Rosalie Thomass in der Anderwelt
Gut, dass man die beiden ersten Filme der 2024 vom Stapel gelaufenen Mystery-Reihe "Wäldern" an zwei Mittwochen im September noch mal im Ersten (oder in der ARD-Mediathek) sehen konnte. Sonst wäre man von der Handlung des dritten Films "Wäldern - Der lebende Tote" (seit Mittwoch, 4. November, ARD-Mediathek) wohl überfordert gewesen. Oder, um es anders zu formulieren: Die unheimliche Geschichte aus dem seltsamen Städtchen Wäldern im Bergischen Land ist eigentlich eine fortlaufend erzählte Serie: Musiklehrerin Lara Glanz (Rosalie Thomass) sucht immer noch nach Magda, ihrer spurlos verschwundenen Nichte. Doch ihr läuft die Zeit davon: Ihre Schwester Greta (Narges Rashidi) ist aus dem Gefängnis ausgebrochen. Lara muss sie aufspüren, bevor die Polizei sie zu fassen bekommt.
In Wäldern nutzen derweil dunkle Mächte aus der "Anderwelt" die Risse zwischen den Welten immer ungenierter für ihre Zwecke. Lara und Greta stoßen auf tiefere Erkenntnisse ihrer Familiengeschichte und begreifen allmählich, dass Magda nicht einfach verschwunden ist, sondern vor einer gewaltigen Aufgabe steht. Wegweiser dafür finden die Schwestern in der eigenen Welt ebenso wie in der Anderwelt, wo ihnen ihr verstorbener Vater Otto (Sven-Eric Bechtolf) zur Seite steht. Jeder Kontakt in die Parallelwelt öffnet Türen für Kräfte, die sich gegen sie richten könnten. Ingrid (Marita Breuer), Bibliothekarin in Wäldern, muss in der Anderwelt einen Posten übernehmen, um Magda dort beizustehen. Unterstützt werden die Wäldern-Kämpfer wie in den ersten beiden Filmen von Heilerin Dorothea (Sabine Vitua) und dem betagten Professor Rudolf (Peter Franke). Ob Film vier die Geschichte zu einem Ende bringt? Man wird es wohl in "Wäldern - Das reine Herz" (Mittwoch, 18. November, 20.15 Uhr, Das Erste, oder bereits ab 4. November, ARD-Mediathek) erfahren.
Rosalie Thomass im Herbst 2026 auf Top-Level
Mit "Wäldern" agieren der WDR und die Schöpfer Martin Simons (Buch) und Till Franzen (Buch und Regie) ein wenig atypisch zum Serientrend der vergangenen Jahre. Was früher ein TV-Mehrteiler mit zwei bis vier 90-Minütern war, wird seit einigen Jahren gerne als Miniserie mit kürzer geschnittenen Episoden veröffentlicht. Idealerweise sollte man in einer fortlaufenden Geschichte auch nicht zwei Jahre Pause zwischen Film drei und vier einlegen. Festzuhalten bleibt: Wen die aus vielen gängigen Mystery-Plots zusammengeklöppelte Reihe mit den unheimlichen deutschen Provinzbildern interessiert, sollte mit Teil eins einsteigen, um die Handlung zu kapieren. An den Qualitäten, aber auch den Problemen der Erzählung hat sich zwischen 2024 und 2026 übrigens wenig verändert: Trotz einer starken Darsteller-Riege und stimmungsvoll dunkler Provinz-Stimmung krankt das Ganze an zu vielen Grusel-Klischees und der fehlenden Originalität der Geschichte.
Hauptdarstellerin Rosalie Thomass bewegt sich in diesem Herbst auf absolutem Top-Level. Gerade feierte die 39-Jährige ihr Debüt als neue Kommissarin im Franken-"Tatort: Gottesgarten" an der Seite von Fabian Hinrichs. Auch im Kinofilm "Lügen über meine Mutter" war sie zu sehen. Ein Film, für den sie auch das Drehbuch nach dem gleichnamigen Roman von Daniela Dröscher schrieb. "Lügen über meine Mutter" zeigt den Befreiungskampf einer Frau in der westdeutschen Provinz der 80-er, deren Ehemann ihr angebliches Übergewicht für all seine Misserfolge verantwortlich macht. Manchmal leidet man in der Provinz eben auch ganz ohne Anderwelt.
Wäldern - Der lebende Tote - Mi. 11.11. - ARD: 20.15 Uhr
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