Rockstar-Ermittler sucht Armbrust-Mörder

In "Der Geier - Blut und Zweifel", dem dritten ZDF-Krimi mit Philipp Hochmair als Lukas Geier, wird eine Saisonkraft von dessen Freundin und Hotelchefin Lara Schnee (Patricia Aulitzky) in den Bergen oberhalb von Bad Gastein tot aufgefunden. Für Geier trägt der Mord eine beunruhigend vertraute Handschrift: Er erinnert an eine nie aufgeklärte Bluttat aus dem früheren Umfeld von Martin Kogler (Robert Stadlober). Geier hatte dem früheren Chirurgen und heutigen Wanderführer eine neue Identität verschafft, mit der er sich in Bad Gastein ein neues Leben aufbauen konnte. Als es zu einem zweiten Mord kommt, richtet sich der Verdacht der Ermittler um Franziska Conte (Julia Koch) zunehmend gegen Kogler. Geier will die Unschuld seines Schützlings beweisen und forscht auf eigene Faust weiter, immer einen Schritt vor oder hinter Kriminalinspektorin Conte. Dabei muss sich Geier fragen, ob er damals den Falschen geschützt hat oder ob das eigentliche Motiv übersehen wurde. "Der Geier - Blut und Zweifel" ist bereits ab 24. Oktober in der ZDF-Mediathek abrufbar.
Die ersten beiden Geier-Filme, "Die Tote mit dem falschen Leben" (2024) und "Freund oder Feind" (2025), erzielten Top-Quoten und erreichten jeweils fünf bis sechs Millionen Zuschauer. Beide beruhten auf den "Lago-Maggiore-Krimis" von Andrea Di Stefano. Hinter dem Pseudonym verbergen sich die Brüder Andreas und Stephan Lebert. Weil der ZDF-Krimi eine Koproduktion mit dem österreichischen Fernsehen darstellt, verlegte man die Handlung vom norditalienischen See-Idyll in die nicht minder attraktive Bergwelt des mondän-morbiden Kurortes Bad Gastein.
Tiefenpsychologie aus der Krimi-Hölle
Da bislang erst zwei Lago-Maggiore-Krimis der Lebert-Brüder existieren, musste der dritte Film wie auch ein geplanter vierter mit dem Arbeitstitel "Schattengeld" per Original-Drehbuch vom Stapel laufen. Timo Berndt schrieb es, Florian Baxmeyer führte Regie. Wer realistische Krimi-Settings und Figuren sucht, ist bei "Der Geier" fehl am Platze. Hier ist alles auf Natur und schöne Bergbilder gebürstet, in denen sich Larger-than-Life-Charaktere durch einen psychologisch nur grob zusammengetackerten Plot bewegen.
Die größte Behauptung der Erfolgs-Reihe, gleichzeitig aber auch ihre Stärke, ist der schillernde Ermittler selbst. Allein wie der Fall beginnt, spricht Bände: Lukas Geier, dessen Backstory so aussieht, dass er früher als Polizist neue Leben für Verfolgte im Zeugenschutzprogramm erschuf und sich nach einem One-Hit-Wonder zum Rockstar-Bohemien veränderte, fährt noch im vollen Bühnen-Outfit von einer rauschenden Konzertnacht heim in seine einsame Berghütte. Dabei gerät er in die Ermittlungen des Armbrust-Mordes und wird wegen seiner widerborstigen Nonchalance und düsteren Optik verhaftet.
Noch ein roter Faden der bisherigen Filme: Lukas Geier, Typ: bindungsscheues "Manchild" kurz vor der Midlife-Crisis, steht zwischen zwei attraktiven Frauen. Zum einen ist da Ermittlerin Conte, die er erst durch die Fälle kennenlernte, und zum anderen Hotel-Betreiberin Lara Schnee, mit der ihn eine lange Geschichte verbindet. Die Stärke der Reihe ist Lukas Geiers Exaltiertheit, die zu verkörpern Ausnahme-Schauspieler Philipp Hochmair sichtlich Spaß bereitet. Auch die übrigen Rollen werden überzeugend gespielt, und die Bilder des Krimis sind von fotografisch (Kamera: Eva Testor) hohem Wert. Wer mit den Schwächen des Formats leben kann - wenig schlüssige Fälle und Tiefenpsychologie aus der Krimi-Hölle -, dürfte auch beim dritten Geier-Film viel Spaß haben.
Der Geier - Blut und Zweifel - Mo. 02.11. - ZDF: 20.15 Uhr