Anne Will über Hitzewelle: "Das war ein Einschnitt"

Die ungewohnt hohen Temperaturen im Juni forderten laut Schätzungen des RKI Tausende Opfer. "Alles extrem, alles wirklich ein Wahnsinn, ein echter Hitzenotstand", resümiert Anne Will in der aktuellen Ausgabe ihres Podcasts und verweist neben den Hitzetoten auch auf Straßenschäden, überlastete Notaufnahmen und Ausfälle bei der Bahn.
"Ich glaube, dass das jetzt wirklich eine Art von Einschnitt war", meint die einstige ARD-Moderatorin. "Ich glaube, dass wirklich Menschen verstanden haben: Das ist jetzt nicht mehr normal. Das ist nicht ein heißer Sommer, wie man ihn vielleicht aus der Kindheit kennt und vielleicht auch heißer malt, als er in Wahrheit war - sondern das war ein Einschnitt."
Das möge auf "viele Menschen" zutreffen, räumt "Politik mit Anne Will"-Gast Ann-Kathrin Büüsker ein. Gleichzeitig nehme die Klima- und Umweltjournalistin wahr, "dass das bei einem anderen Teil der Bevölkerung durchaus noch mal so einen Abwehrmechanismus triggert". Es sei "eklatant", wie viele Leute etwa behaupteten, derart hohe Temperaturen seien bereits in der Vergangenheit Normalität gewesen.
"Das war eine Extremsituation, die Deutschland so noch nicht erlebt hat"
Die Wahrheit sei: "Das war eine Extremsituation, die Deutschland so noch nicht erlebt hat." Die Bundesrepublik und ihre "komplette Infrastruktur" seien an ein gemäßigtes Klima angepasst. "Natürlich ist Infrastruktur in Saudi-Arabien ganz anders gebaut", gibt die Expertin zu bedenken. "Natürlich haben die in Dubai einen völlig anderen Asphalt - weil die an diese Temperaturen gewöhnt sind. Weil das Klima da nun mal so ist."
Nun jedoch verändere sich auch das Klima hierzulande, "sodass wir teilweise in diesen Tagen dann höhere Temperaturen hatten als in den Vereinigten Arabischen Emiraten", erklärt Büüsker. "Das muss man sich auch mal vor Augen führen. Unser gesamtes Umfeld ist einfach nicht darauf ausgelegt, mit diesen Temperaturen zurechtzukommen."
Journalistin ärgert sich über "komplette Kommunikationsverweigerung" der Regierung
Entsprechend wünsche sie sich, "dass wir tatsächlich nicht so eine Hochwasser- und Hitzedemenz haben, sondern wirklich mal vorankommen. Dass der Schwung, den solche leider negativen Ereignisse bringen für das Thema, auch von der Politik aufgegriffen und umgesetzt wird."
Büüsker nimmt insbesondere die Bundesregierung in die Verantwortung. Diese habe bezüglich der Hitzewelle bislang vor allem mit "kompletter Stille" und "kompletter Kommunikationsverweigerung" auf sich aufmerksam gemacht. "Das Mindeste wäre nach diesen Hitzetagen gewesen, zumindest den Einsatzkräften zu danken", moniert die Journalistin.
Klar sei: "Dieses Problem geht halt nicht weg, wenn man die Augen zumacht, sondern es wird einfach nur noch größer." Es habe keinen Zweck, sich als Regierung schlichtweg nicht mit der Erderwärmung zu befassen. "Das ist eine schwierige Situation, es ist eine Krise, wenn nicht gar Katastrophe", mahnt Büüsker. "Aber wir als Menschen sind ja wahnsinnig anpassungsfähig. Das macht uns als Spezies ja aus." Deshalb, hofft die Expertin, "können wir an ganz vielen Stellen Lösungen finden - wenn wir es denn wollen".