Neuer Standard digital: Ist Ihr Radio bald Schrott?

Die Zukunft des Radios. DAB+ ist der neue digitale Standard. Er soll bis 2025 in Deutschland die Verbreitung über UKW ablösen, bekommt aber Konkurrenz durch das Radio im Internet
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Äußerlich sehen die neuen Digitalradios nicht anders aus als ein UKW-Empfänger.
Bayerischer Rundfunk/N.-I. Heuse Äußerlich sehen die neuen Digitalradios nicht anders aus als ein UKW-Empfänger.

Seit der ersten deutschen Radiosendung vor über 90 Jahren hat sich auch die Radiotechnik enorm entwickelt. In den 50er Jahren wurde die Mittelwelle von UKW abgelöst, die eine bessere Tonqualität bei der Musik ermöglichte. Das digitale Radio ist der neue Standard: Es verbindet Hörfunk mit programmbegleitenden Texten, Bildern und Daten. Es verspricht nicht nur eine gute Tonqualität, sondern gibt auch die Möglichkeit, auf dem Display des Geräts den Sendungstitel und weitere Inhalte einzublenden. Aber es setzt sich nur schwer durch.

WARUM ES BISHER FLOPPT

In Deutschland stehen angeblich 300 Millionen UKW-Radios herum, davon gut die Hälfte in Privathaushalten. Die Unlust, gut funktionierende Geräte zu ersetzen, ist weit verbreitet. Außerdem wurde der erste technische Standard DAB (Digital Audio Broadcasting) durch DAB+ ersetzt. Wer in erster Begeisterung für die neue Technologie ein DAB-Gerät gekauft hat, hat nun Elektroschrott.

WER DIGITAL SENDET

Alle fünf UKW-Wellen des Bayerischen Rundfunks sind digital empfangbar. Daneben gibt es weitere BR-Kanäle in der neuen Technologie: Bayern Plus für Liebhaber des Schlagers, einen Ereigniskanal und den Jugendsender Puls. Ein Volksmusikkanal BR Heimat ist geplant. Auch diverse Privatsender sind digital unterwegs.

DIE KONKURRENZ

Das digitale Radio DAB+ wird wie UKW über Antennen verbreitet und empfangen. Eine konkurrierende Technologie ist das Internet-Radio, das zwar über Smartphones und Tablets gehört werden kann, aber einen schnellen Internet-Anschluss voraussetzt. DAB ist (vorerst) die billigere Lösung.

WEITERE VORTEILE

Der Empfang auf DAB ist sehr stabil. Die lästigen Störungen beim Autofahren fallen weg. Noch zögern die Autohersteller, ihre Fahrzeuge mit der neuen Technik auszurüsten. In den Ballungsräumen Bayerns ist DAB mittlerweile problemlos empfangbar.

WAS ES KOSTET

Die neuen Geräte (ab 50 Euro) sind leicht zu bedienen und sehen wie UKW-Radios aus. Eine Umgewöhnung ist nicht nötig. Mit Alt-Geräten ist ein Digitalempfang nicht möglich. Wenn UKW 2025 abgeschaltet wird, bleiben die heute üblichen Radios stumm.

VERSPÄTUNG

Ursprünglich sollten bis 2010 alle Radiosender ihren Sendebetrieb auf das digitale DAB umstellen. Nach massiven Widerständen hatte der Gesetzgeber einen festen Termin gestrichen. Schweiz und Schweden wollen UKW bis 2017 abschalten.

DIE ZUKUNFT

Die Intendanten Ulrich Wilhelm (Bayerischer Rundfunk) und Willi Steul (Deutschlandradio) haben davor gewarnt, die digitale Wende im Hörfunk zu verschlafen. Bis zum Jahr 2025 müsse der UKW-Rundfunk abgeschaltet werden, forderte Steul am Dienstag beim „Digitalradio-Gipfel“ des Bayerischen Rundfunks in München. „Dann hat die Industrie Klarheit.“ Auch Wilhelm betonte: „Was niemand glaubt: dass UKW als analoge Insel in einer digitalen Medienwelt überleben wird.“ Deutschland dürfe nicht abgehängt werden.

NEBENEINANDER

Siegfried Schneider von der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien sprach sich für ein Miteinander aus: Das Digitalradio biete den Hörern einen großen Mehrwert, sei aber mit Zusatzkosten verbunden und daher für kleine Privatsender ein großes Problem.

ELEKTROSCHROTT

Auch nach der Einführung von UKW in den 1950er Jahren wurden die Programme über Mittel-, Kurz- und Langwelle weiterverbreitet. Viel Hoffnung aber, dass es nach 2025 weiter UKW geben wird, machte die Tagung nicht. Wer in 10 Jahren noch Radio hören will, braucht einen Digitalempfänger oder ein Internetradio. Es kommt viel Elektroschrott auf die Wertstoffhöfe zu.

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