Psychologe, Magier, Ermittler: Fritz Karl bricht Krimi-Klischees

Endlich ein Ermittler ohne Grant: In "Der Salzburg-Krimi" spielt Fritz Karl einen charmanten Kriminalpsychologen, der mit Zaubertricks und Empathie statt mit schlechter Laune ermittelt. Zum Start der neuen ARD-Reihe verrät der Schauspieler, warum diese Figur so besonders ist.
von  (ili/spot)
"Der Salzburg-Krimi" startet mit "Tod am Wolfgangsee". Ganz rechts im Bild ist das Drama schon zu erahnen - Hauptkommissarin Anna Grünwald (Lisa Schützenberger) und ihr Kollege Kevin Ganslinger (Franz Josef Danner, r.) ziehen den Kriminalpsychologen Thomas Meiberger (Fritz Karl) zu Rate.
"Der Salzburg-Krimi" startet mit "Tod am Wolfgangsee". Ganz rechts im Bild ist das Drama schon zu erahnen - Hauptkommissarin Anna Grünwald (Lisa Schützenberger) und ihr Kollege Kevin Ganslinger (Franz Josef Danner, r.) ziehen den Kriminalpsychologen Thomas Meiberger (Fritz Karl) zu Rate. © ARD Degeto/Programmplanung und P

Grantige Kommissare mit Alkoholproblem, zerrütteten Ehen und Dauerfrust auf die Welt - davon hat das deutsche Fernsehen wahrlich genug. Die neue ARD-Krimireihe "Der Salzburg-Krimi" schlägt am Donnerstag (26. Februar, 20:15 Uhr, Das Erste) erfrischend andere Töne an. Der österreichische Schauspieler Fritz Karl (58) verkörpert darin den Kriminalpsychologen Thomas Meiberger, der seinen Fällen mit einer ungewöhnlichen Mischung aus forensischer Analyse, psychologischem Feingefühl und - tatsächlich - kleinen Zaubertricks zu Leibe rückt.

"Dieser Ermittler ist nicht so dramatisch vom Leben gezeichnet wie viele andere Kommissare", sagt Karl im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news. "Auch der Umgang mit der jungen Hauptkommissarin Anna Grünwald ist nicht von Konkurrenzdenken oder Machtgerangel geprägt. Einzig mit seinem Liebesleben hat Meiberger ein paar Probleme..."

Ein Ermittler zwischen Zauberei und Psychologie

Die Figur basiert auf einem realen Salzburger Gerichtspsychologen und Hobby-Magier, der in den ersten Staffeln der österreichischen Vorgängerserie sogar als Fachberater am Set stand. "Er war jeden Tag am Set und hat mir erklärt, wie man solche Vernehmungen führt", erzählt Karl. "Außerdem habe ich viel Literatur von ihm bekommen. Darüber hinaus haben wir zusammen Zauberkunststücke einstudiert."

Denn das Zaubern ist für Meiberger weit mehr als ein nettes Hobby. Er nutzt seine Tricks gezielt, um Verdächtige aus der Reserve zu locken, Reaktionen zu testen oder Vertrauen aufzubauen. In Kombination mit seiner Fähigkeit, sich tief in die Gedankenwelt von Tätern hineinzuversetzen, ergibt das eine spannende Mischung - einen Ermittler, der warmherzig, leicht exzentrisch und analytisch zugleich agiert.

Ritualmord am Wolfgangsee

Der erste Film "Tod am Wolfgangsee" beginnt mit einem Schock: Der Sohn eines einflussreichen Landtagsabgeordneten (Gregor Bloéb) wird kopfüber gekreuzigt am Mast eines Segelbootes gefunden - inszeniert wie der Heilige Petrus in kirchlichen Darstellungen. Um einen Skandal zu vermeiden, drängt der Politiker darauf, dass sein Vertrauter Meiberger die Ermittlungen von Hauptkommissarin Anna Grünwald (Lisa Schützenberger) und ihrem Kollegen Kevin Ganslinger (Franz Josef Danner) begleitet. Was die drei aufdecken, geht weit über einen einzelnen Mord hinaus: Der ermordete Medizinstudent führte ein gut getarntes Doppelleben, und bald geschehen weitere rätselhafte Todesfälle...

Bereits eine Woche später, am 5. März (20:15 Uhr, Das Erste), folgt der zweite Film "Am seidenen Faden", ein Psychothriller, in dem ein Entführer den Entführungsort mit detailgetreuen Marionetten seiner Opfer kennzeichnet und codierte Botschaften versendet. In einer Episodenrolle überzeugt Jan Georg Schütte als geheimnisvoller Täter, dessen Motiv zu einem fatalen Trauma führt. Beide Filme sind bereits in der ARD Mediathek abrufbar.

Vom Drehbuchautor zum Hauptdarsteller

Was "Der Salzburg-Krimi" von vielen Krimireihen unterscheidet: Fritz Karl hat das Drehbuch zum ersten Film selbst geschrieben. "Ich habe in meinem Leben schon sehr viele Drehbücher gelesen, gute und schlechte, und wollte das einfach einmal ausprobieren", verrät er. "Ich schlug den Produzenten vor, dass ich auf eigenes Risiko ein Drehbuch schreibe und sie danach entscheiden können, ob es verfilmt wird. Als es fertig war, habe ich es abgegeben - und sie waren begeistert." Gemeinsam mit Regisseur Till Franzen entstand dann die Regiefassung. "Danach habe ich mich nicht mehr eingemischt, denn Drehbuch und fertiger Film sind einfach zwei Paar Schuhe."

In Österreich kennt man Meiberger übrigens schon länger: Zwischen 2018 und 2020 liefen dort drei Staffeln der Serie "Meiberger - Im Kopf des Täters" bei ServusTV, gefolgt von einem 90-Minüter. Die beiden neuen Filme markieren nun den Start der Reihe im deutschen Fernsehen. "Ich bin gespannt, wie es weitergeht - dieses Jahr werden wir noch einen Fall drehen", kündigt Karl an.

Salzburg als mystische Krimikulisse

Dass Salzburg bereits seit 2016 mit der ZDF-Reihe "Die Toten von Salzburg" prominent platziert ist, sieht Karl gelassen - und als "ganz klar bereichernde Vielfalt". Die Krimireihen unterschieden sich deutlich: "Bei uns wird eine ganz andere Tonart angeschlagen. 'Die Toten von Salzburg' spielen oft im Sommer, bei uns ist es mystischer." Statt saftig grüner Wiesen zeigt "Der Salzburg-Krimi" die dunkleren Seiten des Salzkammerguts. Karl vergleicht Salzburg dabei mit einem "Punschkrapferl: Dieses urbane Flair mit der wunderschönen Altstadt, andererseits ist man gleich auf dem Land - mit dieser wunderbaren Seenlandschaft."

Für Karl, der viel in Deutschland dreht und mit seiner Familie seit einiger Zeit in München lebt, hatte die Rückkehr in die Heimat einen besonderen Reiz. "In Salzburg zu drehen ist schon schön, weil ich ja quasi um die Ecke aufgewachsen bin", sagt der gebürtige Gmundener. "Aber was das Arbeiten am Set betrifft, ist es eigentlich egal, ob Österreich oder Deutschland - es kommt auf die Geschichten und die Menschen an. Hier wie dort gibt es tolle Kolleginnen und Kollegen, oder eben auch das Gegenteil - auch das ist die bereichernde Vielfalt." Gedreht wurden die beiden "Salzburg"-Krimis im Herbst 2024 in Wien, Sankt Gilgen und Salzburg. Neben den bereits genannten sind unter anderem Anna Loos, Peter Lohmeyer und Nina Proll zu sehen.

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