"Tatort"-Zwangspause in Dresden: Gröschel und Brambach schlagen Alarm

Die "Tatort"-Kommissare Cornelia Gröschel (38) und Martin Brambach (58) sind "immer noch bestürzt". In einem gemeinsamen offenen Brief, den beide auf ihren privaten Instagram-Seiten veröffentlicht haben, reagieren die Hauptdarsteller des Dresdner "Tatorts" auf die Ankündigung des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), die Produktion neuer Folgen für drei Jahre auszusetzen. Hintergrund ist die angespannte Finanzlage des Senders, der nach eigenen Angaben vor allem unter der ausgebliebenen Erhöhung des Rundfunkbeitrags leidet. Auch der "Polizeiruf 110" aus Magdeburg ist von der Entscheidung betroffen.
Zwar zeigen sich Gröschel und Brambach in ihrem Statement verständnisvoll gegenüber dem Spardruck, dem der MDR ausgesetzt ist - doch ihr eigentlicher Kern ist ein dringlicher Warnruf. Denn anders als bei anderen Sparmaßnahmen, so das Schauspieler-Duo, könne man Filmproduktionen "leider nicht so einfach an- und abschalten".
Lange Vorlaufzeiten, kaputte Strukturen
Hinter jeder Folge stecke ein langer organisatorischer Vorlauf: Autoren müssten gefunden, Drehbücher entwickelt, Drehorte angemietet, Teams zusammengestellt werden. Wenn drei Jahre nichts produziert wird, gehen nach Einschätzung der Schauspieler lang gewachsene Strukturen unwiederbringlich verloren - und die Menschen vor wie hinter der Kamera müssten sich zwangsläufig anderen Projekten zuwenden. "Wie alle Menschen" müssten auch Schauspieler ihre Miete zahlen.
Noch schwerer wiegt für Gröschel und Brambach die Ungewissheit über das, was nach der Pause kommt. Niemand könne im Moment versprechen, dass in drei Jahren tatsächlich wieder ausreichend Geld für neue Produktionen bereitstehe. Die Situation werde sich absehbar nicht entspannen. Der Brief endet deshalb mit einem Appell: Der MDR solle sich nochmals mit den Produktionsfirmen zusammensetzen und nach Lösungen suchen.
Bis zu 1.000 Arbeitsplätze in Gefahr
Die wirtschaftlichen Konsequenzen, die Gröschel und Brambach skizzieren, gehen weit über die Schauspieler selbst hinaus. Laut Angaben der Produzentenallianz könnten bis zu 1.000 Arbeitsplätze in der Region verloren gehen. Mehr als 70 Prozent des Produktionsetats fließe direkt in den mitteldeutschen Wirtschaftsraum. Für den Medienstandort Mitteldeutschland wäre ein dauerhaftes Ende der beiden Krimireihen nach Einschätzung des Duos "eine Katastrophe".
Den vielleicht gewichtigsten Einwand formulieren die beiden Schauspieler allerdings auf politischer Ebene. Sollten der Dresden "Tatort" und der "Polizeiruf" aus Magdeburg dauerhaft vom Bildschirm verschwinden, komme der Osten Deutschlands in zwei der meistgesehenen deutschen TV-Reihen schlicht nicht mehr vor. Der "Tatort" sei ein "gemeinschaftsbildendes Schaufenster der verschiedensten Regionen Deutschlands", schreiben sie. Und Ostdeutschland gehöre da "unbedingt" dazu. "Das kann und darf nicht passieren!!!", schließt der Brief.
Noch zwei neue Folgen in Sicht
Die MDR-Produktionspause wurde am 11. Mai bekanntgegeben. Bereits fertiggestellte oder vertraglich fixierte Folgen sollen in den kommenden Jahren dennoch ausgestrahlt werden. Zweimal werden Gröschel und Brambach bis zur "Pause" noch zu sehen sein. Der letzte neue Dresdner "Tatort: Nachtschatten" lief an Neujahr 2026.
Im Herbst 2025 starteten laut "MDR" die Dreharbeiten zur nächsten Folge mit dem Arbeitstitel "Das, was Du zurücklässt". In diesem "Tatort" gibt die junge Kommissarsanwärterin Milla Brandis (Lilja van der Zwaag, 30) ihr Debüt. Der Krimi soll noch dieses Jahr ausgestrahlt werden.
Auch im übernächsten "Tatort", der laut Sender den Arbeitstitel "Löschen!" trägt und ab Ende Mai 2026 gedreht wird, ist Milla Brandis undercover wieder mit von der Partie. Ausgestrahlt wird der Krimi im Jahr 2027.