"Serial Cleaner": Aylin Tezel über schlaflose Nächte nach dem Dreh

In der Crime-Serie "Serial Cleaner" gerät Aylin Tezel als verzweifelte Mutter in die Fänge einer kriminellen Familie. Die Anspannung ihrer Figur ließ die Schauspielerin auch nach Drehschluss nicht los.
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Aylin Tezel putzt in "Serial Cleaner" Tatorte.
Aylin Tezel putzt in "Serial Cleaner" Tatorte. © ZDF / Katia Wik / Serviceplan

Aylin Tezel (42) hat ihre neue Rolle auch nach Drehschluss nicht so schnell losgelassen. In der ZDF-Serie "Serial Cleaner" spielt sie Teri Marquard, eine Mutter, die ständig mit dem nächsten Notfall rechnet. Diese permanente Anspannung habe sie während der Dreharbeiten selbst zu spüren bekommen, erzählt die Schauspielerin im Interview mit dem Sender: Immer wieder habe sie Probleme gehabt, abends zur Ruhe zu kommen und einzuschlafen.

Bei der Vorbereitung auf ihre Figur habe sie sich intensiv mit Teris ständiger Alarmbereitschaft beschäftigt - offenbar mit Folgen über den Dreh hinaus. "So gesehen hat mein Körper also oft noch weitergearbeitet, wenn der Rest von mir schon Feierabend hatte."

Der Grund für Teris ständige Alarmbereitschaft ist ihre immunkranke Tochter Luca (Hanna Heckt), deren kostspielige Therapie sie finanzieren muss. Als Teri bei ihrer Arbeit als Reinigungskraft im Luxushotel des Unternehmers Vincent Karanz (Stefan Gorski) Zeugin eines Mordes wird, gerät sie selbst in Lebensgefahr. Um sich zu retten, bietet sie an, den Tatort zu säubern. Aus dem zunächst einmaligen Deal entwickelt sich ein Nebenjob, mit dem sie fortan Lucas Behandlung bezahlt.

Alle sechs Folgen sind bereits im ZDF-Streaming-Portal abrufbar. ZDFneo zeigt die Serie ab Mittwoch, 30. September, an drei aufeinanderfolgenden Mittwochen mit jeweils zwei Folgen ab 21:45 Uhr.

Die Rolle endet nicht mit dem Drehschluss

Gedanklich könne sie ihre Figuren nach Drehschluss gut hinter sich lassen, erzählt Tezel. Körperlich wirkten manche Rollen jedoch länger nach. Bei der ZDFneo-Serie "Unbroken" habe sie abends noch den beschleunigten Herzschlag ihrer Figur Alex gespürt. Für "Der Russe ist einer, der Birken liebt" lernte sie ein russisches Schlaflied, das sie anschließend immer wieder unbewusst vor sich hin sang.

Bei Teri ist es die ständige Anspannung, die Tezel auch körperlich begleitet hat. Sie beschreibt ihre Figur als eine Frau, die sich keine Schwäche erlauben kann. "Sie funktioniert, weil sie es muss, weil sonst ihr Kind stirbt." Hinzu kommt der frühe Verlust ihrer Eltern bei einem Unfall. Die dadurch erfahrene Ohnmacht treibe Teri unbewusst an, erklärt Tezel. "Natürlich ist Kontrolle eine Illusion, aber dieser Wahrheit kann Teri sich nicht beugen." Je mehr Hilfe Luca benötigt, desto weiter überschreitet ihre Mutter schließlich die eigenen Grenzen - und gerät immer tiefer in eine kriminelle Welt.

Was Teri und Vincent verbindet

Dass sich zwischen Teri und ihrem gefährlichen Auftraggeber Vincent Gefühle entwickeln, führt Tezel auf eine entscheidende Gemeinsamkeit zurück: Beide hätten ihr Leben dem Wohl ihrer Familie untergeordnet und außerhalb davon kaum Halt gefunden. "In dieser inneren Einsamkeit begegnen und erkennen sie sich." Hinter Vincents anerzogener Härte verberge sich zudem die Sehnsucht nach einem anderen Leben.

Ob Teri ihre Entscheidungen im Rückblick noch einmal genauso treffen würde? "Für mich bleibt diese Frage offen; sie gehört der Figur, nicht mir als Darstellerin", erklärt Tezel.

Rick Okon genießt die "Narrenfreiheit"

Deutlich weniger Skrupel hat Vincents Stiefbruder Christian Karanz, gespielt von Rick Okon (37). Christian will das Familienimperium übernehmen und geht dafür über Leichen. "Er ist jemand, der zwischen kindlicher Abhängigkeit und rücksichtsloser Aggression schwankt. Schuld und Zweifel sind ihm hingegen fremd", sagt Okon im ZDF-Interview.

Für Tezel und Okon bedeutet "Serial Cleaner" zugleich ein Wiedersehen vor der Kamera. Von 2018 bis 2020 ermittelten sie gemeinsam im Dortmunder "Tatort". Nun treffen sie unter völlig anderen Vorzeichen aufeinander: In "Serial Cleaner" stehen ihre Figuren auf unterschiedlichen Seiten des Gesetzes.

Die skrupellose Rolle hat Okon dabei offenbar großen Spaß gemacht. "Ich sag' wie es ist: Herrlich war das!" Von Maske und Kostüm bis hin zu kleinen Improvisationen habe er viele Möglichkeiten gehabt, sich auszuprobieren. Dabei sei es auch darum gegangen, auszuloten, wie weit er mit Christian gehen könne. Privat könne er dessen Handlungen nicht nachvollziehen, betont Okon. Als Schauspieler müsse man die eigene Figur beim Dreh jedoch immer ein Stück weit verteidigen: "Und in solchen Momenten musste ich schon Verständnis aufbringen."

Vorlage aus Argentinien

"Serial Cleaner" basiert auf der argentinischen Serie "La chica que limpia", die in den USA bereits als "The Cleaning Lady" adaptiert wurde.

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