Wird zu viel Geld mit vollen Händen ausgegeben?

Durch Europa rollt eine Welle der Aufrüstung, wie es sie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gab. Innerhalb der EU fehlt es jedoch an Koordinierung. - Der ARTE-Themenabend "Europas neue Fronten" fragt in mehreren Dokumentationen ab 20.15 nach, ob die EU in der richtigen Weise gewappnet ist.
Hans Czerny |
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Ein kanadischer Kanonier, Sergeant Douglas Lawrence, während einer Nato-Übung in Adazi, Lettland. Steht an der russisch-lettischen Grenze ein bewaffneter Konflikt bevor?
ARTE / Arpard Bondy Filmproduktion 3 Ein kanadischer Kanonier, Sergeant Douglas Lawrence, während einer Nato-Übung in Adazi, Lettland. Steht an der russisch-lettischen Grenze ein bewaffneter Konflikt bevor?
Teuer und veraltet? - Ein Panzer vom Typ Leopard 2 A6 und ein Hubschrauber vom Typ EC 135 demonstrieren ihre Fähigkeiten.
ARTE / picture alliance/ASSOCIATED PRESS | Markus Schreiber 3 Teuer und veraltet? - Ein Panzer vom Typ Leopard 2 A6 und ein Hubschrauber vom Typ EC 135 demonstrieren ihre Fähigkeiten.
Bei der Nato-Übung "Cold Response 26" übten in Nord-Norwegen 32.500 Soldaten im März 2023 den Ernstfall.
ARTE / GA&A Productions 3 Bei der Nato-Übung "Cold Response 26" übten in Nord-Norwegen 32.500 Soldaten im März 2023 den Ernstfall.

Am Beginn des ARTE-Themenabends über Europas Sicherheitspolitik steht ein grausames Zahlenspiel. Die Rüstungskosten steigen, so wird es skizziert, ins Astronomische. 1,2 Billionen Euro seien seitens der NATO Staaten der EU bis 2030 angepeilt. Nach den Recherchen der Autoren Árpád Bondy und Harald Schumann für deren Dokumentation "Viel Geld, wenig Sicherheit? Europa rüstet auf" (ARTE, 2026) werden dabei viele Milliarden geradezu verschleudert - in erster Linie, so wird es hier jedenfalls erzählt, weil es an Zusammenarbeit fehlt, weil jeder Staat die eigenen Industrien bedient, während deren Produkte nicht kompatibel mit denen anderer Staaten sind.

Einsichten seitens der Waffenexperten, heißt es im Film, gibt es längst, doch es fehle an Taten. Hat Europa die Aggression aus dem Osten verschlafen? Werden hierzulande gar veraltete und teure Waffensysteme wie der Puma-Schützenpanzer gebaut, obwohl sie teurer und weniger effizient sind als Panzer von Nachbarländern wie Schweden? Und sind Drohnen, die aus dem "Legobaukasten" kommen, wie ein Zeuge sagt, nicht ohnehin um vieles effizienter?

Die Fragen sind in diesem Film sehr scharf, und die Antworten, die in der Doku zumeist frühere Rüstungspolitiker und -experten geben, sind meist von Vorsicht geprägt. Jedoch sprechen die Zahlen, die ihnen vorgehalten werden, für sich: Die Verschwendung ist groß, besonders, wenn man bedenkt, dass es an anderer Stelle an allem fehlt. Infrastrukturen wie Bahn und Straßenbau hinken hinterher, ebenso das Bildungs- und das Gesundheitssystem. Gut, dass da auch Volkes Stimme Raum gegeben wird. Die Frage: "Wie kann man überhaupt in solch eine gigantische Rüstung investieren?" mag naiv sein, sie stellt sich aber nach wie vor. Wer wollte sich schon mit dem schlagenden Argument der FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann zufriedengeben, das da lautet: "Ohne Sicherheit sind alle anderen Anstrengungen obsolet!"

Besonders gefährlich scheint die Lage an der russisch-finnischen Grenze zu sein. Zumal seit dem NATO-Beitritt Finnlands. Die 1.343 Kilometer lange Grenze ist mittlerweile geschlossen. Finnland bereitet sich bereits seit Jahrzehnten mit Zivilschutzanlagen und dem Einzug von einer Million Reservisten für den Ernstfall vor. Der Film "Finnland-Russland: Die neue Kriegsfront?" um 21.45 (ARTE, 2026) fragt: Muss das restliche Europa daraus lernen?

In der Dokumentation "Putins Kriegsmaschinerie" (Dänemark, Norwegen, Schweden, 2026, um 22.40 Uhr) wird schließlich die Frage gestellt: Wie groß ist die Bedrohung durch Putins Russland an den Ostgrenzen Europas? Geheime Dokumente, NATO-Kommandeure und russische Insider geben hier Auskunft über die Vorbereitungen einer langfristigen Konfrontation mit dem Westen. (Alle Filme auch online im Stream.)

Viel Geld, wenig Sicherheit? Europa rüstet auf. - Di. 03.11. - ARTE: 20.15 Uhr

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