"Müsste alleine leben wie der Hund": TV-Doku zeigt, welche Ängste ICE bei Kindern schürt

Seit Trumps Wiederwahl leben Laura und Diego in ständiger Angst, von Agenten der US-Einwanderungsbehörde ICE festgenommen zu werden. In der ARTE-Reportage "Mein MAGA-Leben" erklären die Eltern einer Zweitklässlerin, weshalb selbst ein Spaziergang im Park zu riskant geworden sei.
von  Franziska Wenzlick
Ein New Yorker Bundesagent geht an Portärts von US-Präsident Trum und Vizepräsident JD Vance vorbei. Die US-Regierung geht konsequent gegen Einwanderer ohne Aufenthaltstitel vor.
Ein New Yorker Bundesagent geht an Portärts von US-Präsident Trum und Vizepräsident JD Vance vorbei. Die US-Regierung geht konsequent gegen Einwanderer ohne Aufenthaltstitel vor. © 2025 Getty Images/Michael M. Santiago

Olivia geht in die zweite Klasse, als ihre Eltern aufhören, sie in die Schule zu bringen. Stattdessen begleitet ein Nachbar das Kind fortan auf dem täglichen Fußweg - zu groß ist andernfalls die Gefahr, dass Olivias Mutter oder Vater von ICE-Agenten abgefangen wird.

"Als meine Mama mir erklärt hat, dass die Einwanderungsbehörde Lateinamerikaner wie uns abtransportiert hat, fand ich das schlimm, weil manche bestimmt Hunde hatten", sagt das Mädchen in der ARTE-Reportage "Mein MAGA-Leben". "Wenn ICE die Leute mitnimmt, die zu Hause einen Hund haben, dann bleibt der allein. Dann ist der Hund ganz allein und vermisst seine Familie."

Die Schülerin und ihre Eltern Laura und Diego wohnen im selben Viertel wie die Journalistin Marine Pradel. Die Französin lebt in Washington, D.C., wo sie als Korrespondentin aus dem Weißen Haus berichtet. Für ihren Film hat Pradel mit MAGA-Anhängern gesprochen, aber auch mit Menschen, die direkt von Trumps Politik betroffen sind - wie Olivia, die zwar selbst in den Vereinigten Staaten geboren wurde und somit US-amerikanische Staatsbürgerin ist. Ihre mexikanischen Eltern ohne gültigen Aufenthaltstitel jedoch müssen seit dem Beginn von Donald Trumps zweiter Amtszeit ständig die Festnahme und Ausweisung fürchten.

Zweitklässlerin fürchtet, ihre Mutter durch ICE zu verlieren

Nähme ICE ihre Mama mit, erklärt Olivia, "dann wäre ich so traurig, weil ich dann alleine leben müsste wie der kleine Hund". Als sie die Worte ihrer Tochter hört, bricht Laura in Tränen aus. Wie sie selbst der Journalistin erzählt, hätten sie und ihr Mann dem Mädchen erklärt, dass der Präsident "gegen Einwanderer" sei und die Familie "eine Zeit lang nicht in den Park gehen" werde.

Man spüre, dass sich "die Stimmung verändert" habe, schildert Laura weiter. Sie vernehme "eine gewisse Feindseligkeit" Lateinamerikanern gegenüber, "wegen all der Botschaften aus dem Fernsehen und den sozialen Medien, wo es heißt, Einwanderer seien schlecht, nähmen anderen etwas weg und nutzten das System dieses Landes nur aus".

"Wir hoffen, bald wieder frei zu sein"

Irgendwann, so erfährt man in der Reportage, wird der Druck auf die Familie zu groß. Laura und Diego beschließen, nach Mexiko zurückzukehren. "Das war keine leichte Entscheidung, aber wir sehen, was derzeit hier geschieht", sagt Laura, die sich vor allem um die Zukunft ihrer Tochter sorgt.

"Wir hoffen, dass wir wieder frei auf die Straße gehen können und in Parks spazieren, wieder frische Luft atmen und nicht mehr eingesperrt sind", gibt sich das Paar nach monatelanger Sorge wieder optimistisch. Glaubten Laura und Diego einst, in den USA ein besseres Leben zu finden, soll genau das ihnen nun ihr Herkunftsland bieten: "Wir hoffen, bald wieder frei zu sein."

Zu sehen gibt es die Reportage "Mein MAGA-Leben" am Samstag, 17. Oktober, um 18.25 Uhr bei ARTE sowie bereits vorab im Streamingportal des Senders.

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