"No Angels - Das sind wir": TV-Doku zeigt die Schattenseiten des Ruhms

Ein Vierteljahrhundert nach ihrem Sieg bei "Popstars" ziehen die No Angels Bilanz. In einer dreiteiligen ARD-Dokuserie sprechen die vier Sängerinnen über den Preis des frühen Erfolgs und über einen Fehler, der die Band bis heute beschäftigt.
(ili/spot) |
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"No Angels - Das sind wir": 2026 feiern die No Angels ihr 25-jähriges Jubiläum. Lucy Diakovska (v.l.), Sandy Mölling, Nadja Benaissa und Jessica Wahls.
"No Angels - Das sind wir": 2026 feiern die No Angels ihr 25-jähriges Jubiläum. Lucy Diakovska (v.l.), Sandy Mölling, Nadja Benaissa und Jessica Wahls. © hr/ARD/MDR/Kevin Lauderlein

Die dreiteilige Dokuserie "No Angels - Das sind wir" ist ab sofort in der ARD Mediathek abrufbar. Ein Jahr lang hat ein Filmteam Nadja Benaissa (44), Lucy Diakovska (50), Sandy Mölling (45) und Jessica Wahls (49) auf dem Weg zu ihrem 25-jährigen Bandjubiläum begleitet. Das Erste zeigt die erste Folge am Samstag, 17. Oktober, um 23:55 Uhr.

Im November 2000 gewannen die vier gemeinsam mit Vanessa Petruo (46) die Castingshow "Popstars". Das Vorbild stand von Anfang an fest, wie die damalige Executive Producerin Christiane Knaupp erzählt: "Es sollten die deutschen Spice Girls werden." Ex-Juror Detlef D! Soost (56) gibt offen zu: "Wir hatten keine Peilung, niemand."

Mit 18 bei "Popstars"

Am tiefsten blicken lässt Nadja Benaissa. "Ich bin mit 12 Jahren drogensüchtig geworden, war mit 14 Jahren auf der Straße, mit 16 schwanger und mit 18 bei Popstars", sagt sie. "Ich war komplett traumatisiert." Ebenfalls mit 16 habe sie erfahren, dass sie HIV-positiv ist. Leslie Mandoki (73) erinnert das in der Doku an seine Zeit bei Dschinghis Khan: Menschen würden "aus ihrem Orbit gerissen und in den Orbit geschossen, ohne Fallschirm".

2010 verurteilte das Amtsgericht Darmstadt Benaissa wegen gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung, weil sie einen früheren Sexualpartner mit HIV infiziert hatte. Kurz darauf verließ sie die Band. Heute nehme sie eine Tablette am Tag und sei dankbar, dank dieser Therapie ein ganz normales Leben führen zu dürfen. Seit acht Jahren ist sie clean. "Eigentlich hat mein Leben jetzt erst begonnen, habe ich das Gefühl." Derzeit ist sie als Teilnehmerin der aktuellen Staffel "Promi Big Brother" (Sat.1) im TV und Livestream zu sehen.

Eine Entschuldigung nach 23 Jahren

Auch Jessica Wahls geht hart mit sich ins Gericht: "Ich war, was Talent und Technik angeht, einfach die Schlechteste von allen. Und ich hatte eine Ersatzfunktion vom Aussehen her, falls es mit Nadja und dem Kind nicht gut funktioniert." Als sie schwanger wurde, legten ihr Nadja, Vanessa und Lucy auf Druck von außen den Ausstieg nahe. Benaissa räumt ein, ihre eigenen Erfahrungen als junge Mutter im Musikgeschäft auf Wahls übertragen zu haben. Bei einem Bandtreffen folgt nun die längst überfällige und tränenreiche Entschuldigung.

Kurz nach Wahls' Ausstieg 2003 löste sich die Band auf. "Diese Zeit war emotional so hässlich", erinnert sich Lucy Diakovska. Das Comeback 2007 kam ohne Vanessa Petruo - die in der Doku nur in Rückblenden zu sehen ist - aus und scheiterte. "Die Plattenfirma hat Schiss gekriegt, dass die goldene Kuh nicht mehr so viel Milch bringt", sagt Wahls. Es folgte der (geteilte) letzte Platz beim Eurovision Song Contest 2008.

"Wie ein russisches Roulette"

Erst nach dem Tod von Diakovskas Mutter 2020 fanden die vier wieder zusammen. Unbeschwert verlief das Jubiläum trotzdem nicht: Diakovska kämpft mit ihrer Stimme. "Ich bin auf der Bühne, ich habe meinen Mund aufgemacht und ich wusste nicht, was da rauskommt", sagt sie. Im Mai mussten Konzerte abgesagt werden, weil Ärzte Sandy Mölling eine Ruhepause verordneten.

Was die vier trotz allem verbindet, kann Diakovska nicht genau benennen. Nur eines weiß sie: "Es waren mit Sicherheit nicht die Verträge, die wir unterschrieben haben."

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