ZDF-Dreiteiler: "Unsere Mütter, unsere Väter"

Mörderische Zwangsreife: Nachtkritik zum ersten Teil der ZDF-Trilogie über das Verstummen der Kriegsgeneration, der eine immense Wucht entfaltet.
| Ponkie
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Szene aus der ersten Folge von "Unsere Mütter, unsere Väter"
David Slama, ZDF Szene aus der ersten Folge von "Unsere Mütter, unsere Väter"

Mörderische Zwangsreife: Nachtkritik zum ersten Teil der ZDF-Trilogie über das Verstummen der Kriegsgeneration, der eine immense Wucht entfaltet.

Fünf junge Freunde, kaputtgemacht in der Ostfront-Barbarei des Zweiten Weltkriegs zwischen 1941 und 1945 – ein brutales Schlachtfeld-Szenario, wie es seit über 70 Jahren eingebrannt ist in unserem Unterbewusstsein.

Wir erfahren in „Unsere Mütter, unsere Väter“ also nichts Neues. Alles ist bekannt. Und in allen Phasen des Weiterlebens entstanden wichtige Filme, angefangen von Staudtes „Die Mörder sind unter uns“ und den großen NS-Prozess-Filmen bis hin zu den Meisterwerken von Axel Corti und Eberhard Fechner, zu Giordanos „Die Bertinis“, den Fassbinder-Filmen über die Fünfzigerjahre und den autobiographischen Dramen von Oliver Storz. Nichts blieb verborgen - nur die ganz Dummen wollten vom Holocaust nichts wissen.

Trotzdem ist dieser Dreiteiler über das Verstummen der Kriegsgeneration (Buch: Stefan Kolditz, Regie: Philipp Kadelbach, ZDF) von immenser Wucht. Und über die Distanz von über 70 Jahren sind diese fundamentalen Erfahrungen von Diktatur und Verrohung, von niederträchtiger Ideologie, Rassenwahn und Gehrnwäsche aufwühlender Anlass zu neuer alter Wut über das irreparable „Mitgefangen-Mitgehangen“.

Der Film erzählt die ewig ähnlichen Schicksalsgeschichten deutscher Spaltung: Deutsche Juden, deutsche NS-Fanatiker, deutsche Mitläufer, Verstrickung von Opfern und Tätern – ein glänzendes Schauspieler-Ensemble wächst in dieses mörderische Zwangs-Reifedrama hinein (wobei Katharina Schüttler sich erneut als herausragendes Talent des deutschen Film erweist).

Der Film (samt Dokumentation) wirkt wie ein Menetekel. Doch im Rückblick wird dennoch deutlich: Nur durch diese totale, grausame Niederlage war Befreiung möglich. Nur so konnte sich Europa aus diesem ewigen, mit pathetischem Sprüche-Gewäsch geblähten, kriegsbereiten Nationalismus lösen.

 

 

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren