So wird der Jubiläums-„Tatort“ aus Kiel

Ein Psychothriller zum Geburtstag: Zu seinem zehnjährigen „Tatort“-Jubiläum löst der Kieler Hauptkommissar Borowski alias Axel Milberg einen Fall zwischen Realität und Fantasiewelt. 
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So spielten sie im vergangenen Tatort zusammen: Axel Milberg als Klaus Borowski und Sibel Kekili als Sarah Brandt.
NDR / Marion von der Mehden So spielten sie im vergangenen Tatort zusammen: Axel Milberg als Klaus Borowski und Sibel Kekili als Sarah Brandt.

Ein Psychothriller zum Geburtstag: Zu seinem zehnjährigen „Tatort“-Jubiläum löst der Kieler Hauptkommissar Klaus Borowski alias Axel Milberg einen Fall zwischen Realität und Fantasiewelt – wieder unterstützt von Sibel Kekilli als Kommissarin Sarah Brandt.

Kiel – „Warum morden wir nicht?“ In einer Vorlesung vor Polizeischülern philosophiert der Kieler „Tatort“-Hauptkommissar Klaus Borowski alias Axel Milberg über das Böse, warum Verbrechen trotz Erziehung und Zivilisation dann doch geschehen – oft ungewollt und kaum erklärbar. In der Jubiläumsepisode „Borowski und der Engel“ zum Zehnjährigen von Milberg als Fernsehkommissar geht es um einen Fall, in der eine auf den ersten Blick sympathische junge Altenpflegerin immer mehr in Verbrechen abgleitet.

Ein klassischer „Todesengel“, der wegen Überforderung Patienten tötet, ist die attraktive Sabrina Dobisch (facettenreich: Lavinia Wilson) aber keinesfalls. Darum geht es in diesem „Tatort“ nicht. Dobisch ist eine Frau zwischen nüchterner Realität und Wunschwelt. Professionell, besser: abgestumpft betreut sie einen Alten in dessen Haus. Als dieser im Sterben liegt und um Hilfe wimmert, stellt Dobisch einfach den Fernseher lauter, um einen alten Liebesfilm mit Walzerklängen weiter zu sehen.

Gern sieht sie Hollywoodfilme aus der guten alten Zeit wie „Vom Winde verweht“. Mit dem Tod des Alten beginnt die eigentliche Handlung: Die Altenpflegerin hübscht sich beim Friseur auf, schminkt den Mund, trägt Sonnenbrille und ein unschuldiges gepunktetes Sommerkleid im 1950er-Jahre-Stil. Die Katze des Toten will sie loswerden, sie tritt das Tier auf die Straße, ein ausweichendes Auto rast in einen Blumenladen. Ein junger Mann stirbt, die Autofahrerin überlebt verletzt.

„Sie wollte mich töten“, zitiert die Altenpflegerin die angeblich letzten Worte des getöten jungen Mannes über die Unfallfahrerin. In den Ermittlungen spielt der vermeintliche Mordfall weniger eine Rolle als das Psychogramm der Altenpflegerin. Sie genießt zunehmend die Aufmerksamkeit und Dankbarkeit für ihre mutige Erste Hilfe am Unfallort und dringt immer mehr in die Lebenswelt des Unfallopfers - eines jungen Pianisten aus Bankiersfamilie – ein.

So scheint sich ihr ein neues reales Leben wie in einem Hollywood-Liebesfilm zu erschließen. Jeder, der ihr unerwartetes Wunschleben gefährden könnte, lebt nun gefährlich. Der „Tatort“ weckt Assoziationen an den märchenhaften Liebesfilm „Die fabelhafte Welt der Amélie“ (2001) von Jean-Pierre Jenet, nur gewendet in einen Krimi mit einer psychisch entrückten Altenpflegerin.

Hauptkommissar Borowski und Kommissarin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) ermitteln, wie es die inzwischen meist neun Millionen Zuschauer kennen- und liebengelernt haben: Humorvoll, mit unterschiedlichen Temperamenten, auch nebeneinander her, sich kabbelnd. „Arbeiten wir heute miteinander oder gegeneinander?“ fragt Brandt den Kollegen.

Und spöttisch-triumphierend konfrontiert sie Borowski damit, einen Zettel mit seiner Telefonnummer im Wohnzimmer der inzwischen abgetauchten Unfallfahrerin gefunden zu haben. Borowski, der Frauen mag, hatte sich abends mit ihr Treffen wollen. Dienstlich?

Feiner Humor bricht immer wieder dramatische Zuspitzungen, etwa wenn jemand auf der Straße Borowski einen Euro in den leeren Kaffee-Pappbecher wirft. Oder wenn Borowski erwischt wird, wie er in einem fremden Kühlschrank stöbert und nur trocken meint: „Eier fehlen“. Als sich Borowskis Chef während eines Telefonats aus Versehen mit einer mutmaßlichen Tatwaffe in den Fuß schießt, fragt Borowski – ohne die Stimme überhaupt zu heben – unaufgeregt: „Ist was passiert?“

Zu den herausragenden Schauspielern gehören auch Leslie Malton als Unfallfahrerin und – besonders beeindruckend intensiv – Bruno Cathomas, der den Musiklehrer und Geliebten des ums Leben gekommenen jungen Pianisten spielt.

Schleswig-Holstein früherer Ministerpräsident Peter Harry Carstensen lobt im ARD-Jubiläumsheft Borowski als „tollen Botschafter Schleswig-Holsteins, denn er ist in gewisser Weise typisch norddeutsch – etwas dröge und schrullig, aber dabei fidel.“ Milberg bringe als Borowski den Menschen in ganz Deutschland Land und Leute in Schleswig-Holstein näher.

 

 

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