Take That sprechen im ZDF über tiefe Krise: "Sechs Jahre hatten wir alles, dann plötzlich nichts mehr"

"Wir waren jung, naiv und zu allem bereit." Mark Owen ist 54 Jahre alt und somit der jüngste der verbliebenen drei Mitglieder von Take That. Gary Barlow ist 55, Howard Donald 58. Heute stehen sie zu ihrem Alter. Damals, 1990, als sie vom ehrgeizigen Manager Nigel Martin-Smith zur Boyband-Sensation gecastet und getrieben wurden, mussten sie sich noch jünger schummeln, um die Teenie-Mädchen nicht zu verschrecken.
Jetzt blicken sie selbst ein bisschen ungläubig auf ihre Karriere zurück: "Wo sind nur die 35 Jahre geblieben?", seufzt Gary im Interview mit Salwa Houmsi für den Sonderbeitrag des ZDF-Kulturmagazins "aspekte", der am Freitag (30. Oktober) gesendet wurde. In "Take That: Wie überlebt man als Boygroup?" will die Moderatorin mit dem Trio klären, warum es noch immer die Fan-Massen begeistert.
Und vor allem, wie es die große Krise ab Mitte der 90er-Jahre überlebte. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen. Howard Donald gab zu, dass er sich damals, als sich die Band 1996, ein paar Monate nach dem Ausstieg von Robbie Williams, ganz auflöste, mit sehr konkreten Suizidgedanken beschäftigt hatte.
Jetzt sagt er im Interview am Rande der Pre-Listening-Party des neuen Albums "Dreamers" (erscheint am 20. November) für ein paar 100 Fans im Zoo Palast in Berlin: "Wir trennten uns auf dem Höhepunkt des Erfolgs. Sechs Jahre hatten wir alles, dann plötzlich nichts mehr. Es war doch alles, was wir kannten und konnten", sagt er. "Es war eine harte Zeit."
Mark Owen sah sich vor ungewohnten Alltagsproblemen. "Ich kam heim und die ganzen Leute, die früher da vor dem Haus gecampt hatten, waren nicht mehr da. Und ich musste herausfinden, wie eine Waschmaschine funktioniert."
Schlimm war es auch für den Hauptsongwriter Gary Barlow. "Ich habe mit zehn ein Keyboard geschenkt bekommen. Seither spielte ich quasi pausenlos täglich zwölf Stunden, ich machte Musik, ich schrieb Musik, ich stand auf Bühnen." Aber: "Dann gab es keinen Grund mehr, Musik zu machen. Mehr noch: Zwei Jahre lang war die Musik mein Feind."
Mark Owen: "Wir sind erst berühmt geworden, als wir uns etwas angezogen haben"
Das ist vorbei. Weil man 2005 wieder zueinander fand. Erst zu viert mit Jason Orange (56), dann, 2010, sogar für ein Album ("Progress") und eine fulminante Tournee wieder mit Robbie Williams (52). Barlow: "Die Trennung war nötig für das spätere Comeback, weil sie uns die Chance gab, unsere Leben zu leben - auch wenn es hart war. Aber als wir wieder zusammen kamen, war es richtig. Jeder hat es gewollt und gebraucht."
Die Fans sind da. Viele neue, die Take That erst in "Phase Zwei" kennenlernten, aber eben auch viele aus den Gründertagen Anfang der 90er. Viele von ihnen litten und mussten an Seelsorgetelefonen betreut werden, als 1996 die Nachricht von der Trennung kam. Jetzt stehen sie wieder felsenfest loyal zur Band. Viele aus emotionalem Antrieb: "Take That haben mir durch schwierige Zeiten geholfen", sagt eine Frau im Zoo-Palast.
Die Tage der eingeölten Oberkörper sind vorbei. Die zeigten sie nicht nur im allerersten Video "Do What You Like", als ihnen sogar Marmelade und Sahne auf die Pobacken geschmiert wurde. Heute lachen sie drüber. Owen: "Wir machen immer Witze darüber, dass wir erst berühmt wurden, als wir uns was angezogen haben." Denn die erste Single floppte.
Gary Barlow: "Wir fangen gerade erst an"
Flops? Kennen Take That seit der Reunion 2005 nicht. Insgesamt haben sie bisher fast 50 Millionen Tonträger verkauft. Die Fans in Berlin singen schon die neuen Songs, unter anderem die Single "Feel My Love" mit Duettpartner Michael Patrick Kelly, textsicher mit. Für die Europa-Tournee im nächsten Jahr mit 31 Konzerten in 16 Ländern werden die Tickets schon knapp.
Und danach? Denken die Männer ans Aufhören? Barlow lacht: "Wir fangen gerade erst an. Wie alt ist Mick Jagger? 83? Wir haben noch viel Zeit."