"The Pitt": Wie realistisch ist die Notaufnahme-Serie?

Schauspieler Noah Wyle (54) ist zurück im Krankenhaus - der "Emergency Room"-Veteran spielt in der HBO-Serie "The Pitt" den Oberarzt Dr. Michael "Robby" Robinavitch und führt sein Team durch nervenaufreibende Schichten in einer Notaufnahme in Pittsburgh. Die erste Staffel startete im Januar 2025 und wurde laut dem Streaming-Dienst einer der fünf erfolgreichsten Serienstarts überhaupt. Am 8. Januar 2026 folgte Staffel zwei. Die Serie räumte bei den Emmys 2025 ordentlich ab und holte bei den Golden Globes 2026 zwei Trophäen - darunter den Preis als bester Hauptdarsteller in einer Dramaserie für Wyle persönlich.
Wie das "People"-Magazin berichtet, sind allerdings nicht nur Kritiker und Zuschauer begeistert: Auch echte Mediziner haben die Serie für sich entdeckt.
Mediziner loben die Detailtreue
"'The Pitt' ist eine der medizinisch akkuratesten Darstellungen der Notfallmedizin, die ich je im Fernsehen gesehen habe", erklärt Kristen Glick, Notfallmedizinerin am Bridgeport Hospital in Connecticut, der US-Zeitschrift. Der Grund für diese Authentizität: Die Serienmacher R. Scott Gemmill und John Wells holten sich laut "New York Times" auf nahezu jeder Produktionsebene ärztliche Unterstützung.
Die medizinischen Fälle in der Serie stammen aus der Feder von Joe Sachs, einem ehemaligen Notarzt, der zum TV-Produzenten wurde. Jedes Drehbuch durchläuft anschließend ein Team aus medizinischen Beratern, die Terminologie, Behandlungsmethoden und Abläufe überprüfen. Selbst am Set sind Fachleute vor Ort, um die Darsteller anzuleiten. Viele Komparsen arbeiten im echten Leben tatsächlich als Pflegekräfte - darunter Ned Brower, der in der Serie den Pfleger Jesse Van Horn spielt.
"Es gab viele Augen, meine eingeschlossen, die aufgepasst haben", verriet der ehemalige Notaufnahme-Pfleger aus Los Angeles im April 2025 gegenüber "People". "Ich glaube, genau das macht die Serie so besonders - die Einzelheiten sind einfach unglaublich detailliert."
Das fiktive Krankenhaus hat ein echtes Vorbild
Das Pittsburgh Trauma Medical Center existiert zwar nicht wirklich, basiert aber auf dem Allegheny General Hospital, einem großen gemeinnützigen Krankenhaus im Norden von Pittsburgh. Alle Außenaufnahmen sowie Szenen in der Lobby und auf dem Dach wurden laut "PBS" dort gedreht.
Ein Punkt, an dem die Serie allerdings etwas übertreibt: die schiere Menge an Notfällen. In Staffel eins erleben die Ärzte innerhalb einer einzigen Schicht die Folgen einer Massenpanik nach einer Schießerei, ein ertrinkendes Kind, eine versehentliche Überdosis, eine traumatische Geburt, Masernfälle und Quecksilbervergiftungen. "Wo die Serie die Realität überstrapaziert, ist, dass es sich wahrscheinlich um die schlimmste Schicht aller Zeiten handelt", ordnet Dr. Matthew Harris, Kinderarzt in der Notaufnahme des Cohen Children's Medical Center in New York ein.
Die emotionale Belastung ist absolut real
Pflegedirektorin Keri Bill vom Stamford Hospital in Connecticut stimmt zu: "Nicht jede Schicht besteht aus einer Krise nach der anderen. Die Serie komprimiert viele Hochspannungs-Ereignisse in eine einzige Schicht für den dramatischen Effekt." Dennoch sei das stressige Umfeld sehr authentisch. "Der schnelle Wechsel von einem Patienten, der dem Tod nahe ist, zum nächsten Zimmer, wo jemand Zahnschmerzen oder eine Erkältung hat, ist unglaublich realistisch", bestätigt Dr. Sarah Perman vom Yale New Haven Hospital.
Besonders gelobt wird die Darstellung der Risiken, denen medizinisches Personal ausgesetzt ist - von körperlichen Übergriffen durch Patienten über psychische Belastungen bis hin zu Fehlgeburten während der Arbeit. "Notärzte, besonders jene in Nachtschichten, haben ein erhöhtes Risiko für Schwangerschaftskomplikationen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychische Störungen", erklärt Dr. Melissa Langhan von der Yale University. "Unsere Arbeit hat körperliche Konsequenzen."
Für Dr. J. Mack Slaughter, Notarzt aus Texas, ist "The Pitt" daher ein zweischneidiges Schwert: "Wenn man die Serie schaut, erlebt man einige sehr schwierige Momente seiner Karriere noch einmal. Man denkt sich: 'Moment, ich fühle mich, als wäre ich gerade bei der Arbeit' - auf eine schöne Art, aber auch auf eine schwierige."