Pferde, Trauma und Herbstkitsch
Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Sankt Martin? Jenem römischen Soldaten, der, als er einen frierenden Bettler auf der Straße traf, barmherzig seinen Mantel mit ihm teilte? Tim Gondi und Edda Leesch haben diese alte Geschichte aus dem vierten Jahrhundert in die moderne Zeit übersetzt: Der stellenweise leider arg kitschige Film "Novemberliebe - Eine St. Martins Geschichte" unter Regie von Tomy Wigand ist ab Mittwoch, 4. November, in der ARD Mediathek, sowie zwei Tage später im Ersten zu sehen.
Der Film erzählt von Henrik Tischler (Tobias van Dieken), einem Bundeswehroffizier, der wegen eines schweren Kriegstraumas und mehrerer abgebrochener Therapieversuche vorübergehend als dienstuntauglich eingestuft wurde. Seine letzte Chance ist eine pferdegestützte Therapie auf dem Martinushof von Anja (Bettina Zimmermann). Henrik mag keine Pferde, und überhaupt hat er kein Interesse an einer Therapie: "Wie wär's, wenn Sie mir einfach unterschreiben, dass ich ein paarmal hier gewesen bin?", schlägt er deshalb Anja vor: "Sie haben doch sicher auch Besseres zu tun, und das mit dem Pferde streicheln, das war nicht meine Idee."
Ein Soldat auf dem Pferdehof
Der Soldat hat die Rechnung allerdings ohne seine Therapeutin gemacht. Denn die unterschreibt erst, wenn er sich auf die Pferde einlässt. Eine erste Stunde schafft er, doch dann schmeißt Henrik trotzdem hin. Als ihn dann aber seine Freundin Caro (Eva Verena Müller) vor die Tür setzt, bleibt dem perspektivlosen Mann gar nichts anderes übrig, als zähneknirschend auf den Hof zurückzukehren und richtig mit der Therapie zu beginnen.
Anjas Kinder Emily (Cora Trube), Luis (Sammy Schrein) und Mia (Sophia Jahn) freuen sich über den unerwarteten Gast auf Zeit. Im Gegensatz zu Anjas Noch-Ehemann Gregor (Janek Rieke): Der glaubt nämlich noch immer an die Rettung seiner längst zerbrochenen Beziehung zu Anja und Henrik steht ihm dabei gehörig im Weg ...
"Cozy" wie ein "Hallmark-Movie"
Wäre "Novemberliebe - Eine St. Martins Geschichte" ein englischsprachiger Film, würde er höchstwahrscheinlich auf dem Hallmark Channel laufen: Der US-amerikanische Fernsehsender ist bekannt für seine eher seichten Geschichten, Fans würden sie vermutlich eher "cozy" nennen, die stets vor jahreszeittypischen Kulissen spielen und dabei jedes Klischee auskosten.
Im Falle eines Herbstfilms wie "Novemberliebe - Eine St. Martins Geschichte" bedeutet das, dass die Figuren ausnahmslos kuschelige Pullis und Hosen in Erdtönen tragen, alle stürzen sich mit Feuereifer in die Vorbereitungen eines Laternenfests, und selbst das Armaturenbrett des Taxis, das Henrik auf den Martinushof bringt, ist mit einer herbstlichen Ahornblätter-Lichterkette geschmückt.
Nichts für Kitsch-Allergiker
Wer also eine ausgeprägte Allergie gegen allzu kitschige und leider auch vorhersehbare Filme hat, der sollte um "Novemberliebe - Eine St. Martins Geschichte" lieber einen Bogen machen. Wer hingegen angesichts der derzeit weltweiten Krisen nach einer Geschichte sucht, die vom Guten im Menschen erzählt und vielleicht auch etwas Hoffnung schenkt, dem dürfte diese Novemberliebe das Herz erwärmen.
Für die Hauptdarstellerin Bettina Zimmermann waren die Dreharbeiten mit den Pferden jedenfalls eine besondere Erfahrung: "Ich bin mit vielen Tieren aufgewachsen und absolute Tierliebhaberin", erzählt die 51-Jährige im Senderinterview: "Das erste Mal saß ich mit zwei Jahren auf einem Pferd, und mit Mitte 20 hatte ich selber mal ein irisches Halbblut. Aber dennoch war ich nie so ein typisches Pferdemädchen. Eher eine Freizeitreiterin." Von den rund einmonatigen Dreharbeiten hätte sie nur drei Tage drinnen gedreht, fährt Zimmermann fort: "Ansonsten waren wir bei jedem Wetter draußen auf dem Pferdehof. Ich war in der Zeit durch und durch ein Pferdemädchen. Den Geruch der Pferde, die Nähe, das habe ich nach dem Dreh alles wirklich vermisst."
Novemberliebe - Eine St. Martins Geschichte - Fr. 06.11. - ARD: 20.15 Uhr
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