Neue Serie "Ponies": Die Mutter der Drachen als Aushilfsspionin

Wer bislang nur über den Namen der neuen Serie gestolpert ist, die ab dem 16. Januar bei Sky und Wow startet, darf zunächst beruhigt werden: Nein, bei "Ponies" handelt es sich nicht um eine traurige Enthüllungsdoku über den harten Alltag kleinwüchsiger Pferde. Vielmehr steht der Titel für den fiktionalen Geheimdienstbegriff "Person of no Interest" - also den wahrgewordenen Traum einer jeden Spionagebehörde, die mit ihren Agenten natürlich so wenig Aufmerksamkeit wie möglich erregen will.
Besagte "Ponies" werden von "Game of Thrones"-Hauptdarstellerin Emilia Clarke (39) und "The White Lotus"-Schauspielerin Haley Lu Richardson (30) verkörpert. Gemeinsam führen sie nicht nur durch einen ungewöhnlichen Mix aus actionreichem Spionage-Thriller und weiblicher Buddy-Comedy. Sie dürfen sich zudem im Setting der wilden Siebziger und in geheimer Mission durch die UdSSR austoben.
Der Kalte Krieg hat sie zu Witwen gemacht - darum geht es
Es ist das Jahr 1977, also inmitten des Kalten Krieges: Die zwei Frauen Bea (Clarke) und Twila (Richardson) arbeiten als Sekretärinnen in der amerikanischen Botschaft in Moskau. Schnell wird ihnen beim ersten Kennenlernen klar, dass sie eine große Gemeinsamkeit haben: Ihre beiden Männer sind Kollegen, sie arbeiten als Spione der CIA. Ein Hochrisiko-Job, der schon bald seinen Tribut fordern soll.
Eines verhängnisvollen Tages werden Bea und Twila darüber informiert, dass ein Kleinflugzeug aus noch unbekannten Gründen abgestürzt ist. Was das Unglück noch mysteriöser macht: An Bord sollen sich ihre beiden Ehemänner befunden haben. Doch statt tatenlos in Trauer zu vergehen, beschließen die beiden Witwen, der Sache höchstpersönlich auf den Grund zu gehen. Wer würde schließlich schon zwei Frauen zutrauen, als Geheimagenten der CIA zu arbeiten?
Frauenpower in einer Männerwelt
Warum Bea und Twila perfekt für diesen riskanten Job geeignet sind, bringt letztgenannte sarkastisch auf den Punkt: "Wir sind Frauen. Die Leute schauen uns nur an, wenn sie Sex mit uns wollen oder uns heiraten wollen, das war's. Niemand würde uns je irgendetwas zutrauen."
Die Story über vermeintlich hilflose Schreibtischmitarbeiter, die sich zur Überraschung aller als Agenten an vorderster Front bewähren, ist nicht neu. Meist kommt dieser Handlungsverlauf aber in reinrassigen, zuweilen arg klamaukigen Komödien zum Einsatz. In Anbetracht des Settings und des Zeitraums, in dem sich "Ponies" zuträgt, ergibt der Plot jedoch durchaus in einem ernsthaften Rahmen Sinn. Zusätzlich zur gesamten Sowjetunion legen sich Bea und Twila folglich mit einer Weltordnung an, in der sich selbst zu Zeiten des Kalten Krieges Westen und Osten erstaunlich einig waren - männlicher Chauvinismus.
Das neue TV-Dreamteam?
Im Laufe der acht Folgen von Staffel eins kommt das Zweiergespann einer immer größer werdenden Verschwörung auf die Schliche. Ein Geheimnis, das so gewaltige Ausmaße annimmt, dass die Frage in den Sinn kommt: "Was, wenn die Antworten, die ihr findet, mehr wehtun als das Nichtwissen?" Für Spannung, Drama und persönliche Abgründe ist in der Serie von "The Flight Attendant"-Regisseurin Susanna Fogel, in der unter anderem auch der deutsche Schauspieler Artjom Gilz mitwirkt, also gesorgt.
Das soll aber nicht heißen, dass die Serie bierernste Agententhriller-Kost in Anlehnung an Streifen wie "Dame, König, As, Spion" oder vergleichbare Werke sein möchte. Vor allem beim gewitzten Diskurs der beiden Hauptfiguren untereinander kommen klassische Vibes einer Buddy-Comedy zum Vorschein. Haley Lu Richardson und Emilia Clarke dürfen sich in "Ponies" also sowohl verbal als auch physisch als schlagfertiges Duo präsentieren.
Ab dem 16. Januar können sich interessierte Serien- und/oder Spionage-Fans selbst ein Bild davon machen. Eine aktuelle Tageszeitung mit ausgeschnittenem Guckloch ist dafür nicht vonnöten, Sky und dessen Streamingdienst Wow zeigen die acht Episoden von "Ponies" per wöchentlicher Doppelfolge. Linear gibt es den Beweis, dass die Drachenmutter auch als "Poni" zu überzeugen weiß, auf Sky Atlantic zu sehen.