So war der ARD-Tatort "Melinda": Die AZ-Kritik

Die ersten zehn Minuten sind hilfloser Klamauk. Stellbrink nervt und nichts an diesem Tatort ist glaubwürdig. Die AZ-Kritik über den ARD-Tatort "Melinda" mit Devid Striesow.
| Volker Isfort
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
Szenen aus dem ARD-Tatort "Der Fall Melinda" mit Devid Striesow
ARD/SR Szenen aus dem ARD-Tatort "Der Fall Melinda" mit Devid Striesow

"Auserzählt“, hieß es beim Saarländischen Rundfunk seien die Fälle mit Maximilian Brückner und Gregor Weber, die gemeinsam nur sechs Jahre ermitteln durften. Eine seltsame Begründung, schließlich haben Kollegen in München oder Ludwigshafen schon Jahrzehnte und weit über 50 Fälle auf dem Buckel.

Aber der kleine Sender wollte offenbar unbedingt Devid Striesow, wogegen im Prinzip wenig spricht. Im Jubel über die Verpflichtung muss allerdings das Drehbuch verloren gegangen sein, denn die ersten zehn Minuten von seinem Debüt „Der Fall Melinda“ gehören zum hilflosesten Klamauk der jüngeren „Tatort“-Geschichte.

Skurril in Großbuchstaben inszeniert Hannu Salonen die von Lars Montag und Dirk Kämper erdachte Geschichte um ein rätselhaftes Mädchen, das von angeblichen afrikanischen Diplomaten gejagt wird. Aber wie soll man einen Kriminalfall überhaupt ernst nehmen, wenn der Kommissar in kurzer Hose und Gummistiefel durch den Baumarkt tigert und sich ein quälend langes Duell um den Erwerb einer Klobürste liefert?

Der Saarbrücker Neuankömmling Jens Stellbrink (Striesow) wohnt in einer alten Wetterstation, liebt Reggae und Yoga und ist in seinem Anderssein so konzipiert als gelte es, die Münsteraner Quotenkönige Frank Thiel (Axel Prahl) und Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) in allen Freakdisziplinen um Längen zu schlagen. Speist sich der (auch schon leidlich ausgeweidete) Witz des Münsteraner „Tatorts“ meist aus der Ironisierung bekannter Charakterzüge, so ist Stellbrink schlichtweg ein Alien. Er nervt und nichts an diesem Kommissar in einem atmosphärisch völlig unausgewogenen „Tatort“ kommt auch nur in die Nähe der Glaubwürdigkeit.

Lisa Marx (Elisabeth Brück) als harte Seite des Yoga-Kommissars komplettiert das Comic-hafte Ermittlerteam. Man hätte es nie gedacht, aber nach diesen 90 Minuten überfällt einen die Sehnsucht nach Jochen Senf, dessen höchste Verschrobenheit darin bestand als Kommissar Max Palu mit dem Fahrrad durch Saarbrücken zu kurven.

 

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren