Zwischen Karneval und Kafka: Einer der größten italienischen Justizskandale

Die italienische Serie "Portobello - Unschuldig verurteilt" (bereits ab 8. Oktober im Stream) erzählt eine unglaubliche, aber wahre Geschichte aus den 80-ern: Der bekannte italienische TV-Moderator Enzo Tortora (Fabrizio Gifuni) wird von einem Mafia-Kronzeugen beschuldigt, mit dem Organisierten Verbrechen zusammenzuarbeiten. Er wird verhaftet, es kommt zum Prozess und einer Verurteilung. Derweil kämpfen verschiedene Gruppen für die Unschuld des beliebten Mega-Stars. Doch was steckt hinter all dem? Warum wurde Tortora überhaupt beschuldigt? Wie ging er selbst damit um, und was hat das alles mit italienischer Kultur und Seele zu tun?
Der 1939 geborene Marco Bellocchio ist einer der großen Regisseure des italienischen Kinos. Früher war er mit seinen Werken Stammgast auf den wichtigen Kinofestivals der Welt. Dazu gilt er als unangepasster, unerschrockener Künstler. Mit der erst im Frühjahr 2026 gestarteten, sechsteiligen HBO Max-Serie "Portobello", die ARTE nun als Free-TV-Premiere zeigt, legt der Regie-Senior eine ziemlich unglaubliche Erzählung vor, die an die Opulenz Federico Fellinis und die Literatur Franz Kafkas erinnert. Bildgewaltig und von viel feinem Schauspiel durchzogen ist die Serie ein Augenschmaus und Trip in die Welt der 80-er und des italienischen Unterhaltungsfernsehens, das schon immer für seinen Wahnsinn im Sinne einer gewissen Überdrehtheit bekannt war.
Eine Italien-Reise, die man in den 80-ern nie gemacht hat
Beim amerikanischen Meta-Kritik-Portal Rotten Tomatoes erhielt "Portobello" einen Score von 100 Prozent positiver Kritikern. Das verwundert nicht. Mit einer selbst für internationale Produktionen unüblich prallen Ausstattung wird hier in schwelgerisch langsamen Erzähltempo nicht einfach nur die Geschichte eines Skandals erzählt. Darüber hinaus malt Bellocchio diesen bereits als reiner True Crime-Fall ziemlich spektakulären Justizskandal im Stile eines Paolo Sorrentinos ("Ewige Jugend") so kunstvoll aus, dass die Serie zu einem fast magischen Sitten- und Zeitgemälde wird.
Das Magische der Serie zeigt sich auch im Kern der TV Show "Portobello", in der man einen Papagei vor der Kamera zum Sprechen bringen muss. Auf der anderen Seite gibt es Fans der Show, die fest daran glauben, durch magisches Wünschen die Ergebnisse der Show beeinflussen zu können. Darunter ein einsitzender Mafioso. Auch wenn es ziemlich verrückt klingt und auch bisweilen auch ist: Diese Serie ist etwas Besonderes, man sollte ihrem ziemlich außergewöhnlichen Flair definitiv eine Chance geben.
Enzo Tortora wurde 1986 in der Berufung freigesprochen; 1987 wurde der Freispruch höchstrichterlich bestätigt.
Portobello - Unschuldig verurteilt - Do. 15.10. - ARTE: 22.45 Uhr