Kritik

"Tatort: Blind Date" aus Mainz in der AZ-Kritik: Sehnsucht nach Risiko

Eine blinde Zeugin trägt den Plot von "Blind Date", dem zweiten Mainzer-"Tatort" mit Heike Makatsch als Kriminalistin Ellen Berlinger. Spannend ist die ARD-Krimigeschichte nicht, aber sie fesselt. Denn: Der Zuschauer ist nah dran an der Sehnsucht einer Sehbehinderten nach einem selbstbestimmten Leben.
| Steffen Trunk
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Der "Tatort: Blind Date" aus Mainz läuft am 24. Oktober
Der "Tatort: Blind Date" aus Mainz läuft am 24. Oktober © SWR/Bettina Müller

Achtung, Spoiler! Diese TV-Kritik gibt mehr oder weniger konkrete Hinweise auf die Handlung des Mainz-"Tatort: Blind Date". Wenn Sie nichts verraten bekommen wollen, warten Sie mit der Lektüre des Textes, bis Sie den Film gesehen haben (Das Erste, 24.10.2021, 20.15 - 21.45 Uhr und in der ARD-Mediathek).


Dritter "Tatort"-Dreh für Heike Makatsch 

Im dritten "Tatort" ist Kommissarin Berlinger (Heike Makatsch) nach einem Tankstellen-Mord mit einer blinden Studentin als einzige Zeugin konfrontiert. Rosa (Henriette Nagel) liefert den Mainzer Ermittlern zwar Hinweise auf die Täter, hält aber auch Informationen zurück. Am Ende reicht Küchenpsychologie aus, um den Fall in "Blind Date" zu lösen, wobei die Zuschauer einen Wissensvorsprung vor Berlinger und Rascher (Sebastian Blomberg) haben.

Ermittler mit der blinden Zeugin überfordert

Was weiß die blinde Jura-Studentin Rosa wirklich, die am Tatort war, als der Tankwart erschossen wurde und 500 Euro aus der Kasse entnommen wurden? Das Ermittler-Team ist zunächst mit der sehbehinderten Zeugin überfordert. Das Polizei-Duo muss neue Wege gehen und sich auf Stimmen, Geräusche und Gerüche der Studentin verlassen.

Ellen Berlinger (Heike Makatsch) und Martin Rascher (Sebastian Blomberg) ermitteln im "Blind Date"-Tatort
Ellen Berlinger (Heike Makatsch) und Martin Rascher (Sebastian Blomberg) ermitteln im "Blind Date"-Tatort © SWR/Bettina Müller

Polizeischutz abgelehnt, aber Zeugin nicht in Todesgefahr

Als die junge Frau, die noch bei ihren überfürsorglichen Eltern wohnt, Polizeischutz ablehnt, will Rascher ihre Beschattung selbst in die Hand nehmen. Als alleinige Zeugin ist sie in Todesgefahr, meint er. 

Man fühlt sich an Bonnie und Clyde erinnert 

Das nächste Todesopfer wird Rosa aber nicht, wie schnell und ohne großen Spannungsbogen klar wird (Buch: Wolfgang Stauch, Regie: Ute Wieland). Das Überfallpärchen, das an Bonnie und Clyde erinnert, lernt der Krimi-Zuschauer schnell kennen, während die Ermittler noch nach der heißen Spur suchen. Die Studentin scheint etwas zu verbergen und in einer (intimen) Verbindung mit den Tätern zu stehen, vermuten Berlinger und Rascher.

Ein starker "Tatort", der den Sehnsüchten der blinden Zeugin nahekommt

Der Zuschauer des SWR-"Tatorts" ist da aber schon nah dran an den Sehnsüchten der blinden Studentin – ja auch an ihren innigsten Wünschen, fürchterlichsten Ängsten und den sexuellen Geheimnissen. Fesselnd ist die Frage, wie weit Rosa gehen wird. Sie hat die Seiten gewechselt. Wird sie für ein bisschen Adrenalin selbst zur Täterin? Spannend dagegen die Frage, die sich jeder stellen kann: Wo sind die Grenzen der Selbstverwirklichung zu ziehen? "Blind Date" ist deshalb stark, weil man mit der widersprüchlichen Figur samt Verlangen und Begehren mitfühlt.

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