Talk-Queen Bettina Tietjen: "Mein erster Einsatz war mit Jan Hofer"
Seit 35 Jahren ist "DAS! Rote Sofa" fester Bestandteil des NDR-Fernsehabends. Die erste Sendung lief am 2. Januar 1991, das Jubiläum feiert der Sender am 7. Februar um 20:15 Uhr mit der Dokumentation "35 Jahre DAS! - Ab aufs Rote Sofa" - eine unterhaltsame Zeitreise durch mehr als drei Jahrzehnte Fernsehgeschichte. Mit ihren Highlights aus dem Archiv bringt Autorin Antje Althoff das Moderationsteam Bettina Tietjen, Inka Schneider und Hinnerk Baumgarten zum Lachen und Staunen. Außerdem packt das Trio über unvergessliche Begegnungen, lustige Pannen und bewegende Momente aus.
Fast von Anfang an dabei prägt Bettina Tietjen mit ihrer Mischung aus Live-Spontaneität, norddeutschem Charme und Neugier auf Menschen bis heute das Gesicht der Sendung. Im Gespräch mit spot on news blickt die gebürtige Wuppertaler Talk-Queen zurück auf ihre ersten Sendungen sowie ihre bemerkenswertesten Gäste und verrät, was das "Rote Sofa" für sie bis heute so besonders macht.
Sie sind eine der bekanntesten deutschen Fernsehmoderatorinnen. Lassen sich Spontaneität und der Umgang mit Live-Situationen trainieren?
Bettina Tietjen: Ich glaube nicht, dass man das im klassischen Sinn trainieren kann. Mit der Zeit bekommt man einfach Routine. Nach so vielen Jahren - ich moderiere seit 1988 - denke ich gar nicht mehr über Kameras nach. Live zu sprechen, ist für mich selbstverständlich, fast wie ein normales Gespräch im Alltag.
Ist Spontaneität also eher eine Frage der Persönlichkeit?
Tietjen: Ja, das spielt sicher eine Rolle. Man sollte echtes Interesse an Menschen haben, sich gerne unterhalten und keine Angst vor Kameras haben. Es gibt Menschen, die sind vor der Kamera gehemmt. Das erlebe ich auch bei unseren Gästen. Und dann ist man dafür nicht so geeignet. Ich überlege nie, wie ich wirke - das wäre mir viel zu anstrengend. Ich bin einfach, wie ich bin. Das Wort "authentisch" ist ja in Mode, aber für mich ist das selbstverständlich.
Haben Sie spezielle Kurse oder Trainings besucht?
Tietjen: Nur am Anfang, im Volontariat beim RIAS Berlin und der Deutschen Welle. Da habe ich gelernt Radio- und Fernsehinterviews zu führen, frei zu sprechen usw. Später gab es hin und wieder Coachings, bei denen jemand meine Sendungen systematisch mit mir zusammen analysiert hat. Aber mein eigentlicher Einstieg war ein Sprung ins kalte Wasser: 1988 beim RIAS Berlin - von heute auf morgen live moderieren, zunächst im Radio und später dann täglich drei Stunden Frühstücksfernsehen. So lernt man am schnellsten.
Erinnern Sie sich an Ihre allererste "DAS!"-Sendung?
Tietjen: Ja, das war 1993, damals noch ohne "rotes Sofa". Es war eine Magazinsendung in einem kleinen Kellerstudio. Mein erster Einsatz war mit Jan Hofer als Nachrichtensprecher und Carlo von Tiedemann, der eine Tierauktion mit einem sehr lauten Beo Vogel machte. Der Vogel kreischte und schiss überall ins Studio - völlig verrückt, aber ich dachte: Hier bleibe ich!
Was waren Ihre größten Interview-Highlights?
Tietjen: Oh je, es gab so viele! Peter Ustinov, Roger Moore, Rosa von Praunheim, Lang Lang, Chris de Burgh, Maximilian Schell, Hildegard Knef, Evelyn Hamann- lauter tolle Begegnungen. Besonders gern erinnere ich mich an Loki Schmidt.
Gibt es Gäste, die Sie überrascht haben - positiv oder negativ?
Tietjen: Auf jeden Fall. Manchmal freut man sich sehr auf jemanden und ist dann enttäuscht. Umgekehrt passiert es oft, dass ich mir weniger erwarte und das Gespräch dann großartig wird. Wichtig ist, sich ganz auf den Gast einzulassen - für mich ist er oder sie in dem Moment der wichtigste Mensch der Welt.
Wen würden Sie aktuell gern auf dem roten Sofa sehen?
Tietjen: Aktuell fände ich politische Gäste spannend - unseren Bundeskanzler, Emmanuel Macron, Boris Pistorius oder Ursula von der Leyen. Menschen, die gerade wichtige Entscheidungen treffen. Aber die haben leider keine Zeit fürs Rote Sofa.
Zum Jubiläum gibt es die Dokumentation "35 Jahre DAS! - Ab aufs Rote Sofa". Was hat Sie beim Rückblick überrascht?
Tietjen: Wie sehr man sich verändert - äußerlich und innerlich. Früher war man unbefangener, hat einfach gefragt, ohne dauernd über politische Korrektheit oder mögliche Social-Media-Reaktionen nachzudenken. Diese Leichtigkeit vermisse ich manchmal.
Hat sich auch der Humor verändert?
Tietjen: Ja, definitiv. Dinge, über die man vor 20 Jahren lachte, wirken heute oft unpassend. Andererseits ist Fernsehen auch lockerer geworden. Wenn ich mir alte Aufnahmen anschaue, denke ich: Wahnsinn, wie korrekt und kerzengerade wir da saßen. Und dieses maskenhafte Make-up und die toupierten Haare.
Welche witzigen oder peinlichen Momente werden Sie nie vergessen?
Tietjen: Viele! Zum Beispiel Peter Maffay - er ist ungefähr einen Kopf kleiner als ich, und als wir zusammen mit der Harley aus der Sendung fuhren, lag meine Brust praktisch auf seinem Helm. Oder der HSV-Fußballstar Manni Kaltz, von dem ich vor dem Interview gelesen hatte, dass er den Spitznamen "der Schweiger" hat. Und dann saß er da und hat tatsächlich immer nur ein, zwei Worte geantwortet. Ich habe Blut und Wasser geschwitzt, weil ich irgendwann nicht mehr wusste, was ich noch fragen soll, weil ich ja vom Fußball so wenig verstehe. Ich habe gedacht, die Sendung geht nie rum. Heute kann ich drüber lachen.
Wer hat Sie besonders gerührt?
Tietjen: Rio Reiser. Kurz vor seinem Tod war er noch einmal da. Ein ganz besonderer Mensch. Er hatte seinen Hund dabei und hat ihm immer Klettern aus dem Fell gepflückt und am Ende ist er zum Flügel gegangen und hat "am Brunnen vor dem Tore" gesungen. Sein Autogramm hängt bis heute an meiner Pinnwand.
Wer hängt sonst dort?
Tietjen: Nicht viele: die sehr junge Verona Pooth - damals hieß sie noch Feldbusch -, Jeff Goldblum und mein absoluter Liebling Jan Fedder.
Und zum Schluss: Warum lieben Sie "Das rote Sofa" bis heute?
Tietjen: Weil die Sendung so vielfältig ist: von Spitzenpolitik bis Showbiz, von Wissenschaft bis Schlager. Neulich haben wir eine Sondersendung über Grönland gemacht - auch das kann unsere Redaktion aus dem Boden stampfen. Kein Abend ist wie der andere und genau das fasziniert mich seit 35 Jahren.
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