TV-Tipp: Für dieses Sportlerdrama erhielt Sandra Bullock einen Oscar

Für ihre Rolle als amerikanische Übermutter erhielt Sandra Bullock den Oscar.
von  Tom Ruder
"Blind Side - Die große Chance" erzählt von einem jungen übergewichtigen Mann (Quinton Aaron), der mit der Hilfe einer ihm zunächst völlig fremden Familie zum Sportstar aufsteigt.
"Blind Side - Die große Chance" erzählt von einem jungen übergewichtigen Mann (Quinton Aaron), der mit der Hilfe einer ihm zunächst völlig fremden Familie zum Sportstar aufsteigt. © RTL / Alcon Film Fund, LLC.

Das ist er also, der Film, für den Sandra Bullock 2010 einen Oscar erhielt. So ganz verstehen mag man's nicht. "Blind Side - Die große Chance" (Samstag, 17. Oktober, 20.15 Uhr, VOX) wirkt wie eine Mixtur aus ambitioniertem Festivalbeitrag und Feelgood-Movie am Freitagabend in der ARD. Sicher: Sandra Bullock spielt leidenschaftlich, glaubwürdig, engagiert. Doch die Tiefe, die man gewöhnlich von einer Oscarrolle erwartet, hat ihre Figur nicht.

Befeuert wurde die Entscheidung der Academy, Sandra Bullock die begehrteste aller Film-Auszeichnungen zu geben, durch die Tatsache, dass es sich auch hier, wie so oft bei prämierten Filmen, im Grunde um eine wahre Geschichte handelt. Der Autor Michael Lewis beschrieb in "The Blind Side: Evolution of a Game" unter anderem das Leben des schwarzen Teenagers Michael Oher, der von einer nicht gerade armen All-American-Family aufgenommen wurde. Er avancierte zum Football-Star.

Kein Football-Wissen notwendig

Es ist nicht zwingend notwendig zu verstehen, wie Football funktioniert, um dem Film folgen zu können. Nur eines ist wichtig: Der Schlüsselspieler, der sogenannte Quarterback, ist nichts wert ohne seinen linken "Tackle" - also jenen Spieler, der seinen toten Winkel schützt und ihm somit Freiraum zur Spielentfaltung gewährt. An dieser Position wird Oher eines Tages spielen. Doch da er geistig nicht gerade ein Überflieger ist, muss ihm seine Ziehmutter Leigh Anne Tuohy erst einmal klarmachen, was seine Aufgabe ist. In einer hübschen, auch komischen Szene tut das Sandra Bullock mit Nachdruck.

Alles beginnt jedoch damit, dass der Teenager Michael (Quinton Aaron) ganz offensichtlich heimatlos durch die Gegend streift. Er geht in die Klasse von Leigh Annes Tochter und macht dort einen verlorenen, hilflosen, ja auch minderbemittelten Eindruck. Bis ihm die Familie eines Tages auf der Straße begegnet, ihn einfach in den Wagen packt und nach Hause nimmt. Dort wird Michael integriert, seine Vergangenheit mühsam erforscht. Und so wie er sich langsam in seinem neuen Leben zurechtfindet, so kämpft vor allem Leigh Anne darum, dass der schwarze, übergewichtige Junge auch in der Öffentlichkeit jene Anerkennung erhält, die ihm gebührt. Bis eben klar wird, dass seine besondere Fähigkeit auf dem Sportplatz liegt und die großen Teams Schlange stehen.

Hommage an den American Dream

"Blind Side - Die große Chance" ist vor allem eine Hommage an den American Dream, aber auch ein Appell an Toleranz und den Glauben an die Fähigkeiten eines jeden Einzelnen. Bis auf wenige Szenen kommt der rührende Film schon recht naiv daher. Auf seinem Weg nach oben verspürt Michael wenig Gegenwind. Schon gar nicht in der Familie rund um Leigh Anne und ihren Mann Sean (Tim McGraw), deren Motive für die gute Tat nicht wirklich erklärt werden.

Nichtsdestotrotz erzählt Regisseur und Autor John Lee Hancock eine Geschichte, die zu bewegen weiß und Eindruck hinterlässt. Und da ist es am Ende doch Superstar Sandra Bullock, die - erblondet, tough, emotional - den Betrachter mitnimmt in eine amerikanische Oberklasse, die den Blick für die da unten nicht verloren hat. Irgendwann wird Leigh Anne erkennen, dass der junge Michael eher ihr eigenes Leben verändert hat als sie das seine. Ein klischeehafter, aber eben auch schöner Traum, der sich in diesem Fall ja auch wirklich erfüllt hat.

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