"Tatort: Gefahrengebiet": So wird der letzte Fall mit Corinna Harfouch

Zum Abschied wird es noch einmal unruhig in Berlin. In "Tatort: Gefahrengebiet" (1. Februar um 20:15 Uhr im Ersten) geraten Susanne Bonard (Corinna Harfouch, 71) und Robert Karow (Mark Waschke, 53) in ein Umfeld, in dem die Stimmung längst gekippt ist. Der Film ist der letzte Berliner "Tatort" mit Corinna Harfouch - und entscheidet sich für einen Abgang, der weniger auf Drama als auf Atmosphäre und künstlerisches Setting baut.
Nach nur fünf Einsätzen ist Schluss für Kommissarin Susanne Bonard. Ihr Kollege Robert Karow, der bereits seit 2015 in der Hauptstadt ermittelt, bleibt dem Berliner "Tatort" hingegen treu. Ende 2026 wird er voraussichtlich zunächst solo ermitteln, bevor es 2027 mit einem neuen Team an seiner Seite weitergeht.
Darum geht es im "Tatort: Gefahrengebiet"
Auf einer abgelegenen Industriebrache am Rand von Berlin wird ein toter Obdachloser gefunden. Bissspuren an der Leiche lassen zunächst an einen Wolfsangriff denken. Die Spaziergängerin Edda Odin (Catherine Stoyan, 67) entdeckt den Toten bei ihrem morgendlichen Rundgang mit den Hunden und ist überzeugt, am Tatort ein Tier gesehen zu haben. Susanne Bonard (Harfouch) und Robert Karow (Waschke) übernehmen die Ermittlungen.
Der mögliche Wolfsangriff sorgt für Unruhe. Als die Ermittler den Wanderer Noah Farrell (Nils Kahnwald, 42) befragen, flieht er plötzlich und bricht kurz darauf ein Survivaltraining bei der Wildnislehrerin Dara Kimmerer (Anne Ratte-Polle, 51) ab. Während Staatsanwältin Taghavi (Jasmin Tabatabai, 58) wegen eines womöglich frei laufenden Wolfs Druck macht, klärt sich der Fall langsam anders: Die Bissspuren sind erst nach dem Tod entstanden - der Mann wurde ermordet.
Für Bonard ist es der letzte Fall vor dem Ruhestand. Spontan begleitet sie Dara Kimmerer in den Wald, während Karow die Ermittlungen in der Stadt vorantreibt. Kälte, Dunkelheit und fehlende Ausrüstung fordern Bonard heraus - und lassen sie zugleich über ihren bevorstehenden Abschied nachdenken. Parallel taucht das Ermittlerteam in das Milieu von Preppern ein, die sich auf ihre eigene Art auf das Ende vorbereiten.
Lohnt sich das Einschalten
Der Film setzt stark auf Stimmung und Bilder. Das geht so weit, dass die extrem dunkle Bildgestaltung zur Herausforderung wird: Teilweise starrt man minutenlang auf nahezu schwarze Einstellungen - zumindest dann, wenn man nicht bereit ist, an den Bildeinstellungen des Fernsehers oder Monitors nachzujustieren. Die Dunkelheit soll Atmosphäre erzeugen, wird aber stellenweise selbst zum Hindernis.
"Tatort: Gefahrengebiet" ist ein sehr künstlerischer, fast experimenteller Film, der sich bewusst vom klassischen Krimi verabschiedet. Wer Spannung, klare Dramaturgie und erzählerischen Drive sucht, dürfte hier schnell ungeduldig werden. Wer sich hingegen auf einen entschleunigten, symbolisch aufgeladenen Abschied einlassen möchte, findet einen "Tatort", der mehr fragt als beantwortet. Ob das der richtige Rahmen für den Abschied von Susanne Bonard ist, bleibt Geschmackssache. Sicher ist nur: Ein Knalleffekt sieht anders aus.