Krause (Grüne) den Platz von Dieter Reiter (SPD) im Aufsichtsrat der Flughafen München GmbH einnehmen – und damit an Entscheidungen rund um den Münchner Flughafen mitwirken? Die Partei von Dominik Krause sieht den Flugverkehr bekanntlich kritischer als CSU und SPD.

Die AZ hat beim Flughafen München nachgefragt und eine eher vorsichtige Antwort erhalten: "Der Aufsichtsrat der Flughafen München GmbH (FMG) besteht insgesamt aus 16 Mitgliedern (acht Vertreter der Gesellschafter und acht Vertreter der Arbeitnehmer). Die Landeshauptstadt München benennt zwei der acht Aufsichtsratsmitglieder, die sodann durch die Gesellschafterversammlung zu wählen sind."

Ob Dominik Krause also tatsächlich bald im Aufsichtsrat des Münchner Flughafens sitzen wird, ist aktuell noch offen. 

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