Interview

Wolfgang Stumph: Der absolute Liebling

Der gute alte Stubbe: Zu seinem 75. Geburtstag wird Wolfgang Stumph wegen ständiger Zuschauernachfragen noch einmal rückfällig. Im AZ-Interview erzählt der Dresdner auch von unangenehmeren Aspekten.
| Florian Koch
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Im Homeoffice: Stubbe (Wolfgang Stumph) kann mit einer alten Schreibmaschine die Neugier seiner Enkelin (Greta Kasalo) wecken.
Im Homeoffice: Stubbe (Wolfgang Stumph) kann mit einer alten Schreibmaschine die Neugier seiner Enkelin (Greta Kasalo) wecken. © ZDF und Rudolf Wernicke

Sieben Jahre war er weg vom TV-Fenster, freiwillig, im Ruhestand. Dann kam Wolfgang Stumph 2018 noch einmal zurück - als Pensionär. Und jetzt? Wie heißt es so schön: "Wegen großer Nachfrage..." In dem neuen Spezial "Stubbe - Tödliche Hilfe", das diesen Samstag, einen Tag vor dem 75. Geburtstag von Wolfgang Stumph ausgestrahlt wird, rückt Stubbe alias Stumph in den Hintergrund der Handlung, um seiner Tochter Stephanie Stumph als Investigativ-Journalistin Christiane das Feld zu überlassen.

Wolfgang Stumph feiert 75. Geburtstag

Die tarnt sich als Praktikantin bei einem dubiosen Dresdner Pflegedienst, während sich der Papa um seine Enkelin Caroline (Greta Kasalo) kümmern soll. Eine Aufgabenteilung, die zu familiären Spannungen führt, dem bewährten Stubbe-Fall aber seinen Witz verleiht.

AZ: Herr Stumph, im Film werden Sie von ihrer Enkelin frech als "Semper Opa" angesprochen. Stand diese amüsante Bezeichnung so schon im Drehbuch?
WOLFGANG STUMPH: Diese Bezeichnung hängt damit zusammen, dass Peter Kahane als Drehbuchautor manchmal gar nicht selber weiß, ob er so eine Anspielung ins Drehbuch einbaut, weil er den Stubbe oder den Stumph schon Jahrzehnte kennt. Mein Mitdenken und Mitmachen, man kann es auch Stumph-Sinn nennen, sichere ich mir formal dann auch als Co-Produzent ab. An der Semperoper spiele ich im Übrigen seit Jahren in der "Fledermaus" den Gefängniswärter Frosch.

Wolfgang Stumph: Tochter Stephanie ist wieder dabei

Im letzten Stubbe-Spezial hat ihre Tochter Stephanie Stumph gar nicht mehr mitgespielt. Jetzt ist sie sogar in der Hauptrolle zu sehen. Wie kam es zu dieser Rolle rückwärts?
Wir haben 2014 mit dem 50. Stubbe-Film gemeinsam beschlossen, künftig neue und eigene Wege zu gehen. Das hat sie erfolgreich in zahlreichen Rollen nicht nur in der Fernsehreihe "Der Alte" getan. Ebenso übereinstimmend entstand nun nach sechs Jahren aber auch bei uns beiden der Wunsch und der Reiz die Lebensgeschichte der beiden Figuren einfach weiter zu erzählen.... mit einer Enkelin.

Wie viel Wolfgang Stumph steckt in diesem Stubbe?
Mir war immer wichtig, meine Moral und meinen Stumph-Sinn in meinen Figuren widerzuspiegeln. Und das in satirischen, komisch-tragischen Rollen oder in der Erzählweise dieser Stubbe-Familie. Als Stubbe kann ich mir auch am treuesten bleiben im Widerspiegeln meiner Haltung. In anderen Filmrollen probiere ich aus, was auch in mir stecken könnte.

Sie sind für ihr soziales Engagement bekannt. Ein Element, das auch in den Stubbe-Fällen immer wieder aufgegriffen wird - wie in diesem Fall der Umgang mit der Altenpflege.
Als wir diesen Stoff mit Peter Kahane 2018 entwickelten, war uns Corona noch kein Begriff. Aber die Wichtigkeit der Pflegeberufe in den Mittelpunkt zu stellen, war uns schon damals ein Anliegen. Wir wollten einerseits die Achtung vor den Leistungen des Pflegepersonals zeigen, aber auch die möglichen Fehler in den Strukturen offenlegen. Durch die Corona-Krise wird die Problematik noch einmal deutlich.

Stubbe lief erstmals 1995 im TV

Warum ist die Reihe seit 1995 immer noch so beliebt?
Stubbe ist im Kern eine Familiengeschichte um einen Kommissar, die mit den Fernsehzuschauern älter wird. Es gibt Zuschauer, die uns schreiben, dass die Filme ihre Jugend begleitet hätten. Und heute sehen Sie die Fälle mit ihren eigenen Kindern. Die Erzählweise ist generationsübergreifend. Mit Andreas Herzog hatten wir nun einen Regisseur an der Seite, mit dem wir das Besondere der Reihe wieder erkennbar machen konnten. Wenn sich das auch in den Reaktionen der Zuschauer widerspiegelt, ist das für mich zehnmal wichtiger als jeder Preis.

Ihre Heimat und speziell Dresden wird von Satirikern wie Jan Böhmermann auch auf Grund der Pegida-Bewegung heftig kritisiert. Was löst das bei Ihnen, der mit der Stadt und der Bevölkerung eng verbunden ist, für Gefühle aus?
Zu diesen Themen habe ich meine Haltung nicht nur in meinen Filmen ausgedrückt. In der Stubbe-Folge "Sonnenwende" werden sie aufgegriffen und auch in Peter Kahanes "Blindgänger", der in Dresden 2015 gedreht wurde, stellen wir klar, dass die Erde uns allen gehört und niemand vor einem verschlossenen Haus stehen sollte. Damit ist für mich alles gesagt. Gern möchte ich aber ergänzen, dass dieses einseitige sich rechtfertigen zu müssen anstrengend und nicht nur Thema in einem Bundesland ist.

Macht Ihnen das Alter nichts aus?

Als Stubbe genießen Sie es, mit der Schreibmaschine zu schreiben und wirken gegenüber neuen digitalen Medien eher skeptisch. Teilen Sie diese Einstellung?
Nicht nur meine Homepage betreue ich selber. Ich bin meine eigene Ich-AG, mein Büro, mein Manager, mein Agent, mein Pressesprecher. Ohne die digitalen Medien würde ich das nicht leisten können. Darüber hinaus entwickle ich als Co-Produzent mit meinen Mitstreitern ganz bewusst Filme, die dem differenzierten Humor des Sachsen und dieser Schlitzohrigkeit eines Karl Valentin oder Gerhard Polt näher sind als jeder gängigen Comedy-Figur.

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Sie wirken in Talkshows, Filmen oder jetzt im Interview so engagiert und optimistisch wie eh und je. Macht Ihnen das Alter wirklich nichts aus?
Corona bedingt fällt die Geburtstagsfeier aus und ich werde deshalb in diesem Jahr aber auch nicht älter. Spaß beiseite, tatsächlich hat mich mein Alter nie interessiert. Meine Haltung zum Leben sieht eher vor, dass ich keinen Grund sehe, mich meinem Alter entsprechend zu verhalten. Ich habe immer noch den kleinen frechen Jungen irgendwo in der Hosentasche. 

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